Mit dem neuen Celebrity-Elusive-Target in HITMAN World of Assassination zeigt IO Interactive, dass das Bonusformat der Elusive Targets noch lange nicht erschöpft ist. Was zunächst wie ein klassischer PR-Coup wirkt, entpuppt sich in der Praxis als eine der ambitioniertesten Missionen der letzten Jahre.
Milla Jovovich tritt nicht einfach nur als Gaststar auf; sie verändert das vertraute Dartmoor in ein hochgefährliches biotechnologisches Krisengebiet, einschließlich zahlreicher Resident Evil-Anspielungen.
Resident Evil lässt grüßen
Im Zentrum der Mission steht Lilith Devereux, die neue, skrupellose CEO der Ether Corporation. Wer die Lore von Hitman verfolgt, weiß, dass Ether seit jeher für moralisch verwerfliche Forschung steht – und Devereux scheint diese Tradition mit einer beängstigenden Intensität fortzuführen. Der Einstieg in die Mission bricht absichtlich mit der gängigen Routine. Statt Agent 47 sofort in die totale Sandbox-Freiheit zu entlassen, nimmt sich „Patient Zero Requiem“ Zeit für den narrativen Aufbau.
Wir erleben eine formelle Übergabe, unterstützt durch Gregory Carlisle. Dialoge am Rande der Gesellschaftsjagd deuten auf mysteriöse Todesfälle hin, die Devereux’ Aufstieg begleiten. Es fühlt sich weniger nach einem isolierten Attentat an, sondern nach dem Prolog eines Polit-Thrillers. Dieser langsame Aufbau erzeugt umgehend eine Atmosphäre, die man bei Elusive Targets oft vermisst. Man ist hier nicht nur ein Auftragskiller, sondern Zeuge einer globalen Bedrohung, die sich gerade erst entfaltet.

Wenn das System instabil wird
Der spannendste Teil der Mission offenbart sich, sobald man die Gewölbe des ehrwürdigen Carlisle-Anwesens erreicht. Hier zeigt IO Interactive Mut zum Experiment. Die „Ether-Agenda“ ist nicht nur schmückendes Beiwerk im Briefing, sondern verändert die gesamte Spielmechanik. Nach ein paar Zwischensequenzen und einer legendären Szene aus dem ersten Resident Evil-Film beginnt der eigentliche spielerische Part. Das Stichwort lautet: Vektor-Armee. Was als aristokratische High-Society-Spionage beginnt, verschiebt sich radikal in Richtung eines biotechnologischen Krisenszenarios.
Während Lilith Devereux durch das Anwesen spaziert und immer mehr Gäste infiziert, müssen wir einen Weg finden, das Virus aufzuhalten, uns eigene Immunität zu verschaffen und infizierte Gäste zu heilen. Vergesst alles, was ihr über die Laufwege der Wachen in Dartmoor wisst. Sobald das Virus zündet, wird die Bude zum hustenden Minenfeld. Wer hier trödelt, schaut zu, wie das Level unter den eigenen Füßen wegbricht – das ist kein Stealth-Puzzle mehr, das ist Stress pur. Räume, die in Standardmissionen als sichere Durchgangszonen dienten, verwandeln sich plötzlich in unberechenbare Risikofaktoren. Man spürt den Druck: Die Welt wartet nicht darauf, dass Agent 47 den perfekten Moment findet; sie entwickelt sich aktiv gegen ihn.

Vom Profikiller zum Krisenmanager
Das Ganze stellt euch vor eine fiese Wahl, die weit über das normale ‚Ein Versuch‘-Prinzip hinausgeht. Im Grunde ist es ein Katz-und-Maus-Spiel, was dieses Elusive Target deutlich in die Länge zieht – 30 bis 45 Minuten Spielzeit sind hier nicht ungewöhnlich. Dazu muss erst ein Gegenmittel hergestellt und eine Methode zum Verbreiten gewählt werden. Wer Dartmoor wie seine Westentasche kennt, kann versuchen, Lilith Devereux frühzeitig und effizient auszuschalten. In diesem Fall bleibt die Mission eine klassische Stealth-Übung – präzise, professionell und ohne großes Aufsehen. Aber wer sich auf das volle Szenario einlässt, erlebt ein deutlich komplexeres Management-Szenario unter Zeitdruck.
Plötzlich geht es nicht mehr nur um die Eliminierung des Ziels, sondern um Schadensbegrenzung. Wie üblich kann 47 verschiedene Wege nutzen, indem er Story-Aufträge aufdeckt oder selbstständig vorgeht. So lässt sich etwa das Gegenmittel in einer Gasmine unterbringen, die dieses dann im Raum verteilt. Das ist besonders praktisch bei den Gästen im Foyer, wo sich 5 bis 10 Personen auf einmal „ausschalten“ (heilen) lassen. Der Rest ist dann nur noch Kleinkram, der in typischer Hitman-Manier erledigt wird. Die Prioritäten verschieben sich im Minutentakt, wodurch Momente entstehen, in denen selbst Veteranen ins Schwitzen geraten. Hier treibt euch kein billiger Timer, sondern das pure Chaos der Spielmechanik den Schweiß auf die Stirn.

Milla Jovovich und das filmische Erbe
Klar, Milla Jovovich ist ein PR-Magnet. Aber sie passt hier rein wie die Faust aufs Auge oder das Messer in den Rücken. Für Spieler, die mit Resident Evil aufgewachsen sind, hat man sofort die Bilder aus den Filmen im Kopf: sterile Labore, Viren, die außer Kontrolle geraten, und diese kühle Ästhetik. Dass Jovovich nun auf der „dunklen Seite“ steht und diejenige ist, die das Virus freisetzen will, verleiht der Mission eine ironische Tiefe.
Sie spielt Lilith Devereux mit einer Präsenz, die weder wie ein Fremdkörper noch wie ein augenzwinkernder Gag wirkt. Ihre Figur passt perfekt in die bisherige Ether-Geschichte und wirkt wie die logische Steigerung dessen, was wir schon aus ‚Patient Zero‘ kennen. Es ist eine coole Hommage an das Genre, das sie geprägt hat, ohne dabei in billigen Fan-Service abzugleiten.
Ein neuer Goldstandard für Events
„Patient Zero Requiem“ ist mehr als nur ein zeitlich limitiertes Event; es ist ein kreatives Experiment, das zeigt, wie viel Spielraum noch in der HITMAN-Formel steckt. IO Interactive nutzt die bekannte Karte Dartmoor, um vollkommen neue Facetten zu zeigen – mehr Story, mehr systemische Reaktion und ein höheres Eskalationspotenzial. Dass die Mission im Zeitraum bis zum 24. März kostenlos spielbar ist, unterstreicht den Event-Charakter und hält die Community aktiv, ohne das Grundspiel durch unnötigen Ballast aufzublähen.
Man kann von Live-Service halten, was man will, aber genau so müssen zeitlich limitierte Events aussehen. Statt lieblosem Copy-Paste-Content bekommen wir hier ein Dartmoor, das sich vollkommen neu anfühlt. Klar, das Zeitlimit nervt wie immer bei Elusive Targets, aber die Atmosphäre mit Milla Jovovich entschädigt für fast alles. Geht rein, rettet die Gäste (oder lasst es bleiben) und genießt das Chaos. Wir sehen uns im Labor!
