Die Xbox Next ist ein PC – und Microsoft macht daraus kein Geheimnis mehr

Die Xbox Next ist kein klassischer Konsolen-Nachfolger mehr. Microsoft setzt auf Windows, PC-Architektur und ein offenes Xbox-Ökosystem. Was das für Spieler bedeutet.

Mark Tomson
Als Inhaber und Managing Director von PlayFront.de prägt Mark Tomson die Vision einer unabhängigen Berichterstattung über die Welt von PlayStation. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf technischen...

Lange hat Microsoft um den Begriff „Konsole“ herumlaviert. Mal war Xbox ein Ökosystem, mal ein Service, mal eine App, mal eine Marke. Mit der kommenden Xbox-Generation fällt nun endgültig die letzte Illusion und die Xbox Next ist im Kern ein PC.

Kein klassischer Konsolen-Nachfolger und kein klar abgegrenztes System, sondern ein Windows-Gerät mit Xbox-Oberfläche, Xbox-Versprechen und Xbox-Bibliothek, wie Windows Central meldet. Für manche ist das der logische nächste Schritt, für andere ein bitterer Identitätsbruch. Tatsächlich ist es vor allem eines: konsequent.

Microsoft selbst hat diesen Kurs längst eingeschlagen. Die enge Partnerschaft mit AMD für „Next-Gen-Hardware“, der massive Ausbau von Xbox PC, die Öffnung der Publishing-Regeln und die strategische Bedeutung von Game Pass auf Windows – all das deutete schon länger darauf hin, wohin die Reise geht. Mit Geräten wie dem ROG Xbox Ally wird diese Vision bereits greifbar. Offiziell ist es ein Handheld, inoffiziell ist es ein Feldversuch für das, was Xbox in Zukunft sein soll.

Windows statt proprietärem System

Die Xbox Next soll vollwertiges Windows 11 ausführen, allerdings nicht in klassischer Desktop-Form, sondern mit einer speziell angepassten Xbox Full Screen Experience. Startet das Gerät, landet man nicht auf dem Windows-Desktop, sondern in einer konsolenähnlichen Oberfläche, gesteuert mit Controller, optimiert für den Fernseher. Darunter läuft dennoch Windows, inklusive Xbox PC App, Microsoft Store und perspektivisch einer deutlich offeneren Software-Struktur.

Damit verabschiedet sich Microsoft faktisch von der Idee einer strikt geschlossenen Konsole. Stattdessen entsteht ein Hybrid aus PC-Hardware, Windows-Basis, aber mit klarer Xbox-Identität. Der Unterschied zur bisherigen Xbox Series X|S ist damit fundamentaler, als es der Begriff „Next Gen“ vermuten lässt.

Abwärtskompatibilität als Sicherheitsnetz

Ein solcher Schritt wäre ohne ein starkes Sicherheitsnetz kaum vermittelbar. Genau hier kommt AMD ins Spiel. Microsoft arbeitet laut Berichten daran, Xbox-One- und Xbox-Series-X|S-Spiele nativ auf dieser neuen Plattform lauffähig zu machen. Digitale Bibliotheken sollen vollständig übernommen werden und für Nutzer bedeutet das keinen vollständigen Reset oder der Verlust von Investitionen.

Gerade diese Zusage ist entscheidend. Denn ein Windows-PC mit Xbox-Logo wäre ohne echte Abwärtskompatibilität kaum mehr als ein Marketing-Gag. Microsoft weiß das,und setzt deshalb stärker als je zuvor auf Kontinuität, auch wenn sich die technische Basis radikal verändert.

Keine Konsole mehr, sondern eine Plattform

Die größere Vision dahinter ist, dass Xbox nicht mehr an eine einzelne Hardware gebunden sein soll. Die nächste Generation könnte aus mehreren Geräten bestehen – klassische Wohnzimmer-Hardware, Handhelds, möglicherweise sogar OEM-PCs von Drittanbietern mit Xbox-Branding. Alles verbunden durch dasselbe Interface, dieselbe Bibliothek und denselben Account.

