Amazon zieht die Reißleine: Der Konzern streicht über 14.000 Stellen im gesamten Unternehmen, und trifft dabei auch seine Gaming-Sparte besonders hart. Laut interner Mitteilung, die Bloomberg vorliegt, fallen in den Studios in Irvine und San Diego „signifikante Rollenreduzierungen“ an. Betroffen ist vor allem die Entwicklung von großen AAA-Produktionen und Online-Titeln.
Dass Amazon Games in den letzten Jahren Schwierigkeiten hatte, Fuß zu fassen, ist kein Geheimnis. Nach dem Achtungserfolg von Lost Ark und dem kurzzeitig populären New World blieb der große Durchbruch aus. Nun scheint der Konzern die Notbremse zu ziehen und seine Prioritäten neu zu ordnen.
Fokus auf Luna, KI und „Casual Games“
Statt in teure Online-Welten zu investieren, will Amazon künftig auf das setzen, was es nach eigener Aussage „am besten kann“: Cloud-Technologie und Künstliche Intelligenz. Die Gaming-Plattform Luna rückt dabei stärker in den Mittelpunkt. Hier sollen künftig vor allem kleinere Spiele mit KI-Features und einfachem Zugang erscheinen, also Titel, die mehr auf Masse als auf Tiefe setzen.
Das bedeutet aber nicht, dass alle Projekte eingestampft werden. March of Giants, ein Strategiespiel aus dem kanadischen Studio in Montreal, bleibt in Entwicklung. Auch das neue Tomb Raider, das bei Crystal Dynamics entsteht, wird weitergeführt. Gleiches gilt für das Rennspiel von Maverick Games in Großbritannien.
Ein ungewisser Neuanfang
Amazon versucht seit über einem Jahrzehnt, im Spielemarkt Fuß zu fassen, bislang mit überschaubarem Erfolg. Titel wie Courtroom Chaos oder King of Meat zeigen, dass KI-Experimente allein noch keine Begeisterung auslösen. Der eine Titel brachte immerhin Snoop Dogg als virtuellen Charakter, der andere schaffte es kaum über 250 gleichzeitige Spieler hinaus.
Der Strategiewechsel mag wirtschaftlich sinnvoll sein, doch er wirft Fragen auf. Wenn selbst ein Konzern wie Amazon seine AAA-Ambitionen aufgibt, was sagt das über den Zustand der Spieleindustrie? Für Entwickler bedeutet das in jedem Fall eine bittere Zäsur. Und für Spieler? Eher weniger Hoffnung auf das große Amazon-Meisterwerk, das nie kam.
Amazon Games zieht sich zurück und will statt komplexer Online-Games künftig vor allem KI-getriebene Casual-Titel für die Cloud bringen. Klingt pragmatisch, aber wenig inspirierend. Vielleicht sollte Amazon weniger „das tun, was es am besten kann“, und endlich lernen, was Spieler wirklich wollen.


