Bungies ambitioniertes Live-Service-Projekt „Marathon“ verliert vier Monate nach dem Release seinen wichtigsten Kopf. Game Director Joseph Ziegler hat das Studio mit sofortiger Wirkung verlassen.
Die Nachfolge treten der bisherige Assistant Game Director Del Chafe III und Creative Director Julia Nardin an. Der plötzliche Wechsel an der Spitze ist das nächste Alarmsignal für einen strauchelnden Entwickler, der sich nach dem Ende von „Destiny 2“ mitten in einer existenziellen Krise befindet.
Die Zahlen lügen nicht
Hinter den Kulissen brennt es bei Bungie schon länger lichterloh. Erst vor wenigen Wochen entließ die Sony-Tochterfirma 292 Vollzeitkräfte in Bellevue. Studioleiter Justin Truman trat im Zuge dieser Umstrukturierung ebenfalls zurück. Der drastische Personalabbau folgte direkt auf die Einstellung jeglicher neuer Inhalte für das langjährige Zugpferd „Destiny 2“, das die kommerziellen Erwartungen zuletzt deutlich verfehlte.
„Marathon“ sollte das neue Fundament des Studios werden. Die Realität sieht düster aus. Auf dem PC, der für einen kompetitiven Extraktions-Shooter wichtigsten Plattform, dümpelt der Titel in den vergangenen Wochen bei mageren Spitzenwerten von wenigen tausend gleichzeitig aktiven Spielern herum. Weder die Free-to-Play-Woche noch der Start von Season 2 im vergangenen Monat brachten eine nachhaltige Trendwende.
Hey everyone I've got a bit of an announcement to make. Today, Friday 7/17, will be my last day at Bungie and I'll be passing the torch of Game Director to the very capable and amazing hands of Del Chafe III, who will guide the game forward alongside the Creative Director Julia…
— Ziegler (@Ziegler_Dev) July 17, 2026
Das Ende einer verfehlten Live-Service-Wette
Der Abgang des Game Directors passt ins Bild einer völlig fehlkalkulierten Branchen-Strategie. Sony kaufte Bungie im Jahr 2022 für 3,6 Milliarden US-Dollar, primär als Speerspitze für die eigene Live-Service-Offensive. Seitdem verbucht der Tech-Konzern vor allem Verluste. Erst im Mai musste Sony eine Abschreibung in Höhe von 765 Millionen US-Dollar vermelden, die direkt an Bungies anhaltende Underperformance gekoppelt war.
Der Markt für Extraction-Shooter ist übersättigt und verzeiht keine Fehler. „Marathon“ krankt seit dem Launch an mangelndem Spielerinteresse. Ein fliegender Wechsel in der Führungsetage inmitten einer laufenden Season signalisiert selten Stärke. Er ist das Resultat verfehlter Management-Entscheidungen der letzten Jahre.
„Marathon“ befindet sich auf direktem Kurs in die Irrelevanz, wenn Sony nicht unbegrenzt Geld nachschießt. Wer jetzt noch Zeit oder Geld in diesen Shooter investiert, wettet gegen die Statistik. Ein Game-Director-Abgang zu diesem Zeitpunkt ist kein Neustart, sondern Schadensbegrenzung auf einem sinkenden Schiff.
