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TEST: Metal Gear Solid Delta: Snake Eater – Ein Remake zwischen Nostalgie und Neuinterpretation

Metal Gear Solid Delta: Snake Eater bringt das legendäre Abenteuer neu auf die PS5. Wir prüfen Story, Gameplay und Technik – und ob das Remake überzeugt.

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Patrick Held
Begleitet die PlayStation-Welt seit der ersten Stunde. Als Technikfan und Skeptiker liefert Patrick fundierte Analysen und unbequeme Wahrheiten zu Hardware und Software. Sein Fokus: Detailgenauigkeit statt...
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Review Overview

Manchmal braucht es einen zweiten Anlauf, um den Wert eines Spiels wirklich zu erkennen. Für mich war Metal Gear Solid 3: Snake Eater lange ein Titel, den ich immer mal wieder auf dem Schirm hatte, aber nie begonnen hatte zu spielen. Irgendetwas hielt mich stets davon ab, obwohl die Fachpresse schon damals in Lobeshymnen verfiel. Jetzt, fast zwei Jahrzehnte später, liefert Konami mit Metal Gear Solid Delta: Snake Eater ein Remake, das mir die Augen geöffnet hat: Ich habe eines der besten Spiele dieser Reihe schlicht zu lange ignoriert.

Der Fokus liegt auf Snake, noch nicht als Big Boss, sondern als junger Agent, der inmitten des Kalten Krieges zwischen Loyalität, Verrat und persönlichen Bindungen zerrieben wird. Seine Mission in der sowjetischen Wildnis bringt ihn nicht nur an seine körperlichen Grenzen, sondern zwingt ihn auch, seinen eigenen moralischen Kompass immer wieder neu zu justieren. Gerade die Beziehung zu seiner Mentorin The Boss und die Rivalität mit dem jungen Ocelot entfalten im Remake eine Intensität, die selbst ohne Vorkenntnisse funktioniert.

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Wer die Serie kennt, entdeckt viele subtile Anspielungen, die das größere Bild von Kojimas Saga abrunden. Wer neu einsteigt, erlebt eine eigenständige, fesselnde Spionagegeschichte, die sich auch ohne Vorwissen trägt. Genau hier liegt die Stärke: Snake Eater erzählt eine der zugänglichsten Geschichten der Reihe und schafft es, Figuren wie Big Boss und Ocelot nahbarer zu machen.

Gameplay zwischen Survival und Stealth

Das Remake bleibt dem Original treu, erweitert aber an den richtigen Stellen. Die Survival-Elemente – Verletzungen behandeln, Nahrung suchen, Tarnung anpassen – wirken anfangs sperrig. Plötzlich muss man nicht nur Kugeln ausweichen, sondern auch gebrochene Knochen schienen oder Blutungen stillen. Doch schnell wird klar: Das ist kein Selbstzweck, sondern Teil der Identität dieses Spiels.

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Besonders gelungen ist die neue, intuitive Steuerung für Tarnmuster. Wo man früher mühsam Menüs durchklicken musste, reicht jetzt ein Schnellzugriff. Gerade in brenzligen Momenten, wenn man zwischen Grasflächen, Betonwänden und Sümpfen wechselt, spart das entscheidende Sekunden. Das macht das System spürbar flüssiger, ohne seinen Reiz zu verlieren.

Die Bosskämpfe bilden nach wie vor das Herzstück. Ob der legendäre Scharfschütze „The End“ mit seinem Katz-und-Maus-Spiel über riesige Areale oder das emotionale Finale gegen The Boss – jeder Kampf zwingt zu einer eigenen Strategie. Wer Gegner nicht tödlich ausschaltet, erhält spezielle Tarnungen als Belohnung, was zum Experimentieren motiviert. Auffällig ist auch, wie variabel das Spiel auf unterschiedliche Spielweisen reagiert. Ob man unbemerkt durchschleicht oder mit schweren Waffen stürmt, Snake Eater erlaubt beides und bestraft keine der Entscheidungen.

