Ist Split Fiction nichts weiter als feministische Propaganda?

Josef Fares verteidigt Split Fiction gegen „feministische Propaganda“-Vorwürfe und betont, dass es um starke Geschichten und authentische Charaktere geht, nicht um politische Agenden.

Niklas Bender
Niklas Bender ist Editor-in-Chief bei PlayFront.de und Spezialist für kritische Spieleanalysen und Meinungsformate. Seit 2023 prägt er die redaktionelle Kante des Magazins mit pointierten Kommentaren und...

Josef Fares hat genug. Nachdem sein neues Koop-Spiel „Split Fiction“ von einem Teil der Gaming-Community als „feministische Propaganda“ abgestempelt wurde, ging der Entwickler in einem Video zur Sache und konterte diese Kritik auf seine typische, unmissverständliche Weise. Fares, bekannt für seine direkte Art, zeigte keinerlei Geduld für die offensichtlichen Vorurteile, die hinter solchen Kommentaren stecken.

Die „Woke“-Debatte: Wenn Vielfalt zu Propaganda wird

Die Anschuldigungen gegen „Split Fiction“ erinnern an die wiederkehrende Welle von „Woke“-Vorwürfen, die immer dann auftauchen, wenn ein Spiel oder ein Film, bewusst oder unbeabsichtigt, Diversität oder emanzipatorische Themen anspricht. Dies ist kein neuer Trend, sondern ein gewohnt toxisches Manöver derjenigen, die befürchten, dass sich ihre liebsten kulturellen „Fluchten“ plötzlich mit realen, gesellschaftlichen Fragen konfrontiert sehen. In diesem Fall ging es um die Darstellung der zwei weiblichen Hauptfiguren in „Split Fiction“. Die Kritik, dass dies eine Form von feministischer Agenda oder Propaganda darstelle, ist nicht nur oberflächlich, sondern spiegelt auch eine tiefere, problematische Haltung wider, die in vielen Teilen der Gaming-Community zu finden ist.

Fares‘ Antwort darauf war klar und entschlossen: „Es interessiert mich nicht, was du zwischen deinen Beinen hast.“ Für ihn zählt die Qualität der Charaktere und die Geschichte, nicht das Geschlecht der Hauptfiguren. Diese Haltung lässt sich auch in seiner bisherigen Arbeit erkennen. In früheren Spielen wie „Brothers: Tale of two Sons“ oder „A Way Out“ setzte Fares ebenfalls auf starke männliche Protagonisten, aber der Fokus lag stets auf den Beziehungen und den einzigartigen Erlebnissen der Charaktere, nicht auf ihrer Geschlechtsidentität. Bei „Split Fiction“ ist das nicht anders. Die Wahl, zwei weibliche Figuren zu präsentieren, basiert auf seiner eigenen Inspiration durch seine Töchter und nicht auf einem ideologischen Programm.

Fares‘ klare Haltung: Es geht um Geschichten, nicht um Geschlechter

Der Punkt, den Fares hier macht, ist nicht nur eine Frage der künstlerischen Freiheit, sondern auch ein starkes Statement gegen die Kultur, die versucht, Diversität in der Popkultur als politische Propaganda zu brandmarken. Indem er den Vorwurf der „feministischen Propaganda“ direkt entkräftet, zeigt Fares, dass er den Fokus auf die Erzählung und die Charakterentwicklung legt, die für ihn und seine Arbeit entscheidend sind. Das bedeutet nicht, dass er gegen politische Themen in der Kunst ist, sondern dass er es ablehnt, in einen ideologischen Konflikt hineingezogen zu werden, wenn es lediglich darum geht, eine starke und facettenreiche Geschichte zu erzählen.

Die Kritik an „Split Fiction“ hat damit weniger mit dem Spiel zu tun, sondern vielmehr mit einem größeren Problem: der weiten Verbreitung von toxischer Männlichkeit und der Angst vor allem, was als abweichend von traditionellen Normen angesehen wird. Fares, der das Spielgeschäft gut kennt und immer wieder auf eine unkonventionelle Art und Weise agiert, stellt klar, dass er sich nicht in diese falsche Diskussion hineinziehen lässt. Stattdessen setzt er auf Authentizität und eine klare Botschaft: Es geht nicht darum, eine Agenda zu fördern, sondern darum, großartige Geschichten zu erzählen, die jeden Menschen unabhängig von Geschlecht oder Herkunft ansprechen.

Die Kritik an „Split Fiction“ mag also weniger mit dem Spiel selbst zu tun haben, sondern mit einer tiefsitzenden Angst, die viele Gamer haben: die Angst, dass sich ihre geliebten Medien plötzlich verändern könnten, um einer realeren und inklusiveren Welt Rechnung zu tragen. Doch diese Veränderung ist längst überfällig und Fares zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass es möglich ist, Vielfalt zu feiern, ohne die künstlerische Integrität zu gefährden.

