TEST – DMC: Devil May Cry – Gelungenes Reboot des Dämonenjägers

Ein neuer Dante, ein neuer Entwickler und alles auf Anfang. Das schmeckt nicht jedem Fan der Devil May Cry-Serie, so dass sich Capcom seit Monaten Kritik für das Vorhaben gefallen lassen muss.

Nun, wo die Veröffentlichung ins Haus steht, zeigt sich jedoch, dass die Neuinterpretation von Ninja Theory gelungen ist. Wir haben uns den Titel vorab genau für euch angeschaut!

Alles auf Anfang …

Es dauert nicht lange, und ihr befindet euch inmitten der Action von DMC: Devil May Cry. Gerade eben noch eine durchzechte Clubnacht hinter sich gelassen und zwei heiße Ladys in einer etwas spärlichen Behausung beglückt, verschmilzt die Erde um euch herum mit dem Dämonenreich und fordert den neuen, noch jungen Dante heraus. Ein riesiger Dämon hat es auf euch abgesehen und beschert somit einen phänomenalen und actionreichen Auftakt zum neuen Devil May Cry! Schon hier zeigt sich, wie Ninja Theory die reale Welt und Limbo City, die in einer ständigen Parallele existieren, gekonnt miteinander verschmelzen lässt. Diese Weltenkoexistenz begleitet euch das gesamte Spiel über und beeinflusst jeweils das Andere gegenüber. Gerade noch auf der “sicheren” Seite der Erde unterwegs, katapultiert es euch über einen sogenannten ‚Spalt‘ direkt nach Limbo City, oft sogar ohne Vorwarnung. An der Spitze beider Welten steht Mundus, der Anführer der dämonischen Legionen, der in der realen Welt unter dem Deckmantel eines skrupellosen Bankiers agiert und die totale Kontrolle der Menschen anstrebt. Zwischen ihm und diesem Ziel stehen einzig allein Dante und ‚Der Orden‘ – eine Organisation, die von Dante´s Bruder Vergil angeführt wird und alles daran setzt, die Pläne von Mundus zu durchkreuzen.

Es ist nun die Aufgabe des Ordens, Dante davon zu überzeugen, sich dem Kampf gegen die Dämonen anzuschließen. Eine bisher völlig neue Erfahrung für ihn, der bislang so etwas wie Respekt oder Autorität nicht kannte und immer sein eigenes Ding durchgezogen hat. Gleichzeitig arbeitet ihr eure Vergangenheit auf, erfahrt mehr über eure Herkunft, was mit euren Eltern geschehen ist und zu welcher Aufgabe ihr berufen seid. Die Story wird durchgehend spannend erzählt, stellt im Grunde das klassische Gut gegen Böse dar und überrascht am Ende sogar mit einem Twist. Etwas unpassend hingegen finden wir die anfängliche und leicht übertriebene Coolness von Dante, was vielleicht aber auch damit zusammenhängt, dass er noch ein echter Grünschnabel ist, trotz seiner Begabung Dämonen bekämpfen zu können. Das übertriebene Ego neutralisiert sich zum Ende hin aber glücklicherweise. Den etwas ernsteren Ansatz bringt ‚Der Orden‘ ins Spiel, die voraussehen, in welch kritischer Lage die Welt steckt. Hin und wieder darf man dadurch auch traurige, sentimentale oder leicht emotionale Momente in der Story erleben, insbesondere wenn eure Begleiterin Kate ihre Vergangenheit offenbart.

Dem Original treu geblieben …

Was von den älteren Teilen der Devil May Cry-Serie definitiv beibehalten wurde, ist das Kampfsystem. Hier hat sich Ninja Theory strikt an das Original gehalten und dürfte langjährige Fans somit glücklich machen. Auch in DMC: Devil May Cry verfügt Dante über ein ansehnliches Repertoire an Waffen, Moves und vor allem der Fähigkeit, dies alles miteinander zu kombinieren. Im Grunde basieren die Kampfstile auf Dämonen- oder Engelsfähigkeiten, zwischen denen ihr jederzeit frei wählen könnt. Stehen einem anfänglich lediglich das Schwert ‚Rebellion‘ und die geliebten Pistolen Ivory und Ebony zur Verfügung, erhaltet ihr im weiteren Spielverlauf deutlich mehr Möglichkeiten, eure Gegner niederzumetzeln. Diese sind letztendlich so umfangreich, dass man während des Kampfes häufig durcheinanderkommt. Insbesondere dadurch, dass sich die vielen unterschiedlichen Gegnertypen nicht immer mit ein und derselben Technik bekämpfen lassen, ist hier Geschick und Strategie gefragt.

Für stark gepanzerte Gegner bietet sich die ‚Arbiter‘-Axt oder die ‚Eryx‘ an, die zwar recht langsam sind, aber dennoch sehr wirkungsvoll sein können. Ein weiterer Gegner lässt sich nur mit der rotierenden ‚Osiris‘-Sichel bekämpfen, während wiederrum andere nur mit der Kombination aus verschiedenen Techniken zu Leibe zu rücken ist. Einigen Gegnern muss so zum Beispiel zunächst erst ein Schild entrissen werden, bevor man sich zum Gegner heranzieht und diesen dann mit seinem Schwert attackiert. Wem das nicht reicht, kann sich im späteren Spielverlauf in den ‚Dämonentrieb‘ versetzen und alles um sich herum mit gnadenloser Gewalt dem Erdboden gleich machen. Gerade in diesen Punkten dürften wahre Devil May Cry-Fans voll auf ihre Kosten kommen und mit immer längeren und ausgefalleneren Kombos auftrumpfen. Natürlich soll die persönlich erlernte Kampfkunst nicht völlig umsonst sein, die stets vom Spiel bewertet wird. Je Stilvoller ihr euren Gegner das Leben aus dem Leib prügelt, desto mehr Stilpunkte, Upgrades oder Extras lassen diese fallen, die letztendlich zu einer Gesamtbewertung der Mission zusammenfließen.

