TEST – Uncharted: Golden Abyss – Drake´s interaktives Abenteuer

Nachdem sich Uncharted zu einer der populärsten und erfolgreichsten Serie auf der PS3 entwickelt hat, macht Nathan Drake nun einen Schritt zu Seite und stürzt sich in sein erstes Abenteuer auf der PlayStation Vita.

Anders als die großen PS3 Brüder entstand der PS Vita-Ableger nicht beim Geburtsstudio Naughty Dog, sondern im Bend Studio von Sony, zuletzt bekannt durch Resistance: Retribution auf der PSP. So schaut man nun auch genau hin, ob man das Franchise, das immerhin wegweisende Richtungen vorgegeben hat, bedenkenlos abgeben kann.

Mit Uncharted: Golden Abyss folgt man diesmal nicht den Spuren von Nathan´s Ur-Ahne Sir Francis Drake und seinem sagenumwobenen Ring, sondern wird von seinem Kumpel Dante nach Mittelamerika gelotst. Hier ist ein Minenunternehmen auf etwas Geheimnisvolles gestoßen, das das Altertumsamt sowie einen alten Mann auf den Plan ruft, die herausfinden wollen, was dahinter steckt. Natürlich verläuft hier alles anders geplant; der alte Mann verschwindet und patriotischer General samt eigener Armee und nicht mehr ganz so patriotischen Plänen durchkreuzen die Sache.

In Mittelamerika angekommen, trefft ihr zunächst auf den bisher unbekannten Jason Dante, ein eher glückloser Schatzsucher, der genauso ehrlich wie falsch sein kann, wie sich später herausstellen wird. Weiterhin stößt die ebenfalls bisher unbekannte Marisa Chase zu euch, die Enkelin des zuvor erwähnten alten Mannes. Auch Sully ist wieder mit von der Partie, der im späteren Spielverlauf zu euch stößt.

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Die eigentliche Story von Uncharted: Golden Abyss, die wie gewohnt sehr cineastisch aufgebaut ist, erschließt sich einem zunächst eher weniger und konzentriert sich in den ersten Kapiteln auf die Suche nach dem alten Mann. Dies wendet sich im Laufe des Spiels jedoch einmal komplett und offenbart letztendlich ein grausames Geheimnis einer 400 Jahre alten Expedition der Spanier.

Wahren Uncharted-Veteranen wird erneut ein abenteuerliches Dschungel-Setting vor die Nase gesetzt, welches die dichte Atmosphäre aus ‚Drake´s Fortune‘ sogar noch übertrifft. Euch erwarten riesige und verborgende Tempelanlagen, reißende Flussschnellen, Piranha verseuchte Gewässer und ein wunderschöner Ausblick über den sonnigen Horizont Mittelamerikas. Schnell stellt sich auch der Eindruck ein, dass man sich diesmal etwas vom schießwütigen Drake entfernt hat und wieder mehr in Richtung Tomb Raider abwandert. Der Fokus liegt deutlich mehr auf dem Erkunden, Klettern, Springen, Rätsel lösen und Schätze sammeln. Wer nun befürchtet, dass seine Waffe im Holster nur als Deko dient, kommt in den späteren Kapiteln umso mehr zum Zuge.

Natürlich ließen es sich auch die Bend Studios nicht nehmen und griffen tief in die PS Vita Trickkiste, um fast schon übereifrig jedes Feature im Spiel unterzubringen. Das merkt man vor allem an der völlig neu überdachten Schatzsuche. Während man in den ersten drei Uncharted-Spielen stur einen Schatz nach dem anderen aufsammeln musste, hat man mit ‚Golden Abyss‘ seiner Kreativität freien Lauf gelassen.

