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Fairgames: Steigt Sony jetzt gegen sich selbst in den Ring?

Droht das Fairgames-Desaster? Sony pumpt offenbar Millionen in ein Genre, das keiner mehr will, und macht dem eigenen Marathon Konkurrenz. Ein Kommentar!

Niklas Author 2026
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Niklas Bender
Editor-in-Chief bei PlayFront und Spezialist für kritische Analysen. Niklas Bender steht für eine klare redaktionelle Kante und furchtlosen Journalismus. Sein Fokus: die Dekonstruktion von PR‑Floskeln. Er...

Sony hat über die vergangenen Jahre ein Talent dafür entwickelt, Ressourcen mit der Präzision eines Schrotgewehrs in brennende Mülltonnen zu feuern. Das gilt offenbar auch für „Fairgames“ – dieses Live-Service-Ding, das vom ersten Teaser an mit der Begeisterung einer Steuererklärung empfangen wurde.

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Während die Branche händeringend nach Originalität sucht, pumpt PlayStation Millionen in Haven Studios, um ein Genre zu besetzen, das seine besten Tage längst hinter sich hat. Es ist ein Trauerspiel in drei Akten, bei dem das Publikum schon vor der Pause den Saal verlässt, weil es das Stück bereits in einer besseren Inszenierung gesehen hat.

To be fair: Ich habe absolut nichts gegen Live-Service-Experimente, aber Sony muss jetzt beweisen, ob sie sich mit „Fairgames“ aus dem strategischen Sumpf ziehen – oder sich schlichtweg daran aufhängen.

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Strategischer Kannibalismus als Geschäftsmodell

Man muss kein hoch bezahlter Analyst sein, um das kommende Desaster zu wittern. Sony besitzt mit Bungie die vermeintliche Speerspitze des Genres. „Marathon“ sollte der Goldstandard für Extraction-Shooter werden, das Leuchtturmprojekt, das die Live-Service-Offensive anführt.

Doch die Realität ist ernüchternd: „Marathon“ kämpft mit einer Spielerschaft, die das Interesse schneller verliert als ein Speedrunner die Geduld. Die Zahlen auf SteamDB sprechen eine deutliche Sprache: Von 88.337 Spielern zum Launch sind im Peak noch 24.999 übrig. Ein massiver Aderlass innerhalb weniger Wochen, den auch die eigentlich solide Qualität von „Marathon“ nicht stoppen kann. Die anfängliche Euphorie ist längst verflogen, und mehr als gelegentliche Pflichtbesuche für ein paar Runden kitzelt das Gameplay auch bei mir nicht mehr heraus. Dabei hat „Marathon“ echtes Potenzial.

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Anstatt die Ressourcen dort zu bündeln, wo das Bungie-Projekt bereits gegen das Absaufen kämpft, experimentiert Sony bei Haven Studios mit einer hausinternen Konkurrenz. Sollten sich die Insider-Berichte bewahrheiten und „Fairgames“ tatsächlich als Extraction-Shooter aufschlagen, wäre das kein Wettbewerb, sondern strategischer Kannibalismus auf Kosten der Spieler und Aktionäre. Ob das Konzept tragfähig ist oder nur eine weitere Totgeburt im Live-Service-Portfolio, soll der anstehende Playtest erst noch beweisen. Ich habe da so eine Ahnung.

Man teilt eine Zielgruppe auf, die ohnehin schon schrumpft. Wer ernsthaft glaubt, dass zwei Titel mit derart überschneidendem Fokus unter demselben Konzerndach langfristig koexistieren können, ignoriert die Marktrealität. Sony geht hier ein hohes Risiko ein: Während man bei „Marathon“ versucht, die schwindende Basis zu stabilisieren, schickt man mit „Fairgames“ einen potenziellen Kannibalen ins Rennen, dessen tatsächliche Qualität sich erst noch beweisen muss.

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Die totale Lernresistenz

Sollten frühere Berichte über das mangelnde Feedback der Playtester zutreffen, wird auch ein Free-to-Play-Modell die strukturellen Probleme von „Fairgames“ nicht kaschieren. Der Abgang von Jade Raymond im Jahr 2025 hinterlässt eine Lücke in der Vision des Studios, die Sony bisher nicht überzeugend geschlossen hat. Es bleibt abzuwarten, ob die Mischung aus Heist-Mechaniken und Extraction-Elementen genug Eigenständigkeit entwickelt, um sich gegen die starke Konkurrenz von Titeln wie „Den of Wolves“ zu behaupten, oder ob man lediglich etablierten Trends hinterherläuft.

Die Naivität, mit der Sony an „Fairgames“ scheinbar festhält, ist dennoch bemerkenswert. Es wirkt wie eine trotzige Reaktion auf die gescheiterten Live-Service-Träume der letzten Jahre. Anstatt den Stecker zu ziehen und die Verluste zu begrenzen, wird weiter investiert, als gäbe es kein Morgen. „Marathon“ wackelt bereits, „Fairgames“ kriecht mühsam hinterher – und Sony schaut zu, wie beide Projekte auf denselben Abgrund zusteuern.

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Ein gesundes Studio würde ein Projekt dieser zweifelhaften Qualität beerdigen, bevor der Imageschaden den eigentlichen Marktwert übersteigt. PlayStation zieht es jedoch vor, den Karren mit Vollgas gegen die Wand zu fahren, nur um hinterher in einer Pressemitteilung von „wertvollen Erfahrungen“ zu faseln. Es wäre interessant zu wissen, wie viele dieser sündhaft teuren Lektionen das Management noch braucht, bis der Groschen endlich fällt.

Der nötige Gnadenschuss?

Den Heist-Aspekt als das nächste große Ding zu vermarkten, ist ein gewagtes Unterfangen in einem Markt, der Payday und Tarkov bereits in- und auswendig kennt. Die Mechanik aus Einbruch, Bohren und Flucht muss im Jahr 2026 mehr liefern als nur den kleinsten gemeinsamen Nenner bekannter Genre-Größen. Sollte „Fairgames“ lediglich auf eine simple Extraction-Loop setzen, wird es schwer, eine Community über Jahre bei der Stange zu halten. Es reicht nicht, Trends zu kopieren; ohne eine markante Eigenständigkeit droht das Projekt in der Belanglosigkeit zu versinken, bevor es überhaupt eine loyale Spielerbasis aufbauen kann.

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Statt das Projekt vorzeitig abzuschreiben, muss Sony nun beweisen, dass die Investition in Haven Studios mehr ist als ein teures Experiment. Ein Gnadenschuss wäre verfrüht, doch die Geduld des Marktes ist begrenzt. „Fairgames“ braucht jetzt eine klare Identität, die über das bloße Abhaken von Genre-Vorgaben hinausgeht. Es ist die letzte Chance, aus den Fehlern der Konkurrenz zu lernen und ein Produkt abzuliefern, das seine Existenzberechtigung nicht nur über das Budget, sondern über echtes Spielvergnügen definiert. Alles andere wäre eine riskante Wette auf eine Zielgruppe, die keine halben Sachen mehr verzeiht.

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die persönliche Meinung des Autors wider. Er dient als kritischer Kommentar zur aktuellen Branchenlage und soll eine kontroverse, aber sachliche Diskussion innerhalb der Community anregen.

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