Share This Article
What do you think?
Leave a comment.
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
Checkbox
5 Comments
Newest
Oldest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
Crydog
11 Monate zuvor

Kein plan was man dazu sagen soll mich spricht das spiel einfach nicht an aus den grund wird es nicht gekauft bzw. Wenn man den Trailer sieht dann kann ich schon verstehen das bestimmte Themen damit assoziiert auf die man kein bock hat und schließlich das spiel nicht kauft.
Ich glaube selbst wenn es keine woke Agenda drin wäre ,die leute habe schon aufgrund wie das spiel präsentiert wurde kein bock mehr.
Ich glaube es ist besser wenn Entwickler das unterschwellig bedienen z.b cacpom macht das ganz gut erstens kann man sich im Editoren sein eigenen freak bauen und zweitens werden frauen selbweusst und mit Sexappeal dargestellt ohne grinde zu werden. Z.b Olivia in Monster hunter wilds hat schon viel Bizeps für eine Frau aber es wird durch die Lore begründet weil die Rüstungen und Waffen so schwer sind und klar muss es auch weibliche Jägerin geben schließlich kann sich auch eine bauen im Editor. Oder die ganzen weiblichen Figuren aus resi bzw. Street fighter
Cacpom hat viele diverse Figuren nur man geht nicht explizit drauf ein wie die westlichen Studios das machen bzw. Versuchen das einen in Gehirn rein zu Prügel

Jemysis
11 Monate zuvor

egal wie man es macht, irgendjemand beschwert sich sowieso

pray
11 Monate zuvor

Und btw hat Josef fares zwei Töchter, da ist ea nachvollziehbar, dass er so etwas jetzt mit zwei jungen Frauen entwickelt. Ich nehme das Spiel natürlich nicht in Schutz, mich spricht es auch relativ wenig an, da ich it tales two schon echt mies fand und er bei way out was eins der besten Spiele ever hätte sein können, das Ende sowas von verkackt hat, dass das ganze Spiel beschmutzt wurde.

Aber nur fairer halber möchte ich mal darauf hinweisen, dass es bei ihm halt auch einen anderen Grund haben kann. Dass ein Vater dann ein Spiel entwickelt, in dem zwei starke junge Frauen gemeinsam Abenteuer erleben und zusammenhalten müssen, kann ich schon nachvollziehen, wenn man zwei Töchter hat

pray
11 Monate zuvor

„…erinnern an die wiederkehrende Welle von „Woke“-Vorwürfen, die immer dann auftauchen, wenn ein Spiel oder ein Film, bewusst oder unbeabsichtigt, Diversität oder emanzipatorische Themen anspricht.“

– nananana, da gehen wir aber mal einen Schritt zurück! Es gibt natürlich immer Leute die sich auf alles stürzen und w0ke schreien, aber ich würde mal sagen, dass die breite Masse mit diesen Vorwürfen eher dann ankommt, wenn emanzipatorische Themen keine emanzipatorischen Themen mehr sind, sondern es nur noch darum geht, die Leute zu brainwashen. Eine Taash von Dragon Age vailguard ist kein emanzipatorisches Thema innerhalb des Spiels gewesen, sondern einfach nur plump stumpf und unpassend belehrend gegenüber dem Spieler und absolut aufgezwungen auf eine Art und Weise, die das ganze Spiel beschmutzt und abgewertet hat

Vor allem hat der typ, der die taashvstpry geschrieben hat, selber irgendwelche Anwandlungen gehabt, sich die Haare blau gefärbt und sieht sich jetzt als pan sexuell an. Das heißt jemand der eine identifikationskrise hat oder sich seine eigene Sexualität nicht bewusst ist, hat seinen Job missbraucht um seine Sorgen seine Ängste das was er persönlich in seinem Leben hat womit er irgendwie gucken muss wie er klar kommt in Dragon Age rein zu quetschen und das allen Leuten aufzuzwängen. Dazu kommt, dass es einfach unfassbar schlecht geschrieben war und auch von Seiten des Charakters um den es geht mit einer absoluten Aggression nach außen getragen wurde.

pray
11 Monate zuvor
Reply to  pray

Wenn man es so auf die Spitze treibt und nie weiß wann gut ist, muss man sich auch nicht wundern, dass die Leute eine Abwehrhaltung haben ihr Geld bei sich behalten und sowas einfach nicht mehr kaufen wollen. Ich sehe gerade die Serie the expanse und der Hauptcharakter ist weiß sieht vielleicht noch ein bisschen aus wie ein Latino-typ wenn überhaupt. Er hat was mit seiner Kollegin die schwarz ist. Das wird nicht großartig thematisiert, es geht um keine Rassenkonflikte etc. Es ist einfach so Punkt und das ist die einzige Art so etwas umzusetzen. Es gibt später in der Serie noch eine blondhaarige Frau die stark gläubig ist und mit einer schwarzen Frau zusammen ist, also ein lesbisches Paar mit Kind. Dass sie Lesben sind wird überhaupt nicht thematisiert weil es einfach im Rahmen der Serie so ist und es nichts zu thematisieren gibt. Anstatt eines Mannes hat sie einfach eine Frau und sagt zu Ihrer Frau mein Schatz… danach geht es einfach ganz normal mit der Serie weiter und man hat nicht das Gefühl irgendwie belehrt oder um erzogen worden zu sein. Das aber überall jetzt nur noch starke Frauen sind, überall lesbische Frauen sind, überall alle Hauptcharaktere dunkelhäutig sein müssen, überall Charaktere mit sexuellen Störungen Problemen etc sein müssen… ist einfach nur noch lächerlich natürlich gehen die Leute da steil. Wenn man dann noch bedenkt, wie oft dass er nur gemacht wird um Punkte auf DIE Listen zu bekommen und Kohle abzusahnen…

5
0
Dein Kommentar dazu interessiert uns!x