Die Entlassungswelle in der Videospielbranche erreicht im Sommer 2026 einen neuen Tiefpunkt, an dem selbst etablierte AAA-Studios die Segel streichen.
Nach den massiven Stellenstreichungen bei Bungie nutzt CD Projekt Red die Gunst der Stunde für eine aggressive Rekrutierungsoffensive. Paweł Sasko, Associate Game Director für das nächste Cyberpunk-Spiel, bezeichnet den aktuellen Zustand der Industrie öffentlich als Kernschmelze.
Entlassungen bei Bungie ziehen Kreise
Das Studio hinter „Destiny 2“ strich in einer weiteren Entlassungswelle rund 50 Prozent seiner verbliebenen Belegschaft. Betroffen sind hunderte Entwickler, darunter langjährige Branchen-Veteranen. Nahezu zeitgleich vermelden Entwicklerteams unter dem Dach der Xbox Game Studios, darunter Compulsion Games, akute Budgetkürzungen. Auch die Zukunft von Ninja Theory steht nach internen Berichten zur Disposition. Electronic Arts entließ trotz starker Verkaufszahlen von „Battlefield 6“ ebenfalls Teile der Belegschaft.
Die Reaktion aus Warschau folgte prompt auf den sozialen Kanälen. Sasko konstatierte, dass Teams und Spieleprojekte derzeit im Zweitagesrhythmus vernichtet werden. CD Projekt Red öffnete im selben Atemzug die Bewerbungsportale für die Standorte in Polen, Kanada und den USA. Gesucht wird Personal für das neue Hexer-Epos Project Polaris sowie den Cyberpunk-Nachfolger Project Orion.
Some days I feel our industry is imploding — teams and game projects are getting slaughtered every second day, to the point it's hard to keep up 🥺
— Paweł Sasko (@PaweSasko) June 25, 2026
We are blessed to be still hiring, for all our games, Poland, US and Canada. Take a look my dears!https://t.co/p9zlUlufra pic.twitter.com/IscWxDM19n
Kapitalmärkte erzwingen das Schrumpfen
Der aktuelle Stellenabbau ist kein Resultat mangelnder Produktqualität. Er ist die harte Landung nach der Überhitzungsphase der vergangenen Jahre. Studios bauten während des Digital-Booms gigantische Kapazitäten auf, die sich bei steigenden Zinsen und stagnierenden Nutzerzahlen nicht mehr refinanzieren lassen. Bungie scheiterte mit der Neuausrichtung als Live-Service-Fabrik für Sony. Das aktuelle „Marathon“ verschlingt Ressourcen, die das Hauptspiel „Destiny 2“ nicht mehr einspielen konnte. Die Konsequenz ist der radikale Schnitt.
CD Projekt Red agiert hierbei nicht aus reiner Nächstenliebe. Das polnische Studio korrigierte seine eigene Belegschaftsgröße bereits Mitte 2023, als rund 100 Angestellte entlassen wurden. Die aktuelle Expansionsphase im Westen erfordert jedoch händeringend erfahrene Entwickler, um den engen Zeitplan für die kommenden Unreal-Engine 5-Projekte zu halten. Der Markt ist durch die Entlassungen voll von hochqualifizierten Fachkräften. CD Projekt Red bedient sich lediglich am überlaufenden Talentpool.
Gute Entwickler fallen weich, aber das System krankt. Diese Konsolidierung bedeutet mittelfristig weniger Experimente und längere Wartezeiten auf Blockbuster. CD Projekt Red sichert sich jetzt die Reste der Konkurrenz, um die eigenen Großprojekte zu retten. Ein geschäftstüchtiger Zug, verpackt in eine empathische Social-Media-Botschaft. Mehr nicht.

Ich sehe das anders 100% Missmanagement mehr nicht…
Meine Fakten: die Firmen die gerade jetzt so dramatisch entlassen, was haben die auf die Straße gebracht? – Nichts
Ganz vorne Weg Ubisoft.
Marktlage my ass – pures CEO sprech