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TEST: Gran Turismo 7 – Bleifuß ohne Spritpreissorgen

Kaum ein Titel hat es geschafft, seit Generationen einen so bleibenden Eindruck zu hinterlassen, sich als Marke so zu etablieren und den Übergang vom Gaming zum Real-Life so zu kombinieren, wie es Gran Turismo von Beginn an gelungen ist. Im Dezember 1997 erschien der erste Ableger in Japan für die PS1, die US- und Europa-Version folgte dann im Mai 1998, und wurde damit sozusagen zum Urvater des Simulation-Rennspiel-Genres.

Seitdem hat sich viel getan, es gab zahlreiche Ableger, verschiedene Ansätze und Konzepte, Höhen und Tiefen, und nun nach 25 Jahren erscheint der neuste Teil mit Gran Turismo 7. Entwickler Polyphony Digital will sich hier nach den gemischten Wertungen des Vorgängers „Gran Turismo Sport“ wieder mehr auf die alten Werte konzentrieren, und hat sich dafür einiges vorgenommen.

Café und Benzin

Das Herzstück des neuen „Gran Turismo 7“ ist das sogenannte GT-Café. Mittig auf der übersichtlichen Weltkarte finden wir es, und werden hier vom freundlichen Personal durch alle Aspekte des Spiels begleitet. Hier bekommen wir die sogenannten Menüs serviert, in denen es darum geht, Fahrzeuge zu sammeln, hin und wieder Aufgaben zu erfüllen, etwa indem wir ein Foto unseres Autos machen, oder Orte besuchen, wie etwa die Waschanlage oder den Tuning-Shop, um das Menü abzuschließen. Das GT-Café ist daher unsere zentrale Anlaufstelle, in der wir unseren Karrierefortschritt vorantreiben und damit auch neue Rennstrecken, Spielmodi und Wettkämpfe freischalten.

Hierbei geht der Titel ein sehr angenehmes, gemächliches Tempo an. Anstatt direkt mit Highspeed über die Strecken zu rasen, machen wir unsere ersten Kilometer mit sparsamen Hybridautos oder einem alten Fiat 500. Wir steigern uns im Laufe der Zeit, erhalten immer schnellere Autos und nehmen damit an herausfordernden Rennen teil. Haben wir die Autos eines Menüs zusammen, indem wir diese entweder gekauft oder durch den Sieg in Rennen gewonnen haben, bekommen wir noch ein paar Infos über die Fahrzeuge und ihre Bedeutung in der Gesichte des Automobiles und der entsprechenden Hersteller.

Gran Turismo 7 review

Gotta drive em all!

„Gran Turismo 7“ legt sehr stark Wert darauf, die einzelnen Fahrzeuge und ihre Geschichten in den Vordergrund zu Rücken. Hier merkt man sehr deutlich die Liebe zu den Autos, die GT-Schöpfer Kazunori Yamauchi durch das Spiel lebt. Eines der Hauptziele besteht zweifelsohne darin, so viele der aktuell 424 im Spiel verfügbaren Autos zu sammeln, wie es nur geht. Hier sind so gut wie alle namhaften Hersteller vertreten, die sich sowohl mit Klassikern, als auch mit extra für Gran Turismo konzipierten Boliden ins Feld wagen. Wer beim örtlichen Fahrzeughändler zuschlagen möchte, der kann dies mit der Ingame-Währung Credits (Cr) tun, denn diese lassen sich neben dem erringen von Rennsiegen auch per Kauf mit Echtgeld anhäufen. Das finden wir tatsächlich nicht ganz so schön, da es so mit Sicherheit für einige eher dazu führen wird, gutes Geld zu investieren, um die schnellsten Wagen zu besitzen und diese hochzutunen, wie es nur geht, anstatt die dafür nötigen Mittel mit harter Arbeit zu beschaffen. Vielleicht ist das angesichts der doch recht hohen Preise aber auch so beabsichtigt?

Schön ist es aber, dass wir beim Tuningshop zahlreiche Optionen haben, mit denen wir ein präzises Feintuning durchführen können. Egal ob Bremsbalance, Gewichtsverteilung oder Kraftübersetzung, wir können unsere Wagen bis ins letzte Detail an unsere Bedürfnisse anpassen. Gleiches gilt auch für die Fahrhilfen und die Steuerung – hier sind uns keine Grenzen gesetzt. Zudem werden vom Titel zahlreiche Lenkräder von Haus aus unterstützt, und mit einem Lenkrad macht ein Rennspiel natürlich auch am meisten Spaß.

