Marathon: Art Director reagiert gelassen auf Concord-Vergleiche

Ex-Art Director Joseph Cross ordnet frühe Concord-Vergleiche zu Marathon ein, spricht über Verantwortung, Stolz auf die Optik und seinen Abschied von Bungie.

Niklas Bender
Niklas Bender ist Editor-in-Chief bei PlayFront.de und Spezialist für kritische Spieleanalysen und Meinungsformate. Seit 2023 prägt er die redaktionelle Kante des Magazins mit pointierten Kommentaren und...

Kurz vor dem geplanten Release von Marathon am 5. März steht Bungies Extraction-Shooter erneut im Fokus, dieses Mal wegen früherer Vergleiche mit Sonys gescheitertem Live-Service-Spiel Concord. Der ehemalige Art Director Joseph Cross reagiert darauf bemerkenswert nüchtern und trennt klar zwischen künstlerischer Verantwortung und spielerischem Endprodukt.

Cross, der bis Ende 2025 bei Bungie tätig war, machte in einem aktuellen Interview deutlich, dass ihn die Kritik an der Optik von Marathon persönlich kaum trifft. Sein Verantwortungsbereich war klar umrissen. Als Art Director habe er ausschließlich die visuelle Ausrichtung geprägt, nicht aber Gameplay-Design oder spielmechanische Entscheidungen. Eine Differenzierung, die im öffentlichen Diskurs oft verloren geht, gerade wenn Marketing-Trailer komplexe Projekte auf wenige Sekunden Bildsprache reduzieren.

Marathon und die Concord-Vergleiche

Die Vergleiche mit Concord kommen nicht von ungefähr. Beide Titel setzen auf eine auffällige, stark stilisierte Ästhetik, die bewusst vom realistischen Militärlook klassischer Shooter abrückt. Während Concord allerdings nie die kritische Masse erreichte und inzwischen als teures Lehrstück für gescheiterte Live-Service-Ambitionen gilt, positioniert Bungie Marathon klarer, nämlich als kompetitiven Extraction-Shooter mit eigenständigem Stil und klarer Zielgruppe. Optisch ist das mutig, spielerisch aber auf bekannte Genre-Mechaniken gestützt.

Cross betont außerdem, dass er hinter der künstlerischen Vision von Marathon steht, unabhängig davon, wie laut einzelne Stimmen im Netz werden. Ablehnung einzelner Designentscheidungen, politische Kontroversen rund um das Studio oder der jeweils aktuelle Aufreger der Social-Media-Woche seien Teil des Geschäfts. Was bleibt, sei die eigene Arbeit, und mit der zeigt sich Cross zufrieden. Eine Haltung, die man in einer Branche, die häufig zwischen Hype-Zyklen und Shitstorms pendelt, nicht oft genug betonen kann.

Wo Cross’ Job endete – und die Kritik begann

Interessant ist auch der Zeitpunkt seines Abschieds. Nach rund 15 Jahren bei Bungie, in denen Cross im Kern an nur zwei großen Marken – Destiny und Marathon – gearbeitet hat, zog er einen Schlussstrich. Nicht aus Frust, sondern aus beruflicher Selbstreflexion. Live-Service-Spiele folgen einem bekannten Rhythmus: Launch, Nachjustieren, langfristige Betreuung. Cross wusste, wie diese Phase aussieht, und entschied sich bewusst dagegen.

Marathon geht für Bungie ohne seinen prägenden Art Director in die heiße Phase. Für die Branche ist es ein weiteres Beispiel dafür, wie wichtig klare Rollenverteilungen sind, und wie schnell kreative Verantwortung pauschalisiert wird. Ob Marathon am Ende spielerisch überzeugt, wird der Markt entscheiden. Die visuelle Handschrift ist jedenfalls klar erkennbar, und genau das war Cross’ Job.

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