Naughty Dog wollte den Crunch hinter sich lassen. Zumindest klang das nach The Last of Us Part II so. Mehr Produzenten, bessere Planung, weniger Verschleiß. Der aktuelle Bloomberg-Bericht zu Intergalactic: The Heretic Prophet erzählt nun eine andere Geschichte, und sie beginnt unangenehm früh in der Entwicklung.
Insider berichten, dass große Teile des Studios über sieben Wochen hinweg zu verpflichtenden Überstunden angehalten wurden. Mindestens acht Stunden extra pro Woche, gedeckelt bei 60 Gesamtstunden. Kein freiwilliger Einsatz, sondern dokumentierte Pflicht. Ziel war eine interne Demo, die rechtzeitig für eine Sony-Review im Dezember fertig werden musste. Zuvor wurden offenbar mehrere Deadlines verpasst und ein Zeitplan, der aus dem Takt geraten ist.
Crunch nicht zum Finale, sondern für eine Demo
Der brisante Punkt ist nicht nur dass es Crunch gab, sondern wann. Intergalactic: The Heretic Prophet soll laut Bloomberg aktuell Mitte 2027 erscheinen. Das ist noch rund zwei Jahre entfernt. Crunch in dieser Phase deutet nicht auf Endspurt, sondern auf strukturelle Probleme hin. Scope, Ressourcen, Führung, irgendwo greift etwas nicht.
Hinzu kam eine verschärfte Präsenzpflicht. Statt drei Tagen mussten Mitarbeiter fünf Tage pro Woche ins Büro kommen. Für viele bedeutete das kurzfristige Umorganisation von Kinderbetreuung oder Pflege. Sony und Naughty Dog haben sich dazu aber nicht geäußert.
Alte Muster, neue Versprechen
Naughty Dog gilt als eines der renommiertesten Studios der Branche, und gleichzeitig als eines mit historisch hoher Belastung. Nach dem Burnout vieler Mitarbeiter rund um The Last of Us Part II wurde 2021 reagiert, neue Producer-Teams und klarere Prozesse wurden umgesetzt. Laut Insidern haben jedoch viele dieser Schlüsselpersonen das Studio inzwischen wieder verlassen. Was bleibt, ist ein bekanntes Muster: Wenn der Plan nicht hält, hält die Arbeitszeit her.
Besonders bitter wirkt ein internes Detail, das Bloomberg beschreibt. Mitarbeitende erhielten Metallmünzen mit einem Zitat aus dem Intergalactic-Trailer: „The suffering of generations must be endured to achieve our divine end.“ Als ironischer Kommentar gedacht? Möglich. Als unbeabsichtigtes Statement zur aktuellen Arbeitskultur wirkt es treffender, als dem Studio lieb sein dürfte.
Kurze Entwarnung, keine Lösung
Der akute Crunch ist inzwischen beendet. Die Demo steht, der Büroalltag kehrt vorerst zum Normalmodus zurück, zumindest bis Ende Januar. Doch im Studio wächst die Sorge vor dem letzten Entwicklungsjahr. Wenn bereits eine interne Demo solche Maßnahmen erfordert, stellt sich die Frage, wie der finale Release ohne erneuten Druck gelingen soll.
Noch ist Intergalactic: The Heretic Prophet kein Problemfall. Aber der frühe Crunch ist eine Warnung. Nicht für die Qualität des Spiels, sondern für den Preis, den dafür gezahlt werden könnte. Und genau hier sollte Naughty Dog besser liefern als bei alten Gewohnheiten.


Sollten sich Naughty Dog dazu entscheiden, Tati Gabrielle in ihrer Rolle als Jordan A. Mun auf’s Art Cover der fertigen Release Fassung zu pressen, haben die dort ansässigen Entwickler & Investoren ein gänzlich anderes Problem als im Vorfeld angeordnete Überstunden.
Neben der bereits Jahre im Vorfeld zweifelsfrei vorhandenen, prominenten Problematik innerhalb der Reputation des Studios & ihrer, vorsichtig ausgedrückt, „Schauspielerin“, wird selbst ein Großteil der Impulskäufer, die bisher noch keine Ahnung von spezifischen Kontroversen hatten, im digitalen Store & auf den letzten noch vorhandenen Verkaufsebenen einen weiten Bogen um das Produkt machen.
Aus offensichtlichen Gründen der Intuition & klarer Denkweise.
Da helfen auch keine angeordneten Überstunden zur Erreichung der durch Investoren vorgegebenen zeitlichen Vorgaben & zur Erhaltung von angeblichen Qualitätsstandards.
Abgesehen davon unterstütze ich als Endverbraucher kein Unternehmen, das seine Mitarbeiter rechtssicher dazu forciert, Jahre im Vorfeld ihre eigene Gesundheit auf’s Spiel zu setzen nur um innerhalb eines toxischen Arbeitsumfeld den raffgierigen Vorgaben der Schlipsträger auf den oberen Etagen zu entsprechen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich diese Denkweise & Haltung in den kommenden Jahren immer weiter etablieren sowie manifestieren wird.
Dann werden wir sehen, was am Ende bei rum kommt.