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Mehr als nur das Hauptspiel

Konami hat nicht nur die Kampagne modernisiert, sondern auch Extras integriert, die man so nicht unbedingt erwartet hätte. Snake vs. Monkey kehrt zurück und bleibt eine charmante, absurde Kuriosität. Snake jagt Affen aus der Ape-Escape-Reihe, ein Crossover, das noch heute schmunzeln lässt.

Noch spannender ist die Neuauflage von Guy Savage, die im Original nur als versteckte Traumsequenz existierte. Hier hat Platinum Games einen vollwertigen Hack’n’Slash-Modus daraus gemacht, der mechanisch erstaunlich solide wirkt. Zwar endet das Ganze etwas abrupt, doch die Mühe, solch ein Extra überhaupt einzubauen, verdient Respekt. Remakes sind oft reine Nostalgieprojekte, aber hier zeigt sich, dass Konami und Virtuos mehr wagen wollten.

Technik zwischen Glanz und Rucklern

Optisch liefert Metal Gear Solid Delta: Snake Eater genau das, was man von einem Unreal-Engine-5-Remake erwartet: dichte Dschungel voller Details, filmreife Zwischensequenzen und Figurenmodelle, die den alten Polygon-Vorgängern Welten voraus sind. Besonders in den Close-ups während emotionaler Szenen spürt man die Wucht der Neuinszenierung.

Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Auf der PS5 traten während meines Tests kleinere Frame-Drops und vereinzeltes Texture-Pop-in auf. Sie zerstören das Erlebnis nicht, sind aber spürbar. Angesichts der gestiegenen Preise und Entwicklungszeiten sollte man erwarten, dass solche Probleme zum Release minimiert werden. Anmerkung: Inzwischen ist ein erster Patch erschienen, der sich den Performance-Problemen widmet.

Warum ist dieses Remake wichtig? Zum einen, weil Snake Eater erzählerisch einer der Eckpfeiler von Kojimas Gesamtwerk ist. Zum anderen, weil Konami nach Jahren der Unsicherheit beweisen musste, dass sie ihre legendären Marken mit Sorgfalt behandeln können. Metal Gear Solid Delta: Snake Eater zeigt: Ja, man kann Klassiker in die Gegenwart holen, ohne ihre Seele zu verraten.

Für Veteranen bietet das Remake neue Perspektiven und Extras, für Einsteiger eine zugängliche Möglichkeit, in die Reihe einzusteigen. Und es stellt eine spannende Frage: Wenn Delta so gut funktioniert, wagt Konami vielleicht auch Remakes anderer Serienklassiker? Metal Gear Solid 1 oder 2 in ähnlicher Qualität wären für viele Fans ein Traum.

Fazit

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N7Dan
9. September 2025 09:21

Insgesamt tolles Review zu einem inhaltlich ganz tollen Game!

MGS3 Snake Eater war zu Beginn der 2000er mein All-Time-Favorite wenn es um Stealth-Gameplay & audiovisuelle Inszenierung geht. Gut finde ich auch, dass im Test auf die technischen Defizite eingegangen und diese nicht konsequent ignoriert werden, auch, dass sich das auf die Endnote auswirkt. Für ein Erlebnis, vor allem ein Remake mit diesem Erbe sowie jenseits der 70€ Grenze ist eine tadellose Performance absolut verpflichtend & indiskutabel, wo der Entwickler in Folge scheitert.

Für die Zukunft erwarte ich Optimierung oder eine gehörige Senkung im Anschaffungspreis, was beides vermutlich nicht eintreten wird.

In jedem Fall toll, dass durch die Neuauflage das Erlebnis einer jüngeren Generation eröffnet wird & es noch andere Entwickler gibt, die mit den technischen Gegebenheiten umzugehen wissen, wie jüngst bewiesen mit Hell is Us & vermutlich das anstehende Silent Hill f.

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