Nach fast sechs Jahren schließt Anthem endgültig seine Server. Das Online-Action-Rollenspiel von BioWare, das 2019 mit großen Ambitionen startete, erlebt damit das traurige Ende eines Projekts, das sowohl für seine Fans als auch für Kritiker ein Musterbeispiel für verfehltes Potenzial darstellt.
Unter dem Motto „Strong alone, stronger together“ strömten die letzten verbliebenen Spieler in den vergangenen Tagen noch einmal in die Welt der Javelins, um Abschied zu nehmen.
Anthem Next blieb ein Traum
Für viele kam das endgültige Aus nicht überraschend. Bereits 2020 hatte BioWare eine umfassende Roadmap für ein ambitioniertes Update namens Anthem Next vorgestellt, das die kritisierten Mängel des Spiels adressieren sollte. Doch EA lehnte das Budget ab, und die geplante Erweiterung wurden eingestellt. Berichte deuteten an, dass es intern noch Versuche gegeben habe, das Projekt zu retten, doch „Leadership“ habe sich stur an die ursprüngliche Vision gehalten, und das Team musste zusehen, wie ihr Werk langsam zugrunde ging.
Trotz des gescheiterten Updates erinnert sich die Community an Momente, in denen Anthem wirklich glänzte. Viele Spieler heben die flüssigen Flug- und Kampfsysteme hervor, die jede Javelin-Klasse zu einem eigenen Erlebnis machten. Ein Nutzer auf Reddit fasste es so zusammen: „Sie haben fast alles falsch gemacht, aber die Kämpfe von Minute zu Minute fühlten sich wirklich unglaublich an, und die vier verfügbaren Klassen fühlten sich fast so an, als würde man verschiedene Spiele spielen.“ Der Kernmechanik fehlte lediglich die langfristige Unterstützung, wie sie andere Loot-Shooter wie Destiny oder Diablo bieten.
Unvergessene Momente: Flug, Kampf und die Javelin-Klassen
Die emotionale Reaktion der Spieler zieht sich durch fast alle Beiträge. Manche haben das Spiel extra noch einmal installiert, um wenigstens die letzten Stunden genießen zu können. Andere beklagen, dass sie nie alle Inhalte wie Strongholds oder alle Javelin-Klassen ausprobieren konnten – ein Gefühl der verpassten Gelegenheit. Gleichzeitig ist die Kritik an EA unübersehbar: Das Unternehmen wird dafür verantwortlich gemacht, das Potenzial von Anthem nicht ausgeschöpft zu haben und das Projekt frühzeitig aufzugeben.
Die Mischung aus Begeisterung für die Kernmechaniken und Frustration über fehlende Inhalte macht Anthem zu einem „could-have-been“-Titel: ein Spiel, das in kleinen Momenten Magie versprach, diese aber nie vollständig realisieren konnte. Spieler hoffen, dass zukünftige Projekte zumindest einzelne Elemente wie das Fluggefühl oder die Javelin-Vielfalt wieder aufgreifen.
Mit dem Abschalten der Server ist Anthem nun ein weiterer Titel, der in der Kategorie „verlorene Online-Spiele“ landet, eine Erinnerung daran, wie fragil Live-Service-Titel sein können. Für die Fans bleibt die Hoffnung, dass jemand irgendwann die Lektionen aus dem Scheitern zieht und die Mechaniken von Anthem in einem neuen, stabilen Spiel wieder aufleben lässt.