Laut Chris Avellone, dem Senior Designer von „Fallout: New Vegas“, fehlt Bethesda das technische Know-how für ein Remaster des RPG-Klassikers. Grund dafür sei der fehlende Zugriff auf den vollständigen Quellcode, da Obsidian Entertainment diesen damals nicht an Bethesda übergeben habe.
Bethesda Softworks besitzt offenbar nicht die notwendigen technischen Ressourcen und Informationen, um ein Remaster von „Fallout: New Vegas“ in Eigenregie umzusetzen. In einem Interview mit dem YouTuber TKs-Mantis erklärte Chris Avellone, dass die Studio-Leitung von Obsidian Entertainment – namentlich CEO Feargus Urquhart – ein Angebot von Bethesda über 10.000 US-Dollar für die Herausgabe des Quellcodes ausschlug.
Aktuell verfügt Bethesda zwar über Teile des Codes, weiß jedoch nicht, wie diese wieder zu einem funktionierenden Ganzen zusammenzusetzen sind. Ohne die Mithilfe von Obsidian sind die Chancen auf ein Remaster daher äußerst gering. Offenbar hat man sich hier eine wirksame Rückversicherung geschaffen.
Der fehlende Code als technisches Hindernis
Die Übergabe des Quellcodes und der Build-Pipeline war laut Avellone der letzte vertragliche Meilenstein für Obsidian. Dass dieser bewusst ignoriert wurde, lässt tief in die damalige, angespannte Beziehung zwischen den Studios blicken. Ohne diesen Code kann Bethesda das Spiel nicht einfach modernisieren oder auf eine neue Engine-Version portieren. Avellone vermutet, dass Bethesda schlicht die „Engineering-Kompetenz“ fehlt, um das ursprüngliche Konstrukt von Obsidian ohne Anleitung zu dechiffrieren.
Ein offizielles Remaster ist trotz dieser Hürden nicht völlig ausgeschlossen, könnte aber technisch problematisch werden. Avellone verweist auf das 2025 erschienene „The Elder Scrolls IV: Oblivion Remastered“. Dort wurde eine technische „Krücke“ genutzt: Die alte Engine lieferte die Logik, während Unreal Engine 5 für die grafische Darstellung übergestülpt wurde.
- Der Microsoft-Faktor: Seit der Übernahme beider Studios durch Microsoft liegen die Assets theoretisch in einer Hand. Eine Kollaboration zwischen Bethesda und Obsidian wäre logisch, wird aber bisher nicht offiziell bestätigt.
- Reihenfolge: Avellone rät Bethesda, den Prozess zuerst an Fallout 3 zu testen, bevor man sich an das komplexere New Vegas wagt.
Technisches Desaster voraus?
Für Fans bedeutet diese Nachricht vor allem: Skepsis ist angebracht. Sollte ein Remaster kommen, droht ohne den Original-Quellcode ein technisches Flickwerk. Ohne den tiefen Zugriff auf die ursprüngliche Code-Basis sind gravierende Qualitätsmängel vorprogrammiert: Wie das technisch durchwachsene „Oblivion Remaster“ zeigt, führen solche Engine-Hybride häufig zu instabilen Frameraten und neuen Bugs.
Für die Community wiegt jedoch ein anderes Risiko schwerer, da ein solcher „Engine-Wrapper“ die über Jahre gewachsene Modding-Szene von New Vegas technisch komplett isolieren und bestehende Erweiterungen unbrauchbar machen könnte.
Ein Remaster ohne Source-Code ist wie das Reparieren eines Motors, bei dem man die Blaupausen nicht lesen kann. Die „Lösung“, Grafik-Layer über alte Code-Gerüste zu legen, hat sich bei Oblivion als instabil erwiesen. Wer „Fallout: New Vegas: heute in stabilen 60 FPS und 4K spielen will, fährt mit der PC-Version und der „Viva New Vegas“-Mod-Liste aktuell deutlich sicherer als mit der Hoffnung auf ein Bethesda-Remaster.