Das erklärt auch, warum Microsoft zuletzt auffällig offen über eine „Steam-ähnlichere“ Zukunft des Xbox Stores spricht, NDAs lockert und Entwickler stärker umwirbt. Eine PC-basierte Xbox braucht Inhalte und Vielfalt – und Entwickler, die nicht das Gefühl haben, in einem abgeschotteten Garten zu arbeiten.

Übergang statt harter Bruch

Die Xbox Series X|S wird dadurch aber nicht über Nacht obsolet. Im Gegenteil. Laut aktuellen Einschätzungen bleibt sie für Jahre die primäre Entwicklungsplattform. Die Xbox Next wird parallel aufgebaut, nicht als sofortiger Ersatz. Ein sanfter Übergang, der sowohl Entwickler als auch Spieler mitnehmen soll.

Das ist auch nötig, denn so visionär der PC-Ansatz ist, er birgt Risiken. Fragmentierung, Performance-Unterschiede und Kompatibilitätsfragen fallen einem da zuerst ein. Microsoft setzt darauf, diese Probleme durch klare Standards und starke Software-Kontrolle in den Griff zu bekommen. Ob das gelingt, wird sich zeigen.

Die Aussage „Die Xbox Next ist ein PC“ klingt provokanter, als sie ist. In Wahrheit ist sie die logische Konsequenz aus Microsofts Strategie der letzten Jahre. Xbox ist längst mehr als eine Konsole, und genau deshalb kann sie es sich leisten, diesen Schritt zu gehen.

Für Puristen mag das das Ende einer Ära sein. Für Microsoft ist es der Versuch, Xbox zukunftssicher zu machen in einer Branche, in der klassische Konsolenzyklen zunehmend an Bedeutung verlieren. Ob das aufgeht, entscheidet nicht die Technik, sondern ob sich dieses neue Xbox-Gefühl auch wirklich wie Xbox anfühlt.

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Andi
1 Monat zuvor

Das war ja auch langfristig abzusehen, denn die XboX Konsole hatte gegenüber der Playstation das Nachsehen gehabt oder kurz gesagt die PlayStation 5 hat das Jahr 2025 weltweit dominiert.
Ein Blick in die Vergangenheit seit dem Start im Jahr 2020:
Im Jahr 2020 wurden rund ~ 61,7 Mio PS5-Konsolen verkauft.
Die Xbox Series S/X verkaufte sich ~ 28,3 Mio Mal.

Die ersten Initative hat schon im Jahr 2019 den ersten Anlauf dazu genommen:
Denn damals hat Microsoft die PC- und Xbox-Spiele näher zusammen gebracht.
Es gab damals einen etwas mysteriösen Test von einem Windows 10 Build.
Microsoft forderte dazu die Benutzer auf, alle Probleme zu melden, die bei der Installation und dem Start von dem Game: State of Decay auftraten.

Es stellte sich heraus das die Xbox One-Version von State of Decay auf einem Windows 10-Gerät installieren ließ. Die Daten des Installationsprogramm wurden von einer Xbox Live-Domain heruntergeladen aber nicht von dem üblichen Server.
Die heruntergeladenen Dateien verwendeten offenbar das .xvc-Format.
Microsoft hatte dieses Format für die Xbox One entwickelt, fügte die Unterstützung dafür aber offenbar auch bei der kommenden Version von Windows 10 hinzu.

Der State of Decay-Installer, dies man über die PowerShell ausführen kann, lädt eine ältere DirectX-Installationsroutine runter, die die erforderlichen DirectX-Komponenten auf dem Computer installiert.

Andi
1 Monat zuvor
Reply to  Andi

Theoretisch und es wurde ja auch bewiesen das eine Steam intigration beim ROG Xbox Ally X mit extrem viel Arbeit und dem nötigen Wissen möglich ist.

