Die Matrix, die nie war: Wie Konami Kojimas Traumprojekt verhinderte [Update]

Die Wachowskis wollten Hideo Kojima für ein Matrix-Spiel gewinnen, doch Konami lehnte ab. Warum das Gaming-Geschichte hätte schreiben können.

Mark Tomson
Als Inhaber und Managing Director von PlayFront.de prägt Mark Tomson die Vision einer unabhängigen Berichterstattung über die Welt von PlayStation. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf technischen...

Es klingt fast zu absurd, um wahr zu sein: The Matrix hätte ein Spiel von Hideo Kojima werden können. Ja, dem Kojima – dem Visionär hinter Metal Gear Solid und Death Stranding. Doch laut einem ehemaligen Konami-Manager machte der Publisher dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung.

Christopher Bergstresser, zwischen 1996 und 2002 Senior Vice President bei Konami, erzählte in einem aktuellen Interview, dass die Wachowskis nach der japanischen Premiere des ersten Matrix-Films direkt bei Kojima anklopften. Begeistert von seinem cineastischen Stil wollten sie, dass er die Welt der Matrix spielerisch zum Leben erweckt. Das Treffen fand tatsächlich statt, im Konami-Hauptquartier, gemeinsam mit Kojima, Aki Saito und CEO Kazumi Kitaue.

„Can you do that?“ – „No.“

Was dann geschah, ist laut Bergstresser eine jener Geschichten, die in die Gaming-Annalen gehören. Die Wachowskis baten Kojima persönlich, das Spiel zu machen. Ihr Vorschlag wurde übersetzt, und Konami-Chef Kitaue antwortete schlicht mit einem „Nein“. Kein Zögern, keine Verhandlung. Kojima war offenbar begeistert, durfte aber nicht.

Ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter bestätigte, dass Kojima das Thema später noch einmal aufbringen wollte, aber ohne Erfolg. Der Deal platzte, und mit ihm womöglich eine der größten verpassten Chancen der Branche. Stattdessen erschienen Enter the Matrix (2003) und The Matrix Online (2005) – beide solide, aber weit entfernt von dem, was ein Kojima daraus gemacht hätte.

Was hätte sein können

Wer Kojimas Stil kennt, weiß, wie perfekt er zu The Matrix gepasst hätte. Philosophische Themen, Identitätsfragen, Technik als Spiegel der Menschheit, das ist sein Terrain. Man stelle sich nur vor: eine postmoderne Mischung aus Metal Gear Solid 2 und The Matrix, mit einer Geschichte, die Realität und Fiktion noch weiter verwischt hätte.

Doch Konami hatte Ende der 90er andere Prioritäten. Der Publisher war konservativ, risikoscheu, und offenbar nicht bereit, ein US-Filmprojekt in Japan entwickeln zu lassen.

Es bleibt eine dieser legendären Was-wäre-wenn-Geschichten. Ein Kojima-Matrix-Spiel hätte das Medium möglicherweise nachhaltig geprägt – erzählerisch, technisch und philosophisch. Stattdessen bleibt nur die Erkenntnis: Manchmal scheitern selbst die besten Ideen an einer einzigen Entscheidung. Und in diesem Fall war es das wohl kälteste „Nein“ der Videospielgeschichte.

[Update] Kojima widerspricht der Geschichte

Inzwischen hat sich Hideo Kojima selbst zu Wort gemeldet, und das Gerücht um das nie entstandene Matrix-Spiel klar dementiert. Auf X erklärte er, dass er „überrascht“ gewesen sei, als er las, die Wachowskis hätten ihm 1999 ein Spielprojekt angeboten. Laut Kojima habe es in all den 26 Jahren keinerlei Gespräch oder Angebot in dieser Richtung gegeben.

Er schildert den Ablauf damals deutlich anders: Er habe die Wachowskis tatsächlich mehrfach in Japan getroffen, unter anderem bei einem Interview mit Famitsu und später bei einem Besuch der Konami-Kundenservice-Abteilung, wo die Filmemacher bereits ein Gespräch mit Kazumi Kitaue geführt hätten. Kojima selbst sei erst danach dazugekommen und habe rund eine Stunde lang mit ihnen gesprochen, ohne Dolmetscher. Auch Matrix-VFX-Chef John Gaeta sei dabei gewesen.

Von einem Spielangebot habe er dabei nichts mitbekommen. Später habe man sich noch bei der japanischen Filmpremiere und der anschließenden Party getroffen, bei der Kojima auch Produzent Joel Silver kennenlernte, aber selbst dort sei kein Wort über ein mögliches Spiel gefallen.

Kojima räumt allerdings ein, dass er zu dieser Zeit ohnehin bis über beide Ohren mit Metal Gear Solid 2 beschäftigt war. „Hätte mir jemand davon erzählt, hätte man vielleicht eine Möglichkeit gefunden, es zu realisieren“, schreibt er. Doch so blieb die Idee einer Matrix-Adaption durch Kojima wohl endgültig in der Simulation stecken.

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