Concord: Sonys Megaflop bekommt Lob von ungewohnter Stelle

Nach dem Debakel um Concord wurde das Spiel nun im britischen Parlament diskutiert – als Beispiel für bessere Verbraucherrechte bei digitalen Games.

Lukas Neumann
Als leidenschaftlicher Gamer und Analyst begleitet Lukas Neumann die Entwicklung der PlayStation-Ökosystems bei PlayFront.de. Sein journalistischer Fokus liegt auf der Aufbereitung komplexer Branchenthemen und dem Testen...

Kaum ein Spiel hat in den letzten Jahren so schnell und laut Schiffbruch erlitten wie Concord. Zwei Wochen nach Release war Schluss, Server aus, Refunds an alle Käufer, ein beispielloser Vorgang selbst in der schnelllebigen Welt der Online-Shooter. Doch während viele das Spiel schon als Witz abgetan hatten, passiert nun etwas Unerwartetes: Concord war Thema im britischen Parlament, und zwar als positives Beispiel.

Im House of Commons wird derzeit über den Umgang mit digitalen Gütern diskutiert. Genauer gesagt darüber, was passiert, wenn Spieler für ein Online-Spiel zahlen, das kurz darauf wieder verschwindet. Denn anders als bei physischen Medien bleibt beim digitalen Kauf am Ende oft nichts zurück, kein Datenträger, keine Möglichkeit, es weiterzuspielen.

Sony bekommt Lob von ungewohnter Stelle

Labour-Abgeordneter Ben Goldsborough sagte in der Diskussion: „Gamer investieren mehr als nur Geld – sie investieren Zeit, Vorstellungskraft und Freundschaft. Wenn ein Spiel ohne Vorwarnung verschwindet, geht all das verloren.“

Und tatsächlich wurde Concord namentlich erwähnt, wie Eurogamer berichtet, als Beispiel dafür, dass Publisher Verantwortung übernehmen können. Sony hatte nach der Abschaltung sämtliche Käufer entschädigt, ohne bürokratische Hürden oder Druck durch Behörden. Ein seltener Schritt in einer Branche, in der Rückerstattungen sonst fast nie freiwillig erfolgen.

Die Abgeordneten fordern nun klare Regeln, etwa dass Publisher die Lebensdauer eines Spiels offenlegen müssen. Ein Ansatz, der im neuen „Digital Markets, Competition and Consumers Act 2024“ bereits teilweise verankert ist. Dieses Gesetz verpflichtet Händler, bei digitalen Produkten transparente Angaben zur Funktionalität und Haltbarkeit zu machen, ein Fortschritt, der für die Spielebranche kaum rechtzeitig kommt.

Ein Weckruf für die Branche

So bitter das Concord-Debakel für Sony war, es könnte am Ende mehr bewirken, als der Shooter je konnte. Vielleicht sorgt dieses Desaster dafür, dass Käufer künftig besser geschützt werden, und Publisher begreifen, dass Transparenz und Fairness langfristig mehr Vertrauen schaffen als Marketing-Hypes.

Denn hier dürfte sich jeder einig sein: wer will schon weiter Geld für Spiele ausgeben, die verschwinden, bevor man das erste Update erlebt hat?

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mischmasch77
2 Monate zuvor

Spannend ist auch die Frage, in welchem Umfang alte Games auf neuer Hardware laufen soll. Und wie lange sind die Stores für alte Konsolen noch verfügbar? Wenn der Store weg ist, kann man auch das Game nicht mehr downloaden. Eine Disc unterliegt nur einem materiellen Zerfall, der lange auf sich warten lässt.

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