Fumito Uedas neues Sci-Fi-Projekt „Gen Atlas“ befindet sich seit dem Jahr 2020 in der aktiven Entwicklung und lässt die die langjährige PlayStation-Exklusivität des Directors hinter sich. Das Entwicklungsstudio GenDesign nutzt für den Titel die Unreal Engine und kooperiert mit Epic Games als Publisher. Damit erscheint erstmals ein Spiel des Ico- und Shadow of the Colossus-Schöpfers zeitgleich für mehrere Plattformen.
Gen Design wurde bereits vor rund zehn Jahren gegründet, doch Ueda verbrachte die Anfangsphase mit dem Aufbau der internen Studiostrukturen. Die eigentliche Produktion von „Gen Atlas“ läuft seit sechs Jahren. Ein konkreter Release-Termin steht zwar noch aus, laut Publisher Epic Games ist die Veröffentlichung jedoch „näher als man denkt“.
Riesenroboter statt Fabelwesen
Das mechanische Konzept unterscheidet sich drastisch von den Vorgängern. Der Spieler erwacht auf einem verlassenen Planeten, der von den Überresten kolossaler Maschinen übersät ist. Im Fokus steht die Übernahme dieser Roboter, um neue Wege freizuschalten und die Spielwelt physisch zu verändern. Hinter verschlossenen Türen gezeigtes Gameplay bestätigt zerstörbare Umgebungen, Klettereinlagen und Boost-Sprünge.
Überraschend ist der Fokus auf Schusswechsel. Ueda integriert Shooter-Mechaniken, die es in seinen früheren Werken aus stilistischen Gründen nicht gab. „Ich spiele selbst Shooter, daher bin ich damit vertraut. Bei den vorherigen Spielen hätte das nicht zu Setting und Erzählung gepasst. Bei den riesigen Robotern war es nun ein natürliches Element“, erklärt Ueda im Interview mit VGC.
Autonomie trotz Epic-Deal und der inoffizielle vierte Teil
Die kreative Kontrolle bei dem Projekt bleibt absolut unangetastet. Epic Games verzichtet laut Ueda auf inhaltliche Einmischungen, die die Vision des Projekts verändern würden. Der Director sieht das Spiel als spirituellen Nachfolger seiner PlayStation-Trilogie, bestehend aus Ico, Shadow of the Colossus und The Last Guardian.
Narrative Verknüpfungen existieren nicht. Ueda betont jedoch, dass sein wiederkehrendes Interesse an gigantischen Kreaturen und Maschinen eine klare Handschrift hinterlässt. „Wenn Spieler das Gefühl haben, dies könnte der Kern einer Quadrilogie sein, dann habe ich keine Einwände“, so Ueda. Auf die Fantheorien der Community nimmt er Rücksicht, warnt jedoch davor, die Balance zwischen Spielmechanik und Story für Easter Eggs zu opfern.
Mit 56 Jahren ist sich Ueda der biologischen Grenzen seiner Arbeitsweise bewusst. Die Entwicklung seiner Spiele benötigt regelmäßig ein Jahrzehnt. „Gen Atlas“ könnte sein letztes großes Werk werden. Ueda entgegnet diesem Druck pragmatisch: „Man weiß nie, ob es eine nächste Chance gibt. Ich gebe bei jedem Projekt mein absolutes Alles. Das ist bei Gen Atlas genau gleich.“ Perfektionismus sei nicht das Ziel, wohl aber die maximale Ausnutzung der vorgegebenen Zeit.
Der Wechsel zu Epic Games und der Unreal Engine befreit Ueda aus den Vorgaben der chronisch überlasteten Sony-Konsolenhardware. Die Framerate-Katastrophen von „The Last Guardian“ auf der PlayStation 4 sind Warnung genug. „Gen Atlas“ verspricht durch die Multiplattform-Basis eine stabilere technische Umsetzung, verliert durch Schusswaffen und Roboter-Steuerung aber die gewohnte Entschleunigung älterer Tage. Ueda-Atmosphäre ja, aber mit deutlich mehr Tempo und modernem Core-Loop.
