Sony hat das Scheckheft gezückt, um den ersten Brandbeschleuniger in der Debatte um die digitalen Preise im PlayStation Store hastig auszutreten. Das Urteil aus Kalifornien ist wie der erste Riss in einem Staudamm. Sony zahlt zwar „nur“ 7,85 Millionen Dollar – eine Summe, die bei den Quartalszahlen kaum für ein Stirnrunzeln sorgt –, aber der juristische Geist ist nun aus der Flasche.
Was in den USA als kleiner Erfolg für die Klägerseite beginnt, könnte sich zur Bedrohung für das gesamte Geschäftsmodell der geschlossenen Plattformen wie dem PlayStation Store auswachsen. Wir reden hier nicht mehr über ein paar Dollar Rückerstattung für ein veraltetes „God of War“, sondern über die Architektur der Gaming-Industrie.
Kalkül gegen geltendes Recht
Bisher war das Argument der Konsolenhersteller simpel: „Unser Garten, unsere Regeln.“ Der US-Vergleich zeigt jedoch, dass die Gerichte beginnen, diesen digitalen Feudalismus zu hinterfragen. Wenn die Justiz anerkennt, dass das Unterbinden von Drittanbieter-Codes den Wettbewerb behindert, bricht die wichtigste Verteidigungslinie der Plattform-Halter. Das Kalkül, den PlayStation Store als einzige legale Bezugsquelle für Software zu zementieren, bekommt juristische Schlagseite.
Der Präzedenzfall ist jetzt da, und andere Regionen schauen genau hin. Ein Vergleich ist zwar kein Schuldeingeständnis, aber er markiert eine empfindliche Schwachstelle. Kläger weltweit wissen jetzt: Sony ist bereit zu zahlen, wenn der Druck auf das Monopol-Modell zu groß wird.
Die Milliarden-Front in Europa
Während man sich in den USA auf einen einstelligen Millionenbetrag geeinigt hat, braut sich in Europa ein ganz anderes Gewitter zusammen. Die laufenden Verfahren in Großbritannien, mit Forderungen von bis zu 2 Milliarden Pfund, und potenzielle Klagen in der EU zielen direkt auf die 30-Prozent-Marge im PlayStation Store ab. Hier geht es nicht um den Wegfall von Gutscheinen im Jahr 2019, sondern um die gesamte Preisgestaltung des letzten Jahrzehnts.
Wir sprechen nicht mehr von 2 Dollar pro Spieler, sondern von potenziell hunderten Euro Entschädigung pro Account. Der Digital Markets Act (DMA) der EU hat bereits Apple dazu gezwungen, alternative App-Stores zuzulassen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Gaming-Konsolen als „Gatekeeper“ eingestuft werden.
Das Ende der subventionierten Hardware?
Sollten diese Klagen Erfolg haben, droht ein Beben für die Preisstruktur der Hardware. Sonys Argument, man verkaufe Konsolen mit minimaler Marge und brauche die Store-Einnahmen zur Querfinanzierung, zieht vor Wettbewerbshütern immer seltener oder gilt nach den jüngsten Preiserhöhungen ohnehin nicht mehr. Wenn das Monopol fällt, fällt auch die Sicherheit des ungehinderten Geldflusses.
Wenn Sony den Store öffnen muss, könnten die Preise für die PS6 & Co. drastischer steigen als bisher angenommen, weil der „Hintertür-Profit“ durch die 30-Prozent-Abgabe wegbricht. Wir tauschen günstigere Spiele gegen deutlich teurere Hardware.
Der US-Vergleich ist die erste offizielle Bestätigung, dass die totale Kontrolle über den digitalen Vertrieb keine unantastbare Naturkonstante ist. Es ist der Anfang vom Ende der Ära, in der ein Konzern diktiert, wo und zu welchem Preis wir Nullen und Einsen erwerben. Für Sony ist diese Zahlung ein schneller Versuch, Zeit zu kaufen. Doch die Einschläge in London und Brüssel kommen näher – und dort wird man sich nicht mit Alibi-Beträgen zufriedenstellen lassen.
Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten sind die persönliche Meinung des Autors. Sie müssen nicht jedermanns Sichtweise entsprechen – und sollen zum Diskutieren anregen.
Ich habe für die Xbox diverse Games in anderen Stores gekauft. Ich wette, dass die meisten Gamer aus Bequemlichkeit nach wie vor im Xbox-Store ihr Geld ausgeben. Das wird auch so bei Sony passieren.
In meinen Augen muss es möglich sein, Downloadkeys zu kaufen und dann einzulösen. Ich erwarte nicht, dass Ubi-Soft oder Microsoft ihre eigenen Stores für die PlayStation anbieten werden.