Was als spektakulärer Abschluss der Game Awards im vergangenen Dezember gedacht war, entwickelt sich im Nachhinein zum Paradebeispiel dafür, wie sehr Wahrnehmung und Realität bei großen Gaming-Shows auseinanderklaffen können.
Im Zentrum der Debatte steht der neue PvP-Raid-Shooter Highguard, jenes Spiel, das den letzten Trailer-Slot der Show belegte, und dafür im Netz regelrecht zerrissen wurde. Der Vorwurf lautet: gekaufte Werbung, auf Kosten glaubwürdiger Dramaturgie. Doch genau das scheint so nicht zu stimmen.
Kein bezahlter Slot, aber ein fatales Signal
Auslöser der aktuellen Diskussion ist eine Aussage von Forbes-Journalist Paul Tassi. Auf X bestätigte er sinngemäß, dass Highguard nicht für den prominenten Finale-Platz bezahlt haben soll. Vielmehr sei der Slot offenbar redaktionell vergeben worden. Ein simples „I believe so“ – ohne große Erklärung, aber mit weitreichenden Folgen.
Denn laut mehreren übereinstimmenden Stimmen aus dem Umfeld der Show war Highguard ursprünglich gar nicht als Abschluss geplant. Der finale Platz soll für ein anderes Projekt reserviert gewesen sein, das kurzfristig wegfiel. In dieser Situation habe Geoff Keighley die Entwickler von Highguard gefragt, ob sie den Slot übernehmen wollen. Möglicherweise lag es daran, dass der Release nur wenige Wochen entfernt war und man ein potenziell neues Top-Studio pushen wollte. Wildlight sagten schließlich zu, und genau hier beginnt das Problem.
Unabhängig davon, ob Geld geflossen ist oder nicht: Für einen Großteil des Publikums wirkte der Abschluss wie eine klassische Werbeplatzierung. Das ist kein Zufall, denn der letzte Slot der Game Awards ist seit Jahren emotional aufgeladen, er steht für große Überraschungen, Prestige-Projekte oder klare Statements. Wer dort auftaucht, wird automatisch höher bewertet. Oder eben härter abgestraft.
Wie ein Finale zum Bumerang für Highguard wurde
Und so traf der folgende Shitstorm nicht primär Geoff Keighley oder die Struktur der Show, sondern das Spiel selbst. Highguard wurde zur Zielscheibe von Wut und Häme. Einige Nutzer sprechen offen davon, dass das Spiel durch seine eigene Präsentation „verbrannt“ worden sei. Ein bemerkenswerter Befund, und ein bitterer für das Entwicklerteam, das offenbar unverschuldet zwischen alle Fronten geraten ist. Nicht zuletzt, weil es seit der Premiere verdächtig ruhig um den Titel geworden ist, obwohl der Launch im Januar dieses Jahres unmittelbar bevorsteht.
Für die Game Awards wirft der Vorfall erneut grundsätzliche Fragen auf. Wenn redaktionelle Entscheidungen von außen nicht mehr von Werbung zu unterscheiden sind, entsteht ein Glaubwürdigkeitsproblem. Gerade bei einer Show, die sich als Gradmesser der Branche versteht, ist das ein gefährlicher Graubereich.
Am Ende bleibt festzuhalten: Highguard hat den Finale-Slot vermutlich nicht gekauft, profitiert hat davon trotzdem bislang niemand. Weder das Spiel, noch die Show, noch das ohnehin fragile Vertrauen vieler Zuschauer in die Dramaturgie der Game Awards.

