Die Faszination für Videospiele liegt nicht nur in der Handlung oder den Charakteren, sondern in der Welt, die man betreten darf. Genau das gelingt Sucker Punch mit Ghost of Yōtei. In einem Gespräch mit Vince Gilligan, dem kreativen Kopf hinter Plurabus, gab Jason Canel, Creative Director des Spiels, spannende Einblicke in die Entstehung dieser immersiven Welt.
Vom Spielerfantasie-Konzept zum Protagonisten
Anders als in TV oder Film beginnt die Kreation eines Videospiels selten mit einem fertigen Charakter oder Drehbuch. „Bei Ghost of Yōtei war es eher das Spielerfantasie-Konzept, das den Anfang machte“, erklärt Canel. Nach der Arbeit an Ghost of Tsushima wollte das Team eine neue IP schaffen und fragte sich: Welche Rolle soll der Spieler übernehmen? Die Antwort war ein Samurai, inspiriert von klassischen Samurai-Filmen wie Yojimbo. Von dort aus entstand nicht nur der Protagonist Jin Sakai, sondern eine ganze Welt, die Spieler erkunden können.
Ein zentraler Punkt für Sucker Punch war die Balance zwischen Freiheit und erzählerischer Struktur. Spieler können stundenlang durch Bambuswälder reiten, ohne einer linearen Mission zu folgen. Dennoch spiegeln die Umgebungen immer wieder die Geschichte von Jin wider. „Es ist eine Kunst, offene Welten so zu gestalten, dass sie den Charakter und die Story widerspiegeln, ohne die Freiheit zu beschneiden“, so Canel.
Spielerfeedback und Mechanik-Feinschliff
Das Team testet regelmäßig, wie sich die Welt anfühlt. Spielerfeedback wird genutzt, um Mechaniken zu verfeinern, Entscheidungen zu treffen und Features zu gewichten. Eine Funktion, die es erlaubt, in die Vergangenheit zu springen, um emotionale Momente noch stärker zu erleben, musste für das gesamte Spiel reduziert werden. „Es war schwer, diese Funktion einzuschränken, aber es war die richtige Entscheidung“, sagt Canel.
Canel selbst begann seine Karriere als Matte Painter, kombinierte traditionelle Maltechniken mit modernen digitalen Methoden und brachte so ein authentisches, atmosphärisches Japan auf die Bildschirme. Die Motion-Capture-Aufnahmen japanischer Kampfkünstler waren dabei besonders spannend. Ihre Geschwindigkeit war so extrem, dass die Kameras sie zunächst nicht einfangen konnten, ein Beispiel dafür, wie viel Detail und Präzision in Ghost of Yōtei steckt.
Westliche Einflüsse und universelle Spannung
Canel betont auch die Einflüsse westlicher Filme auf die Spielmechanik. Die Spannung zwischen zwei Kontrahenten – sei es ein Revolverheld oder ein Samurai – ist universell. Diese Kombination aus japanischer Ästhetik und universeller Spannung macht die Welt von Ghost of Yotei so einzigartig.
Ein großartiges Open-World-Spiel ist nicht nur Technik, sondern vor allem Liebe zum Detail. Die Spieler sollen die Welt nicht nur durchqueren, sondern sie erleben, erkunden und emotional erfahren. Ghost of Yōtei ist damit mehr als ein Spiel: Es ist ein immersives Erlebnis, das Geschichte, Kunst und Interaktivität auf beeindruckende Weise verbindet.
Das komplette Interview gibt es nachfolgend in voller Länge und unser Review zum Spiel findet ihr hier.

