Der Traum vom ewigen Geldregen ist für Wildlight Entertainment geplatzt. Während die PR-Abteilung noch die „wertvollen Lehren“ sortiert, stehen die Spieler vor den Scherben eines Shooters, der schneller weg war als ein instabiles Patch-Update am Feierabend. Die Ankündigung über das Aus von Highguard kam für viele so sicher, wie das Urteil eines Scheidungsanwalts.
Trotzdem haben nicht wenige Spieler Wochen in einen Charakter investiert, der in neun Tagen nur noch eine Ansammlung toter Einsen und Nullen in einer abgeschalteten Datenbank sein wird. Herzlichen Glückwunsch, wieder auf das falsche Pferd gesetzt, das eigentlich nur ein Esel mit einem Einhorn-Skin war.
Die Roadmap als Beruhigungspille für die Aktionäre
Wildlight Entertainment schaltet am 12. März die Server ab. Das sind gerade einmal sechs Wochen nach dem Launch. In der Zeit schaffen es andere Studios nicht mal, die gröbsten Bugs aus der Alpha zu flicken, aber hier zieht Tencent, der chinesische Gigant, der Portemonnaies schneller schließt, als Spieler „Abzocke“ rufen können, bereits den Stecker. Dass Wildlight jetzt noch schnell einen neuen Charakter und Talentbäume nachschiebt, ist kein Service am Kunden, sondern das Entsorgen von digitalem Sondermüll, der ohnehin schon fertig in der Schublade lag.
Diese berüchtigten Roadmaps, die uns jahrelangen Spielspaß, also stumpfen Grind für bunte Hüte, versprechen, sind nichts weiter als Beruhigungspillen für Leute in Anzügen. Sobald die Spielerzahlen wegbrechen, mutiert der „langfristige Support“ zur sofortigen Exekution. Zwei Millionen Neugierige zum Start klingen in einer Pressemitteilung toll, bedeuten in der Realität aber gar nichts, wenn das Publikum nach drei Tagen merkt, dass das Spielprinzip so aufregend ist wie eine Inventur im Baumarkt.
Der GaaS-Friedhof braucht dringend eine Erweiterung
Wir beobachten hier ein System mit Ansage. Die Branche produziert am Fließband Titel, die krampfhaft versuchen, ein Stück vom „Forever-Game“-Kuchen abzugreifen. Sony hat es mit Concord vorgemacht, Wildlight zieht mit Highguard nach. Es ist die Arroganz der Publisher, zu glauben, man könne die Spieler von ihren angestammten Plätzen bei Fortnite oder Apex weglocken, indem man ihnen das exakt gleiche Konzept in „weniger gut“ – und dafür mit mehr Mikrotransaktionen – vorsetzt.
Wer jetzt denkt, das wäre ein Einzelfall, sollte den Blick auf Horizon Hunters Gathering und viele weitere Ansätze richten. Guerrilla Games scheint fest entschlossen, den gleichen Fehler zu wiederholen und ein geliebtes Singleplayer-Universum in ein Multiplayer-Korsett zu pressen, nach dem niemand gefragt hat. Es ist ein Tanz auf der Rasierklinge, der meistens mit einer blutigen Nase und abgeschalteten Servern endet. Wenn Investoren nur noch Zahlen sehen wollen, bleibt die Seele des Spiels als Erstes auf der Strecke.
Das Schweigen der Melkkühe
Die Community-Reaktionen sprechen Bände. „Wer hat das nicht kommen sehen?“, fragt ein Nutzer auf PlayFront völlig zurecht. Die Spieler sind nicht dumm. Sie riechen den Braten, wenn ein Spiel nur existiert, um Quartalszahlen zu schönen. Ein Live-Service-Spiel ohne finanzielle Ausdauer ist eine Totgeburt, so drastisch das auch klingt. Wer Zeit in den Grind investiert hat, steht nun vor einem digitalen Trümmerhaufen.
Ich lege den Controller beiseite und warte auf die nächste glattgelutschte Nachricht, die uns das Scheitern als „wertvolle Erfahrung“ verkauft. In Wahrheit ist es einfach nur das nächste Opfer eines Marktes, der vor lauter Gier vergessen hat, dass Spiele in erster Linie Sinn ergeben müssen – und nicht nur als Vehikel für In-Game-Käufe dienen dürfen. Highguard ist kein Ausrutscher. Es ist ein Muster.“
Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten sind die persönliche Meinung des Autors. Sie müssen nicht jedermanns Sichtweise entsprechen – und sollen zum Diskutieren anregen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sterben sie noch weiter bzw. Und wenn sie nichts draus gelernt haben, dann lernen sie immer noch weiter