Die Schatzsuche unterteilt sich in zwölf große Rätsel, die es zu lösen gilt. Dazu müssen entweder einfache Schätze gefunden werden, Fotos von bestimmen Orten gemacht, gefundene Puzzle zusammengesetzt oder Kohleabdrücke von geheimnisvollen Zeichen und Symbolen auf Papier schraffiert werden, die ihr überall im Dschungel findet. Das macht man zum Bespiel, in dem man das Papier auf den meist steinigen Untergrund hält und mit dem Finger über das Touchpad wischt, bis sich der gesamte Abdruck auf dem Papier abzeichnet. Genauso reinigt man dann auch alte Schätze von Schmutz.

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Ein anderes Rätsel ist unsichtbar auf einem Stück Papier eingraviert, das nur sichtbar wird, wenn man die Kamera der PS Vita gegen eine helle Lichtquelle hält und so die Schriftzeichen offenbart. Bei den Puzzles werden einem meist zerrissene Stücke von Karten oder Bildern vorgelegt, die man durch drehen und hin und her schieben an der richtigen Stelle positionieren muss. Zum Fotos schießen muss man sich richtig positionieren und das Bild im gewünschten Winkel und Zoom einfangen, was ebenfalls mithilfe des Touch- oder Rear-Pad passiert. Zudem kann man die PS Vita wie eine echte Kamera halten und so die minimalsten Ausrichtungen für das Foto vornehmen. Neben den Trophäen, die für das Lösen der einzelnen Rätsel freigeschaltet werden, erfährt man oft auch etwas mehr zu deren Hintergrundgeschichte oder Herkunft.

Beim Gameplay orientiert man sich natürlich an dem gewohnten Uncharted-Design und wer das Spiel von der PS3 her kennt, findet einen schnellen Einstieg. Zwar fehlen im Grunde zwei Schultertasten; diese hat man aber elegant auf die rechte Seite des Touchpads umgelegt. Immer wenn eine Aktion hier notwendig wird, wird das dazu benötigte Symbol eingeblendet und ist somit schnell griffbereit. Zum Beispiel beim Werfen von Granaten, die man entweder durch kurzes antippen wirft oder mit einem Wisch über das Touchpad direkt dahin, wo der Gegner steht. Auch Nahkämpfe hat man gut über das Touchpad gelöst. Seht ihr euch einem Faustkampf gegenüber, könnt ihr mit dem Finger immer direkt auf den Gegner tippen, um ihm eine zu verpassen. Ausweichen und in Deckung gehen wird ebenfalls mit einem Wisch über das Touchpad nach schräg oben oder unten gelöst, sodass durchaus dynamische Fights entstehen. Nachteilig ist allerdings weiterhin, dass man im Nahkampf gefangen, dem Kreuzfeuer anderer Gegner ausgesetzt ist und es keine Fluchtmöglichkeiten gibt.

Bei all der Innovation, die man bis zu diesem Punkt ins Spiel gebracht hat, haben es das Bend Studio teilweise aber auch damit übertrieben. Balanciert man sich zum Beispiel auf einem Baumstamm über einen Abgrund, bleibt Nathan plötzlich stehen und man wird gezwungen mit dem Gyroskop die Balance zu halten. Das hält nicht nur den Spielfluss auf, sondern wirkt auch wenig unpassend in diesem Moment. Die Lösung mit den Sixaxis-Sensoren auf der PS3 war da deutlich eleganter.

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In heißen Feuergefechten setzt man ebenfalls auf die zahlreichen Möglichkeiten der PS Vita. Ähnlich wie bei der Verwendung als Kamera kann man auch hier die Sixaxis-Sensoren dafür verwenden, um sein Ziel besser auszurichten, was vor allem beim Snipern hilfreich ist. Das Rearpad dient dann dazu, um den Zoom richtig einzustellen. Ansonsten erwartet euch das gewohnte Repertoire an Waffenvielfalt, das von der einfachen 9mm bis zum Granatwerfer reicht. Dank der zwei Analog-Sticks geht das Zielen, wenn auch teils sehr hektisch, recht einfach von der Hand.

