Sony zieht beim physischen Medium und den alten Stores den Stecker – und die Bewahrer der Videospielgeschichte schlagen Alarm. Das plötzliche Aus für PS3- und PSP-Storefronts zeigt schmerzhaft, wie fragil unsere digitale Spielebibliothek wirklich ist.
Physische Medien sterben, ältere Storefronts machen dicht. Für Sammler ist das der Worst Case, für Frank Cifaldi von der Video Game History Foundation (VGHF) kommt die Nachricht dagegen wenig überraschend. Aus Sicht professioneller Archivare ändere sich gar nicht so viel. Der Grund ist simpel: Die meisten Spiele der letzten zwanzig Jahre kamen nie auf Disc gepresst in den Handel.
Und selbst wenn ein Spiel im Regal steht, bringt das heute kaum noch etwas. Cifaldi bringt es auf den Punkt: Ein Day-One-Patch ist quasi garantierter Standard. Die Daten auf der Disc spiegeln oft überhaupt nicht mehr das Spiel wider, das die Menschen am Ende tatsächlich gespielt haben. Ein stumpfer Staubfänger, mehr nicht.
Das ewige Blockadetraining der Industrie
Museen und Archive wissen seit Jahren, dass das Prinzip „Discs ins Regal stellen“ keine Zukunft hat. Was die Experten fassungslos macht, ist das Verhalten der Industrieverbände. Die Entertainment Software Association (ESA) blockiert seit Jahren beharrlich jeden Versuch von Kultureinrichtungen, die digitalen Kopierschutzgesetze für Forschungszwecke zu reformieren. Sie liefert schlicht keine Lösungen für die legale Archivierung rein digitaler Inhalte.
Statement from VGHF director Frank Cifaldi on the discontinuation of physical PlayStation media, and the closure of the PS3 and PSP digital storefronts.
— Video Game History Foundation (@gamehistoryorg.bsky.social) 2026-07-01T18:47:35.418Z
Die Industrie muss endlich an den Verhandlungstisch. Denn die aktuelle Strategie der Publisher ist gelinde gesagt ein Witz. Museen können nicht einfach darauf hoffen, dass ein digitaler Download in 50 Jahren noch irgendwie startet. Cifaldi wählt hier ein drastisches Beispiel: „Uns zu bitten, eine Kopie von Grand Theft Auto VI herunterzuladen und darauf zu hoffen, dass sie in 50 Jahren noch läuft, ist keine Lösung für die Denkmalpflege.“ Recht hat er.
Der Store-Close ist ein herber Schlag für Verbraucherrechte und den Gebrauchtmarkt. Die echte Gefahr liegt aber tiefer: Wenn die Industrie die rechtlichen Hürden für Archive nicht senkt, verschwindet die Gaming-Gegenwart gerade unwiederbringlich im digitalen Nirwana.
Glaubt ihr, dass Publisher in der Pflicht stehen, ihre alten Digital-Kataloge für Museen freizugeben, oder gehört das Löschen von Softwarelizenzen zum normalen Lebenszyklus einer Konsole?
