Fast zehn Jahre war es still um die Mafia-Reihe. Nach Mafia III und dem Remake von Mafia: Definitive Edition galt die Serie als abgeschlossen, oder zumindest als zu riskant für ein weiteres großes Projekt. Doch im Rahmen des aktuellen Finanzberichts von Take-Two wurde klar: Mafia: The Old Country war ein voller Erfolg, und das gleich in mehrfacher Hinsicht.
Im Earnings Call betonte CEO Strauss Zelnick, dass Mafia: The Old Country „weit über den internen Erwartungen“ abgeschnitten habe. Das Spiel habe gezeigt, dass das Publikum weiterhin starkes Interesse an klassischen, erzählerischen Premiumtiteln habe, die nicht auf Mikrotransaktionen oder Live-Service-Elemente setzen.
In einer Zeit, in der nahezu jedes große Studio auf Service-Games und anhaltende Monetarisierung schielt, klingt das fast schon wie eine kleine Rebellion – und sie kommt ausgerechnet von einem Studio, das viele schon abgeschrieben hatten.
Ein Studio mit Geschichte
Entwickler Hangar 13 hatte es in den letzten Jahren nicht leicht. Nach dem gemischt aufgenommenen Mafia III 2016 folgten interne Umstrukturierungen, Personalverluste und sogar eingestellte Projekte, etwa das ambitionierte, aber nie veröffentlichte „Volt“. Dass Zelnick nun öffentlich die Arbeit von Hangar 13 lobt, ist daher ein deutliches Signal: Das Studio hat seine Position innerhalb von 2K zurückerobert.
Zelnick sagte wörtlich: „Das Team von Hangar 13 wird auch weiterhin die Grenzen für cineastische Erlebnisse in dieser Serie und bei zukünftigen kreativen Projekten erweitern.“
Das klingt nicht nur nach Vertrauen, sondern auch nach einer möglichen Fortsetzung. Ob es sich dabei um einen DLC, ein Spin-off oder gar um den Start eines neuen Mafia-Zyklus handelt, ließ Take-Two offen. Klar ist aber, dass Mafia: The Old Country genügend Eindruck hinterlassen hat, um die Zukunft der Marke wieder offen erscheinen zu lassen.
Erfolg ohne Live-Service
Laut Take-Two gehörte Mafia: The Old Country (unser Review) im letzten Quartal zu den umsatzstärksten Veröffentlichungen, neben Schwergewichten wie NBA 2K26 oder Borderlands 4. Das ist bemerkenswert, weil Mafia keine typischen Einnahmequellen wie Battle Passes oder digitale Währungen bietet. Stattdessen setzt das Spiel auf einen kompletten Premiumverkauf, klassische Zusatzinhalte und ein starkes Story-Fundament.
CFO Lainie Goldstein bestätigte, dass das Spiel maßgeblich dazu beigetragen habe, dass Take-Two das beste zweite Quartal in der Unternehmensgeschichte erzielte. Gemeinsam mit den Mobile-Hits von Zynga und dem starken Start von NBA 2K26 war Mafia: The Old Country einer der wichtigsten Wachstumstreiber.
Ein Zeichen für die Branche
Dass ein Spiel wie Mafia: The Old Country im Jahr 2025 wirtschaftlich erfolgreich ist, hat Signalwirkung. Während viele Publisher riskante Story-Games als finanziell unsicher betrachten, zeigt Take-Two, dass Qualität, Setting und erzählerische Stärke auch heute noch zählen, und Käufer bereit sind, dafür zu zahlen.
Die Entscheidung, in Mafia erneut zu investieren, könnte sich langfristig doppelt auszahlen: als Beweis für den Wert traditioneller Singleplayer-Erfahrungen und als Plattform, um Hangar 13 wieder zu alter Stärke zu führen.
Zelnicks Betonung des „Value“-Aspekts ist dabei kein Zufall. Im Call sprach er davon, dass Mafia: The Old Country „überindiziert auf Wertigkeit“ sei, also mehr Inhalt, Qualität und Atmosphäre biete, als sein Preisschild vermuten lässt. Genau diese Haltung hat der Serie ihren Kultstatus eingebracht.
Für Take-Two ist der Erfolg von Mafia: The Old Country mehr als nur ein finanzielles Highlight. Er zeigt, dass die Balance zwischen Blockbuster-Serien wie GTA oder NBA 2K und erzählerischen Nischenmarken weiterhin funktioniert. Sollte Hangar 13 diese Dynamik halten können, dürfte die Reihe auch in Zukunft eine feste Größe im Portfolio bleiben.
Im Rückblick wirkt die Veröffentlichung wie eine Ansage, bei der gute Geschichten nicht aussterben, selbst dann nicht, wenn die Branche sie längst abgeschrieben hat.



Ein Mafia Teil in der Gegenwart hätte ich mir gewünscht.