Was uns nicht so sehr gefiel sind die sind die Sprung- und Flugpassagen. Insbesondere der Doppelsprung macht es schwer abzuschätzen, ob man einen Abgrund so überwinden kann oder nicht doch wenige Zentimeter davon dem retten Vorsprung entgleitet. Gerade wenn man über mehrere kleine Plattformen hintereinander springt, möglichst noch unter Zeitdruck, landet man nicht selten daneben. Die Krone wird dem Ganzen dann noch aufgesetzt, wenn man mitten im Flug irgendwelche Plattformen an sich heranziehen muss oder sich das Level dabei verändert. Übung macht den Meister, heißt es so schön, aber hier wurden wir eindeutig zu häufig mit Frustmomenten konfrontiert, die uns hin und wieder ein ganzes Leben kosteten und den soeben hart erkämpften Sieg mit solch banalen Sachen wieder zu Nichte macht.

Surreal und farbenfroh …

Optisch hingegen hat uns DMC: Devil May Cry in jeder Hinsicht überzeugt. Hier beweist Ninja Theory sein Talent für ein außergewöhnliches Design, kombiniert mit einer nahezu perfekten Umsetzung. Von Beginn an beeindruckt man mit imposant in Szene gesetzten Zwischensequenzen und Kameraeinstellungen, gestochen scharfen Texturen, herrlichen Animationen sowie ein kreatives und abwechslungsreiches Charakterdesign. Das Highlight stellt ohne Zweifel jedoch Limbo City dar. Statt einem düsteren Höllen-Setting wird hier eine bunte und surreale Welt als dämonische Version der realen Welt aufgefahren. Alles um euch herum verändert sich, Dämonen wandeln als mysteriöse Schattengestalten umher und an nahezu jeder Ecke springen gefährliche Gegner aus den Wänden und dem Boden. Insbesondere, die sich ständig verändernde Welt in Limbo City weiß zu beeindrucken – Wände transformieren sich, der Boden unter euch reißt auf und riesige Abgründe tun sich vor euch auf. Das Alles während ihr in gigantische Boss-Kämpfe verwickelt seid oder ganze Heerscharen niedermetzeln müsst. In der realen Welt stechen vor allem die hervorragenden Licht- und Schatteneffekte ins Auge, wenn ihr zwischen den Trümmern der Katakomben des Ordens unterwegs seid. Auf etwa dreiviertel der Story erwartet euch dann außerdem ein ganz besonderes Level-Highlight, das noch einmal im kompletten Kontrast zu den anderen Beiden steht. Hier prasselt ein visuelles Feuerwerk regelrecht nur so auf auch ein, untermalt mit schnellen Technosounds.

Industrial Sounds anerkannter Künstler …

Für die Musik und den Soundtrack hat man sich das norwegische Musikprojekt ‚Combichrist‘ sowie die niederländische Band ‚Noisia‘ an Bord geholt, die das Geschehen auf dem Bildschirm mit harten Industrial- und Dark Electro Sounds untermalen. Nun ist es nicht so, dass man permanent unter Kopfschmerzen leiden muss. Die Musik fügt sich passend zu der Action auf dem Bildschirm zusammen. Man darf sich aber auch auf melancholische und seichte Stücke während des Spielens freuen. An der deutschen Synchronisation gibt es unsererseits auch nichts zu bemängeln, die zum Teil mit bekannten Stimmen aufgenommen wurde. Auffällig ist ebenfalls, dass man hier das volle Repertoire des Vulgarismus ausgeschöpft und die gute Kinderstube dabei völlig vergessen hat.

Fazit

„Mit Ninja Theory als neuer Entwickler für DMC: Devil May Cry bewies Capcom das richtige Händchen. Schon lange ist bekannt, dass das britische Studio so Einiges unter der Haube hat und zu Recht das prestigeträchtige Devil May Cry verdient. Mit dem zusätzlichen Know-How von Capcom ist das Reboot definitiv gelungen, auch wenn sich das langjährige Fans vielleicht nicht eingestehen wollen. In vielerlei Hinsicht macht man die Dinge besser als zuvor in der Serie. Um das zu erkennen, muss man das Spiel aber auch erst einmal gespielt haben. Euch steht eine fantastische und visuelle Präsentation einer surrealen Welt ins Haus, sowie ein kreatives Charakterdesign. Hinzu kommt eine spannende Story um das klassische Gut gegen Böse und ein ausgefeiltes und anspruchsvolles Kampfsystem, einschließlich epischer Boss Fights. DMC: Devil May Cry überzeugt mit einem phänomenalen und actionreichen Auftakt in diesem Jahr, sowie einem frischen und ansprechenden neuen Look der Devil May Cry-Serie.“

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Entwickler: Ninja Theory
Publisher: Capcom
Release: 15. Januar 2013
Offizielle Homepage: www.devilmaycry.com

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