Microsoft streicht im laufenden Geschäftsjahr 3.200 Stellen in seiner Gaming-Sparte, die Hälfte der Entlassungen greift mit sofortiger Wirkung. Von diesem massiven Stellenabbau, der rund ein Fünftel der gesamten Xbox-Belegschaft betrifft, ist die Tochtergesellschaft Bethesda besonders hart betroffen.
In einer internen E-Mail an die Angestellten kündigte Bethesda-Chefin Jill Braff das Ende des bisherigen Modells eigenständiger Studio-Pläne an. Die verbleibenden Ressourcen werden deutlich zusammengestrichen und auf die zugkräftigsten Marken konzentriert. Das Management reagiert damit auf die anhaltende Unwirtschaftlichkeit großer Teile des eigenen Portfolios.
Die Neuausrichtung eliminiert das Risiko von Experimenten
Der Stellenabbau trifft die Entwicklungsstudios im gesamten ZeniMax-Verbund strukturell. Betroffen sind namhafte Teams wie id Software und ZeniMax Online Studios, während Arkane Lyon laut internen Berichten vor dem Verkauf oder der Schließung steht. Das bedeutet das wahrscheinliche Aus für das angekündigte „Marvel’s Blade“.
Das bisherige Prinzip, nach dem Studios wie id Software oder MachineGames weitgehend autonom über ihre Folgeprojekte entscheiden durften, ist gescheitert. Steigende Entwicklungskosten und lange Produktionszyklen machen dieses System unbezahlbar.
Die Konsequenz ist eine strikte Konsolidierung des Portfolios. Zukünftig bestimmen nicht mehr die Ambitionen einzelner Studios die Pipeline, sondern der historische Marktwert der Marken. Bethesda reduziert sich im Kern auf zwei tragende Säulen: The Elder Scrolls und Fallout. Das Großprojekt Starfield gerät durch diese Priorisierung intern ins Hintertreffen. Für kleinere Marken oder Fortsetzungen wie ein potenzielles Indiana Jones 2 fehlt im neuen Apparat schlicht das Personal.
Kollaborative Fließbandarbeit statt kreativer Unabhängigkeit
Die verbleibenden Kapazitäten ehemals eigenständiger Studios werden umverteilt, um die Produktion der Kernmarken zu beschleunigen. So zeichnet sich ab, dass das dezimierte Team von id Software künftig als reine Support-Bezieher für die Ego-Shooter-Technologie anderer Bethesda-Projekte eingesetzt wird. Das betrifft „Wolfenstein 3“ und womöglich die Auslagerung eines neuen Fallout-Ablegers an Obsidian Entertainment. Obsidian steht nach dem kommerziellen Misserfolg von Avowed ohnehin ohne Folgeauftrag da.
Diese Umstrukturierung spiegelt den allgemeinen Markttrend der Spieleindustrie wider. Das Wachstum der vergangenen Jahre stagnierte, während die Budgets für Triple-A-Produktionen explodierten. Microsoft korrigiert mit dem Abbau von 20 Prozent der Xbox-Belegschaft die aggressive Einkaufspolitik der letzten Jahre. Der Konzern zwingt seine Tochtergesellschaften zu maximaler Effizienz. Kreative Nischenprojekte fallen diesem Sparkurs zuerst zum Opfer.
Für Spieler bedeutet diese Radikalkur vor allem das Ende der Vielfalt im Bethesda-Katalog. Die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten fünf Jahren ein neues Doom, Quake oder ein experimentelles RPG zu sehen, geht gegen null. Der Vorteil liegt in einer potenziellen Beschleunigung von „Fallout 5“ und „The Elder Scrolls 6“. Microsoft formt Bethesda von einem kreativen Studio-Netzwerk zu einer straff organisierten Produktionsstraße für etablierte Blockbuster um. Das ist wirtschaftlich logisch. Für das Medium bleibt es ein Armutszeugnis.

Das Game wird gefühlt nie rauskommen.