Ein weiterer interessanter Part des Spiels ist der Schwarzmarkt. Während des gesamten Spielverlaufs könnt ihr insgesamt 300 sammelbare Objekte finden. Darüber hinaus begegnen euch im Spiel die sogenannten ‘Bounties’, die ganz spezielle Belohnungen fallen lassen, wie Gold- und Silbermünzen oder alte spanische Spielkarten. Hier kommt nun der Schwarzmarkt ins Spiel! Über die Anwendung ‘near’ könnt ihr nach noch fehlenden Belohnungen Ausschau halten und Anfragen danach an andere Spieler senden. Wenn ein Spieler in eurer Umgebung die gesuchte Belohnung bereits hat, könnt ihr diese von ihm als Geschenk erhalten. Über ‘near’ gibt es sogar einen sechsten Bounty-Typ, den ihr nicht im Spiel finden werdet. Nur so wird es am Ende auch möglich sein, die Platin Trophäe zu ergattern.

Grafisch zeigt das Bend Studio mit Uncharted: Golden Abyss direkt zum Launch der PS Vita, was das neue Handheld auf dem Kasten hast. Im direkten Vergleich mit den PS3-Ablegern, kann man das Spiel am ehesten mit ‚Uncharted 2: Among Thieves‘ vergleichen, was besonders in den Naheinstellungen von Gesichtern zur Geltung kommt. Tolle Texturen, schöne Licht- und Schatteneffekte, real wirkendes Wasser. Auch in Sachen Animationen steht das Spiel der PS3-Versionen in Nichts nach. Natürlich macht sich ein leichtes Kantenflimmern aufgrund der Nähe zum Display bemerkbar und auch gelegentliche Clipping-Fehler sind uns aufgefallen. Teilweise sind auch leichte Pixelwolken zu erkennen, wenn aufwendige Animationen wie Feuer oder ähnliches im Hintergrund über das Display flackert. Das Gesamtbild überzeugt aber durch und durch, so dass man mittendrin schon fast vergisst, dass man hier vor einem Handheld sitzt und nicht vor der PS3. Es dürfte interessant werden, in wie weit die Entwickler die Technik der PS Vita in der Hinsicht noch ausreizen werden.

Soundtechnisch erwartet euch wieder regelmäßig das bekannte Uncharted-Theme und die gewohnte Abenteurer- und Dschungelmusik, die einen auch auf der PS Vita mit in das Spielerlebnis hineinziehen und die filmische Erzählweise untermalen. Die Synchronstimmen wurden ebenfalls erneut gut und passend gewählt, so dass auch in der deutschen Version kein Horror nur vom Zuhören aufkommt.

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Fazit

„Mit Uncharted: Golden Abyss haben die Bend Studios die Messlatte auf der PS Vita bereits zum Start weit oben angelegt. Die Befürchtung, dass das Spiel in den Händen eines anderen Studios unter der Qualität leidet, konnten wir nicht bestätigen und euch erwartet erneut eine erstklassige und würdige Umsetzung des Franchise. Wohl auch deshalb, weil Naughty Dog dabei stets ein Auge auf ihr „Kind“ geworfen hat. Was ein wenig fehlt sind epische Momente, wie man sie auf der PS3 erleben konnte, in dem man ganze Flugzeuge zum Absturz bringt oder Züge entgleisen lässt. Dafür konzentriert sich das Spiel voll auf die Möglichkeiten, die die PS Vita zu bieten hat und damit auch in fast allen Punkten überzeugen kann. Die neu überdachte Schatzsuche und die Community-Features mit ‚near‘ runden das Uncharted-Paket für jeden Abenteurer letztendlich ab. Mit einer Spielzeit von rund acht Stunden seid ihr zudem auf jeder längeren Reise ausgiebig beschäftigt. “

Entwickler: Sony Bend
Publisher: Sony Computer Entertainement
Release: 22. Februar 2012

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