Gran Turismo 7 test

Rauf auf die Strecken

Egal mit welchem Wagen, und egal woher wir diesen haben, wir wollen uns diese natürlich nicht nur anschauen, sondern auch auf der Strecke ausgiebig an ihre Grenzen bringen. Auf insgesamt 34 Strecken mit 97 Varianten können wir uns nach Lust und Laune austoben, sowohl auf realen Strecken wir dem Nürburgring oder Monza, aber auch bekannten, für GT entwickelten Strecken, wie Deep Forest oder Special Stage Route X. Auch Strecken abseits des Asphaltes werden geboten, wie etwa Offroad-Kurse, die ganz andere Anforderungen an die Fahrer stellen. Leider fehlen manche Elemente, wie etwa Schneestrecken und mehr Stadtkurse, dennoch sollte für jeden Fahrer eine ansprechende Auswahl dabei sein.

Sowohl offline als auch online bieten sich viele Möglichkeiten, wie man seine Runden drehen kann. So können wir entweder die Menüs und damit verbundenen Rennen aus dem GT-Café im Einzelspieler absolvieren, genau wie die sogenannten Streckenerfahrungen, in denen wir einen Teil einer Strecke immer wieder Fahren können, um ihn zu beherrschen, dem Zeitrennen, in welchem wir die beste Rundenzeit erreichen wollen, oder einfach in einem Arcade- oder Driftrennnen, um nach Lust und Laune alles zu geben. Online können wir direkt gegen Freunde antreten, oder aber im „Sport“-Modus in Rennen gegen Spieler auf der ganzen Welt, samt Qualifying. Um für alle ein ansprechendes Erlebnis zu schaffen, werden die Fahrer nach ihrer Renn-, sowie ihrer Fairness-Wertung eingestuft, um mit Fahrern ähnlicher Klasse zusammengesetzt zu werden. Hierfür wurden sogar die Daten von „GT Sport“ automatisch übertragen. Ein insgesamt sehr tolles Feature, das den Online-Modus äußerst angenehm gestaltet.

Neben „normalen“ Rennen gibt es auch wieder einen Missionsmodus, in dem wir vor verschiedene Herausforderungen gestellt werden, um eine Trophäe von Bronze bis Gold zu erlangen. Mal müssen wir dabei möglichst viele andere Fahrzeuge überholen, in einer anderen Mission dafür mit einer Tankfüllung so weit wie möglich kommen, bis uns der Sprit ausgehen wird. Diese Aufgaben sind teilweise wirklich anspruchsvoll und eignen sich gut für alle, die das Maximum aus ihrem Können herausholen wollen. Ähnliches gilt auch für die bekannten Lizenzprüfungen, die wir für manche Wettkampfstufen im Vorfeld abschließen müssen. Hier lernen wir etwas über die idealen Bremspunkte, das Verhalten bei Regen etc., um dieses anschließend in unseren Rennen gekonnt umzusetzen.

Gran Turismo 7

The real driving simulator

In puncto Fahrphysik hat Gran Turismo schon immer Maßstäbe gesetzt. Kein Wunder also, dass auch GT7 hier einiges zu bieten hat. Das Kurven- und Bremsverhalten ist absolut realitätsgetreu, wodurch schon kleine Veränderungen am Bremspunkt, den vielen möglichen Motoreinstellungen oder dem Einfluss von Reifen und Wetter deutlich zu spüren sind und ein Rennen in kürzester Zeit maßgeblich Verändern kann. Gleiches gilt auch für Windschatten und Aerodynamik, die gezielt bei vielen Strecken eingesetzt werden.

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Auch bei den Fahrzeugen hat das Team von Polyphony Digital viel Liebe ins Detail gesteckt, so sind die einzelnen Boliden bis in den letzten Zentimeter ihrem realen Pendant nachempfunden. Man fühlt sich sofort im Innenraum wohl und gerade bei den etwas „alltäglichen“ Autos, etwa ein Golf oder Renault, erkennt man die Innenräume auch sofort wieder. Leider ist es von Beginn an so, dass viele der Fahrzeuge als Rechtslenker programmiert sind. Gerade das Fahren im Innenraum kann sich da unter Umständen etwas ungewöhnlich anfühlen. Zum Glück können aber alle Sichteinstellungen durchaus überzeugen, dass man in solchen Fällen auch auf die 3rd-Person-, die Stoßstangen- oder auch die Motorhauben-Ansicht wechseln. Besonders schön hierbei: der gute Motorensound, der zu den Modellen sehr realistisch ist, und auch auf Tuning reagiert, ändert sich je nach Kameraeinstellung passend um. Wir sind von den Fahrzeugen in allen Aspekten wirklich begeistert und freuen uns über so viel Hingabe und Detailverliebtheit. Leider fehlt es trotz alledem an einem guten Schadenssystem. Egal wie hart wir vor andere Wagen oder die Wand fahren, es gibt nur ein paar Blechschäden, aber keine echten Auswirkungen. Hier sind andere Titel wie F1 2021 deutlich weiter. Wirklich schade, denn auch Schäden gehören zum Realismus.

