Sony scheint ein neues Geschäftsfeld für sich entdeckt zu haben: das emotionale Ausschlachten der eigenen Marken. In einer überraschenden Produktankündigung für den US-Markt hat man eine Reihe an Merchandise-Artikeln vorgestellt, die von niedlich bis bizarr reichen, und verdächtig stark nach dem beliebten Labubu-Trend riechen.
Ob die kleinen Figuren als Blind Boxes erscheinen, ist aktuell unklar. Bis das geklärt ist, bleibt der Vergleich mit dem Sammelhype nur ein vorsichtiger Hinweis: Sony setzt auf Mini-Figuren, Nostalgie und Sammlertrieb – alles Faktoren, die Labubu groß gemacht haben. Und ja … ich bin selbst reingefallen. Drei Figuren später weiß ich: der Hype funktioniert.
Neben einem neuen DualSense Controller als Icon Blue Special Edition sollen im Laufe des Jahres diverse Sammlerartikel erscheinen, darunter „detailed figural backpack clips celebrating fan-favorite PlayStation characters“. Übersetzt: kleine Figurenanhänger, die man an den Rucksack hängt, sammelt oder einfach in der Schublade verstauben lässt.
Sony hat die Faszination offenbar verstanden: Etwas Nostalgie, eine Prise Exklusivität und der subtile Gruppenzwang, das Set vollständig zu haben, – fertig ist die moderne Fan-Ausbeutung im hübschen Design.

Von Astro-Bot bis Twisted Metal
Neben den möglichen „PlayStation-Blind-Boxen“ bringt Sony weitere Fanartikel, die vor allem auf bekannte Marken setzen. Da wäre etwa eine Astro Bot Lunch Box, eine Sammlerbrotdose mit einem wechselnden Gesichtseffekt (lenticular), das Astro Bots Mimik verändert, wenn man sie bewegt. Niedlich, charmant und irgendwo zwischen nostalgischer Kindheitserinnerung und erwachsener Sammlerleidenschaft.
Etwas absurder wird es mit den Twisted Metal Meltz Figures: eine Serie übertriebener Figuren im Cartoon-Stil, inspiriert von Sonys chaotischer Actionreihe. Laut Beschreibung sind diese Teil der Culturefly-Meltz-Reihe, also eine Art Vinyl-Figuren, die grotesk überzeichnete Versionen bekannter Charaktere darstellen. Passend zum Ton des Franchises, aber definitiv Geschmackssache.
Dazu gesellen sich ein PlayStation Jersey, das sich zwischen E-Sport und Streetwear positioniert, sowie ein The Last of Us Ellie Mini Backpack, der Ellies ikonischem Rucksack nachempfunden ist. Ein Accessoire für alle, die beim Stadtbummel subtil signalisieren möchten: „Ich überlebe auch ohne Loot-Pilzbefall.“
Zwischen Fanliebe und Kalkül
Sony hat ein gutes Gespür für Trends, oder zumindest für das, was sich gut vermarkten lässt. Nachdem Astro Bot zuletzt mit seinem PS5-Abenteuer Sympathiepunkte gesammelt hat, nutzt man den Charakter nun, um Merchandise rund um das „PlayStation-Gefühl“ aufzubauen. Die Auswahl wirkt dabei wie ein Querschnitt durch die Markenidentität: niedlich, ikonisch, nostalgisch, aber auch maximal kommerziell.
Ob die Figuren nun tatsächlich als Blind Boxes erscheinen oder nicht, dürfte entscheidend sein, wie die Community reagiert. Denn während Labubu und Co. durch limitierte Auflagen und kreatives Design Kultstatus erreicht haben, gilt bei vielen Gamern: Wer Sammeltrieb und Glückspielmechanik vermischt, verspielt schnell Vertrauen.
Sony wandelt hier auf einem schmalen Grat zwischen cleverem Fanservice und durchschaubarer Cashcow-Strategie. Klar, es ist nett, wenn man ein Stück PlayStation-Geschichte am Rucksack tragen kann. Aber wenn daraus ein weiterer Sammlerzirkus wird, bei dem man 12 Boxen kaufen muss, um die gewünschte Figur zu ziehen, dürfte der Charme schnell verfliegen.
Noch gibt es keine Preise oder Release-Termine, aber die ersten Artikel sollen „später in diesem Jahr“ auf Walmart.com und in ausgewählten US-Stores erscheinen. Man darf gespannt sein, ob PlayStation damit tatsächlich den eigenen Labubu-Moment trifft oder einfach nur versucht, ein Stück vom längst gesättigten Sammlerkuchen abzubekommen.


