Es gibt Momente, da trifft eine Auszeichnung härter, wenn sie wieder verschwindet, als wenn sie nie vergeben worden wäre. Clair Obscur: Expedition 33 erlebt genau das. Zwei Indie-Awards wurden dem Spiel nachträglich aberkannt, mit Verweis auf KI-Nutzung. Für ein Studio, das sich über handgemachte Kunst definiert, ist das mehr als ein PR-Problem, es ist eine Vertrauensfrage.
Was Sandfall wirklich zur KI-Nutzung sagt
Im Rahmen eines privaten Q&A-Talks wurde das Thema offen angesprochen. Guillaume und Nicholas von Sandfall Interactive stellten dabei klar, dass Clair Obscur: Expedition 33 vollständig von Menschen geschaffen worden sei. Nun ja, bis auf „ein bisschen KI„, wie das Studio im Nachhinein einräumte.
Dieser einzige Berührungspunkt mit KI habe früh in der Entwicklung existiert, als experimentelles Werkzeug für temporäre Platzhalter-Texturen. Diese seien jedoch schnell wieder entfernt worden, weil sie sich „falsch angefühlt“ hätten. Alles, was im finalen Spiel zu sehen und zu hören ist, stammt laut Studio aus menschlicher Arbeit, und nur das sei entscheidend.
Das ist keine ausweichende PR-Antwort, sondern eine klare Linie. Sie passt zu dem, was das Spiel auszeichnet: eine stark autorengeprägte Geschichte, handgezeichnet wirkende Designs und eine spürbar persönliche Handschrift. Dass ihnen die Awards dennoch aberkannt wurden, scheint man dort als unglückliches Schicksal zu verstehen.
Warum die Aberkennungen trotzdem passieren konnten
Der Fall zeigt ein strukturelles Problem. Viele Awards haben bis heute keine sauberen, transparenten Kriterien, wie mit KI umzugehen ist. Reicht bereits ein internes Experiment? Zählt ein verworfener Platzhalter als Regelverstoß? Oder reicht schon der bloße Verdacht?
Für Clair Obscur: Expedition 33 ist das besonders bitter, weil das Spiel inhaltlich genau von dem lebt, was KI aktuell nicht leisten kann: emotionale Authentizität, Ambivalenz, Lücken für Interpretation. Themen wie Trauer, Erinnerung und Vermächtnis ziehen sich bewusst durch das gesamte Erlebnis, geschrieben aus persönlicher Erfahrung, wie Guillaume im Q&A betont.
Für Spieler ergibt sich daraus vor allem eine Erkenntnis, nämlich dass die KI-Debatte längst nicht mehr technisch, sondern kulturell ist. Vertrauen entsteht nicht durch Schlagworte, sondern durch Transparenz. Ob die aberkannten Awards jemals zurückkehren, ist unwahrscheinlich. Die größere Frage lautet, wie viele Studios werden künftig vorsichtiger kommunizieren, aus Angst vor pauschalen Urteilen?
Clair Obscur: Expedition 33 steht nun unfreiwillig im Zentrum dieser Diskussion. Vielleicht ist genau das der Moment, in dem die Branche klarere Regeln braucht, bevor Misstrauen kreativer Arbeit dauerhaft schadet.