Die Xbox verwendet ja einen x86/64-basierten Prozessor, daher funktionieren ja auch die CPU-Befehle. Das Problem war wohl, MS müsste die Treiber entsprechend anpassen und tiefgreifende Kenntnisse sowohl der Xbox-Hardware als auch des Zugriff auf den Steam Quellcode haben, was ja auch der Fall bestimmt war.
 
 
Aber zurück zu einem Windows-XboX-Pc, dies ist nicht nur eine Theorie ein Windows-OS vollwertig laufen zu lassen, denn AMD verkauft integrierte PC-Motherboards mit aussortierten Xbox Series X SoCs und deaktivierten GPUs.
 
Auch wurde im Jahr 2021 in China ein Computersystem – „AMD Cardinal“ angeboten basierend auf aussortierten Xbox-APUs.
 
In den Werbematerialien damals, wurde das neue System in puncto Leistung mit PCs mit Ryzen 7 4750G und Intel Core i7-9700 verglichen. Mit einer Radeon RX 550 wurden in Rocket League, Overwatch, CS:GO und anderen durchschnittlichen E-Sport Titeln Bildraten von über 75 fps erreicht.

Die ROG Xbox Ally X war sozusagen ein Prototyp.

omnigameri
1 Monat zuvor

GTA 6 läuft dann drauf nicht bzw. man muss schauen wann der PC Release Date.
Schlaues Marketing wäre 2027 Herbstrelease des PCs und von GTA6 mit irgendnem “NEXTGEN“Grafik update

Thomas Brügmann
1 Monat zuvor

Marvin Seitz ich persönlich finde es geiler als die aktuellen Konsolen man kann Xbox Konsole zocken und Steam und Multiplayer ohne Geld. Außerdem kann man mit Xbox oder ps5 Controller zocken. Ein richtiger Mehrwert

Tim Martin
1 Monat zuvor

Thomas Brügmann Einfach einen PC holen..

Thomas Brügmann
1 Monat zuvor

Tim Martin ne da hast du dann keine Xbox kompatlität die es geben soll

N7Dan
1 Monat zuvor

Lange hat Microsoft um den Begriff „Konsole“ herumlaviert. Mal war Xbox ein Ökosystem, mal ein Service, mal eine App, mal eine Marke.

Exakt das ist das Problem.

Die vollständige Abstinenz einer prägnanten Identität, langfristiger Sicherheit & der Rentabilität eines nicht unerheblichen Investments.

NICHT.EINEN.CENT. sehen die dort von mir.

Last edited 1 Monat zuvor by N7Dan
Crydog
1 Monat zuvor

Wenn der preis bis zu 1000€ betragen würde wäre ich bereit zu bezahlen wenn es genaso nach ally x Vorbild gemacht wird. Und ja werde auch darauf adobe nutzen bzw. Ich könnte es wenn ich es wollte und das ist die Freiheit die nunmal ein windows pc bietet in vergleich zu einem geschlossenen system einer konsole oder auch steam os,klar bei steam os laufen die spiele flüssiger aber dafür nicht alle Apps,bei apple laufen die Apps flüssiger aber kaum spiele Support. Android das selbe problem. Ob es einen gefällt oder nicht aber Microsoft wird schon ihr Geld machen bzw. Am markt bestehen so oder so

omnigameri
1 Monat zuvor
Reply to  Crydog

ich schätze Minimum 999€. Lenovo Legion GO 2 zeigt ja wo die Reise hingeht mit ihren 1200€

rog ally x + xbox magnus ( die wird auf keinen Fall xbox next heissen weil es gibt ja die NEX Konsole schon) für das Geld hättest/könntest du einen besseren PC haben als die Dinger, wenn du die Freiheit von PCs schon ansprichst. Alleine die Lüfter/Netzteile sind in OEMs immer Schrott/Sparteile. Ich habe mir zum Glück im Februar 2024 meinen Traum-PC zusammengebaut, der würdejetzt mind. 2k mehr kosten

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