Gran Turismo 7

Ein Highlight für alle Sinne

Doch nicht nur die Boliden sehen gut aus. Auch die Strecken machen es uns leicht, dass wir uns auf diesen schnell wohlfühlen. Gerade die realen Strecken sind hervorragend umgesetzt, sogar die bekannten Beschriftungen auf der Strecke des Nürburgringes sind treffend platziert worden. Darüber hinaus bekommen wir eine Lichtinszenierung geboten, die wir uns schon lange gewünscht haben. Insbesondere die Sonneneinstrahlung macht einiges her, blendet uns bei Sonnenaufgang und bei Nacht fahren wir automatisch vorausschauender, wenn wir nur etwas Licht von unseren Scheinwerfern bekommen. Auch Reflexionen vom Armaturenbrett sind ideal umgesetzt und machen viel her. Ansonsten bieten sich uns neben den Strecken einige schöne Details, wie etwa der ein oder andere Zug, der in Tokyo am Stadtkurs vorbeifährt, oder imposante Berglandschaften, die sich abseits der Strecke auftürmen. Leider hat man es bis heute noch immer nicht geschafft, die Zuschauer am Straßenrand realitätsnah zu gestalten, aber hier tun sich auch andere Spiele bis heute sehr schwer. Viel schlimmer finden wir es da, dass teilweise deutlich sichtbare Pop-Ins auftreten, die wir hin und wieder an verschiedenen Stellen beobachten können. Leider sind diese Momente so überraschend, dass sie auch deutlich ins Auge fallen. Echt schade!

Auf der PlayStation 5 bietet uns „Gran Turismo 7“ zwei verschiedene Grafik-Modi an. Im Performance-Mode bekommen wir eine konstante Framerate von 60fps, der Ray-Tracing-Modus hingegen setzt den Fokus auf die namensgebende Mechanik, allerdings nur Abseits der Rennen, etwa im Rückblick oder im Foto-Modus. Welchen der beiden Modi man bevorzugt, muss man für sich selbst entscheiden, wir tendieren aber eher zum Performance-Modus, um eine konstante Bildrate sicherzustellen.

Für uns besonders hervorzuheben ist der Einsatz des MotionSense-Controllers. So übertragen sich etwa Bodenwellen direkt in den Controller, die Pedale geben uns je nach Situation ein entsprechendes Feedback, und auch die Steuerung mit dem Beschleunigungssensor ist ganz ansprechend gelungen. Ob es nun, wie von Polyphony angepriesen, ein ganzes Lenkrad ersetzt, sei mal dahingestellt. Wir freuen uns aber, dass die Funktionen des DualSense immer mehr eingebunden werden.

Gran Turismo 7

Achtung: Online-Zwang!

Was uns wirklich stört ist der Online-Zwang, an den der Titel gebunden ist. Ohne Internetverbindung können wir nur auf einen kleinen Arcademodus mit wenig Strecken und Fahrzeugen zurückgreifen, für das volle Erlebnis und den Zugriff auf die gesamte Spielwelt brauchen wir Internet. Hintergrund soll das Verhindern von Spielstand-Modifikationen sein, wie sie noch in Vorgängern möglich waren. Eine gute Idee, die Lösung gefällt uns aber leider weniger.

TEST: Gran Turismo 7 – Bleifuß ohne Spritpreissorgen
Fazit
„Gran Turismo 7 ist das Rennspiel, was wir uns schon lange gewünscht haben. Zahlreiche Rennen und Fahrzeuge, eine grandiose Optik und eine Fahrphysik, die Maßstäbe setzt. Punktabzug gibt es für gelegentliche Pop-Ins, den Onlinezwang sowie die Mikrotransaktionen, die unter Umständen gar nicht mehr so Mikro sein werden. Alles in allem sind wir von Fahrgefühl, Umfang und Optik begeistert und freuen uns auf viele Kilometer, die wir ohne Schuldgefühl bei den aktuellen Spritpreisen abreißen können."
Pro
herausragende Fahrphysik
großer Umfang an Fahrzeugen und Rennstrecken
grafisch gelungene Fahrzeugmodelle und Lichteffekte
gemütlicher Einstieg ins Renngeschehen
zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten
Contra
Online-Zwang
gelegentlich Pop-Ins
kein richtiges Schadensmodell
Mikrotransaktionen
9
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