Lenny Kravitz als Bösewicht in 007 First Light wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, auf den zweiten absolut logisch. Kaum jemand verkörpert diese Mischung aus Charisma, Gefahr und kultivierter Arroganz so selbstverständlich wie er.
Genau deshalb übernimmt der Musiker die Rolle von Bawma, dem zentralen Antagonisten im neuen James-Bond-Spiel von IO Interactive. Im Interview mit IGN, das wir im Hinblick auf die bisherige Bond-Historie analysiert haben, verrät Kravitz, warum er sich als den perfekten Gegenspieler sieht, und was vielen klassischen Videospiel-Schurken fehlt.
Seiner Ansicht nach muss er nicht laut sein, um präsent zu wirken. Sein Auftreten verbindet Luxus mit Bedrohung, Stil mit Abgebrühtheit. Eigenschaften, die perfekt zu einer Figur passen, die nicht als Karikatur funktioniert, sondern als glaubwürdiger Gegenspieler auf Augenhöhe mit Bond.
Ein Bösewicht mit Persönlichkeit statt Klischee
Bawma versteht sich nicht nur als Gegenspieler, sondern als Teil seiner Umgebung. Die Stadt, in der er agiert, ist laut Kravitz „eine Erweiterung seines Wesens“. Infektionen, Wunden, Tattoos, Schmuck – all das ist kein Selbstzweck, sondern Teil einer bewusst aufgebauten Figur. Das Design entstand nicht am Reißbrett, sondern in enger Abstimmung mit den Entwicklern, inkl. Anzug, Schnitt, Farben und Accessoires. Alles wurde iterativ geschärft, bis die Figur stimmig war.
007 First Light setzt stärker auf glaubwürdige Charaktere als auf reine Bond-Klischees. Bawma wirkt wie jemand, der Macht ausstrahlt, ohne sie ständig demonstrieren zu müssen. Das ist eine gute Nachricht für alle, die genug von austauschbaren Endgegnern haben.
Bond-DNA aus echter Leidenschaft
Kravitz ist kein Fremdkörper im Bond-Kosmos. Er wuchs mit den Filmen auf, stand als Teenager für Premieren an und nennt nicht nur Schauspieler, sondern auch die Musik als prägenden Faktor: Shirley Bassey, Paul McCartney, Duran Duran – Bond war für ihn immer auch Soundtrack.
Interessant ist der Fokus auf die Stimme. Da es kein Filmset gibt, entsteht die gesamte Präsenz allein über Tonfall, Rhythmus und Timing. Kravitz beschreibt den Prozess als kollaborativ, aber auch fordernd. Ohne Kontext anderer Szenen musste er sich vollständig auf Regieanweisungen verlassen. Nach rund einer halben Stunde war der Ton gefunden, dann saß er.
Warum Kravitz überzeugt
- Stimme als Waffe: Die extreme Fokussierung auf das Voice-Acting deutet auf eine sehr cineastische Inszenierung hin.
- Kein Klischee-Bösewicht: Anders als in früheren Bond-Games scheint Bawma eine tiefere, moralische Grauzone zu besitzen.
- IOI-Handschrift: Die enge Zusammenarbeit beim Design erinnert stark an die Detailverliebtheit der letzten Hitman-Teile.
Lenny Kravitz als einen markanten, nicht naheliegenden Bösewicht zu besetzen, spricht für Selbstvertrauen. Wenn Bawma spielerisch so viel Tiefe bekommt wie konzeptionell, könnte Bond hier endlich wieder einen Antagonisten erhalten, der in Erinnerung bleibt, nicht wegen Explosionen, sondern wegen Ausstrahlung.


Wenn ich den Gehaltszettel dafür bekomme, denke ich auch, dass ich ideal wäre für die Rolle 🙂