Haven Studios versucht mit „Fairgames“ den Befreiungsschlag durch Genre-Anleihen bei „Marathon“ und „Escape from Tarkov“. Während interne Berichte über fehlenden Spielspaß die Runde machen, setzt Sony weiterhin auf das Projekt, das nach dem Abgang der Gründerin Jade Raymond im Jahr 2025 führungslos wirkt.
Der Heist-Shooter ist eine Extraction-Mogelpackung
„Fairgames“ tarnt sich in der Marketing-Kommunikation als frisches, kompetitives Heist-Szenario. Die Realität hinter den Kulissen sieht nüchterner aus. Geleakte Dokumente, die Insider-Gaming vorliegen, belegen, dass der Kern des Gameplays eins zu eins der Extraction-Formel folgt.
Der Flaggschiff-Modus hört auf den Namen „Cargo Heist“ und exerziert das bekannte Protokoll ohne nennenswerte Abweichungen durch. Spieler müssen in Sicherheitsbereiche eindringen, Tresor-Codes knacken und die Beute unter dem Druck konkurrierender Teams zu einem Evakuierungspunkt schleppen. Wer es nicht zum Helikopter schafft, verliert alles. Das ist kein neues Genre, das ist Dienst nach Vorschrift in einem bereits überfüllten Markt.
Die Details der Gameplay-Loop sind strikt getaktet. In der Phase „Break In“ geht es um das Sammeln von Upgrades und Bargeld, gefolgt vom „Drill“, bei dem der Tresor zum Brennpunkt der Karte wird. Die finale Phase „Extract“ erzwingt die Konfrontation an fest vorgegebenen Zonen.
Sony plant den Release für PlayStation 5 und PC, hält sich beim Release-Zeitraum aber auffällig bedeckt. Ein für dieses Wochenende angesetzter Playtest soll zeigen, ob die Mechaniken mittlerweile mehr sind als nur eine leblose Kopie der Konkurrenz. Bisherige Testergebnisse waren laut internen Berichten vernichtend. Das Label „nicht spaßig“ klebt an dem Projekt wie Blei.
Das Free-to-Play-Modell als letzte Hoffnung
Sony schickt „Fairgames“ offenbar als Free-to-Play-Titel ins Rennen. Das ist kein Geschenk an die Community, sondern eine Notwendigkeit. Die Einstiegshürde muss bei null liegen, weil das Vertrauen in neue Live-Service-Marken am Boden liegt. Die Finanzierung soll rein über In-Game-Käufe laufen. Dass dieses Modell kein Selbstläufer ist, zeigt die jüngere Geschichte der Branche schmerzhaft deutlich. Hohe Downloadzahlen sind wertlos, wenn die Spielerbindung nach einer Woche kollabiert. Wenn die Monetarisierung nicht vom ersten Tag an greift, wird aus dem Projekt schneller eine Karteileiche, als die Server hochfahren können.
Erschwerend kommt die direkte Konkurrenz durch „Den of Wolves“ hinzu. Das neue Werk der Payday-Veteranen bei 10 Chambers bedient exakt dieselbe Heist-Nische, erntet in Vorab-Tests jedoch durchweg Lob für sein direktes Spielgefühl. „Fairgames“ hingegen klingt wie ein Produkt, das in der Design-Hölle feststeckt und versucht, durch Genre-Hopping eine Identität zu finden, die es organisch nie hatte. Das Studio-Statement zum Abgang von Jade Raymond im Jahr 2025 hinterließ zudem ein Machtvakuum, das man der aktuellen Ausrichtung des Spiels ansieht. Man klammert sich an Trends, anstatt sie zu setzen.
Man kann ein mittelmäßiges Spielprinzip so oft in neue Begriffe hüllen, wie man will – am Ende bleibt es ein Extraction-Shooter in einem Markt, der die Schnauze voll von leeren Versprechen hat.