Josef Fares warnt die Branche: Warum AAA-Spiele nicht zum Auslaufmodell werden dürfen

Josef Fares warnt vor dem Trend zu AA-Spielen und betont: AAA-Titel sind unverzichtbar für Innovation, Vielfalt und kreative Risiken in der Branche.

Lukas Neumann
Als leidenschaftlicher Gamer und Analyst begleitet Lukas Neumann die Entwicklung der PlayStation-Ökosystems bei PlayFront.de. Sein journalistischer Fokus liegt auf der Aufbereitung komplexer Branchenthemen und dem Testen...

Wenn Josef Fares spricht, klingt das selten nach PR. Und genau deshalb sollte die Branche genau hinhören, wenn der Hazelight-Chef und It Takes Two-Macher sagt: „I would not be able to live without a AAA title.“ Das ist keine nostalgische Verklärung großer Budgets, sondern eine deutliche Warnung vor einer Industrie, die gerade dabei ist, sich selbst zu sehr auf vermeintlich sichere Mittelklasse-Projekte zu verlassen.

Auslöser ist der Erfolg von Clair Obscur: Expedition 33. Ein AA-Spiel, das Aufmerksamkeit, Lob und Verkaufszahlen generiert hat. Für viele Publisher offenbar ein Wink, weniger Risiko einzugehen, kleinere Budgets bereitzustellen, und überschaubare Produktionen zu managen. Klingt zunächst vernünftig, aber das ist nur die halbe Wahrheit.

AA-Erfolg vs. AAA-Vision: Warum Vielfalt wichtig bleibt

Fares’ Punkt ist simpel und unbequem zugleich, wie er gegenüber TheGameBusiness erklärt. Vielfalt entsteht nicht durch Vermeidung, sondern durch Balance. AA-Spiele, Indies und Blockbuster erfüllen unterschiedliche Rollen. Wer glaubt, man könne AAA einfach durch günstigere Alternativen ersetzen, verkennt, was große Produktionen leisten.

Man kann ein GTA nicht für 10 Millionen Dollar entwickeln. Man kann Naughty Dog nicht in ein AA-Korsett zwängen, ohne den Anspruch gleich mit abzuwürgen. Und man kann auch nicht erwarten, dass technische Durchbrüche, neue Standards oder globale Popkultur-Momente aus Projekten entstehen, die von Beginn an auf Kostenkontrolle statt auf Ambition ausgelegt sind.

Interessant ist dabei, dass Fares keineswegs blind für die Probleme von AAA ist. Er weiß, dass Budgets jenseits der 100-Millionen-Marke Angst erzeugen und das Risiko dort schwerer wiegt. Aber er widerspricht der oft bemühten Ausrede, Innovation sei unter solchen Bedingungen unmöglich. Rockstar, Nintendo, Naughty Dog – sie alle beweisen regelmäßig das Gegenteil.

Was Fares kritisiert, ist nicht AA, sondern das Denken in Trends und die reflexhafte Reaktion der Industrie, aus einzelnen Erfolgen sofort ein neues Dogma abzuleiten. Heute sind es Service-Games, morgen AA, übermorgen KI-generierte Inhalte. Dazwischen bleibt wenig Raum für langfristige Visionen.

Gefahr der Bequemlichkeit

Diese Warnung kommt ausgerechnet von einem Entwickler, der selbst nicht im AAA-Segment arbeitet. Hazelight baut fokussierte Spiele, mit klarer Idee, überschaubarem Team und bewusstem Verzicht auf Trends. Gerade deshalb hat Fares’ Aussage so wichtig. Er verteidigt AAA nicht aus Eigeninteresse, sondern aus Überzeugung.

Die eigentliche Gefahr ist nicht, dass AA-Spiele erfolgreicher werden. Die Gefahr ist, dass Publisher aus Bequemlichkeit glauben, sie könnten auf Blockbuster verzichten. Das wäre kein Fortschritt, sondern ein kreativer Rückschritt.

Oder, um es weniger diplomatisch zu sagen: Eine Branche, die sich vor großen Ideen fürchtet, braucht sich über Stillstand nicht zu wundern.

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X8BL
30 Tage zuvor

Kommt darauf an. Man muss halt auch mal die Erwartungen an AAA deckeln, wenn keiner mehr hinterher kommt. Lieber Details & Auflösungen bei großen Projekten im Rahmen halten, damit Produktionskosten und Umsetzbarkeit auf Handhelds etc. gewährleistet ist und die Alternative nicht gleich Anime- oder Pixel-Games sein müssen.

Wenn man das AA nennt, bin ich damit einverstanden. Indie finde ich zu 90% furchtbar, AAA assoziiere ich immer mehr mit Abzocke und „Service“-Schrott. Tatsächlich machten mir Mid-Budget Single Player Games die letzten Jahre am meisten Spaß. Allerdings nicht von der Sorte Claire Dingens, mehr Yakuza, Kingdom Come, diverse Racer usw..

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