DICE arbeitet sich am eigenen Scherbenhaufen ab. Mit dem Hunter/Prey-Update für „Battlefield 6“ am 14. April reagiert das Studio auf die anhaltende Kritik an der zähen Progression und einem Ping-System, das im Zweifelsfall lieber einen Grashalm als einen Panzer markiert.
Während Nightfall mit Nachtsicht-Spielereien und Dirtbikes für kurzfristiges Rauschen im Wald sorgte, ist die nächste Phase der Versuch, die mechanischen Defizite der Kernmarke und des REDSEC-Ablegers einzudämmen. Es ist das Eingeständnis, dass die Grundlagen immer noch nicht sitzen.
Die Reparatur der Grundfesten
Zentrales Element ist die vollständige Überarbeitung der Progressions-Logik. DICE reduziert die Mastery-XP-Anforderungen für Waffen und Fahrzeuge massiv, nachdem die Community das bisherige System als bodenlose Zeitverschwendung entlarvte. Die neue XP-Kurve soll das Vorankommen im Battle Pass und den Karriere-Rängen beschleunigen. Es ist der späte Versuch, die Spieler bei der Stange zu halten, die keine Lust auf einen Zweitjob als XP-Farmer haben.
Das Ping-System erhält eine technische Generalüberholung. Bisher litten Markierungen unter mangelnder Priorisierung: Das Spiel erkannte oft lieber Umgebungsobjekte statt der feindlichen Bedrohung. Hunter/Prey soll die Zuverlässigkeit bei Langstrecken-Spotting und aus Fahrzeugen heraus erhöhen. Die Korrektur dieser Basisfunktion erfolgt Monate nach dem Launch.
REDSEC unter dem Skalpell
Der Battle Royale-Modus in „Battlefield 6“ bleibt die größte Baustelle. Um die Leere zwischen den Gefechten zu füllen, wird die Verfügbarkeit von Panzerplatten drastisch erhöht. Munitions-Drops enthalten diese nun standardmäßig. Das neue „Armor Drop Strike Package“ liefert 24 Platten auf Knopfdruck, um Squads in langen Gefechten künstlich am Leben zu erhalten. Die Loot-Animationen werden beschleunigt, damit der Spielfluss weniger stockt.
Der Armored Transport kehrt als „Traverser Mark 2“ zurück, allerdings ohne Bordkanonen. DICE sah ein, dass das Fahrzeug in der ursprünglichen Form das Balancing im Alleingang zerlegte. Jetzt dient es als rollender Safe ohne Biss. Wer Wände einreißen will, greift zum Sledgehammer, dessen Schaden gegen Objekte in REDSEC gezielt angehoben wurde. Man will mehr Dynamik erzwingen, wo bisher statisches Campen dominierte.
Ein Knochen für die Portal-Bastler
Für die Community-Ersteller liefert DICE das „Portal Gadget“. Ein Werkzeug auf TypeScript-Basis, das endlich logische Trigger auf eine dedizierte Taste legt. Bisher mussten Schöpfer von Custom-Modi auf absurde Workarounds wie „Ducken zum Bestätigen“ ausweichen – ein Relikt aus 2042-Zeiten, das nun verschwinden soll. Es gibt den Spielern mehr Kontrolle, setzt aber voraus, dass die Community die Arbeit leistet, die das Hauptspiel oft vermissen lässt.
Die Auswertung der Battlefield Labs zum Solos-Test zeigt ebenfalls ein klares Bild: Der Modus funktioniert nicht. Die Recon-Klasse dominierte das Geschehen durch Drohnen-Spam, während Fahrzeuge mangels koordinierter Squad-Gegenwehr unbesiegbar schienen. Statt einer permanenten Implementierung schickt DICE den Modus zurück in die Analyse-Hölle. Man weiß, was die Leute wollen, bekommt die Balance allein aber nicht in den Griff.
DICE poliert die Fassade, während das Fundament weiter unter dem Gewicht der eigenen Fehlentscheidungen ächzt.