Es ist schon lange offiziell: In nur sieben Tagen werden die Server von Anthem abgeschaltet. BioWare und EA setzen damit einen Schlusspunkt unter eines der ambitioniertesten – und zugleich gescheitertsten – Multiplayer-Projekte der letzten Jahre.
Wer das Spiel bislang noch einmal erleben wollte, muss sich jetzt sputen. Danach gibt es keine Möglichkeit mehr, die Javelin-Anzüge zu steuern oder die offenen Welten von Bastion zu erkunden.
Die Abschaltung wirft ein Schlaglicht auf ein Problem moderner Online-Spiele. Kaufst du sie, verlierst du sie manchmal für immer. Bewegungen wie Stop Killing Games zeigen, wie stark sich Spieler gegen diesen Trend wehren, wenn bislang auch ziemlich erfolglos. EA hat klar gesagt, dass die Kosten für laufende Server einen Betrieb nicht mehr rechtfertigen, eine Entscheidung, die aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar ist, für die Spieler aber bitter.
Ein BioWare-Spiel mit Identitätskrise
Anthem war nicht einfach ein Flop. Es war ein Spiel, das versuchte, zwei Dinge gleichzeitig zu sein – eine klassische BioWare-Erfahrung mit tiefem Storytelling und ein kompetitiver Multiplayer-Titel. Am Ende funktionierte keines von beidem wirklich. Interne Stimmen beschrieben das Projekt einmal als „vom eigenen Identitätskonflikt erschüttert“.
Ursprünglich war ein großangelegtes 2.0-Update geplant, das Anthem retten sollte. Diese Pläne wurden jedoch aufgegeben. Das Ende des Spiels markiert zugleich einen Wendepunkt für BioWare, das nach den Rückschlägen von Mass Effect: Andromeda und der chaotischen Entwicklung von Dragon Age: The Veilguard nun unter noch größerem Druck steht.
Was bleibt für BioWare?
Mit Anthem verschwindet nicht nur ein Spiel, sondern ein Teil der BioWare-Geschichte. Der Fokus liegt jetzt auf dem nächsten Mass Effect, das über die Zukunft des Studios entscheiden könnte. Ob EA und die neuen Investoren in Saudi-Arabien den Weg BioWares unterstützen werden, ist offen. Die Server von Anthem gehen am 12. Januar 2026 endgültig offline, für Spieler ein Moment der Nostalgie, für BioWare ein Lehrstück über die Risiken von Live-Service-Spielen.
Es ist zugleich die letzte Chance: Jetzt oder nie mehr! Danach bleibt nur die Erinnerung an einen ambitionierten Versuch, der scheiterte, ohne dass er vollkommen bedeutungslos war.