Das Musik-Adventure „Mixtape“ wird permanent auf digitalen Vertriebsplattformen verfügbar bleiben, da das Entwicklerstudio Beethoven and Dinosaur die Musikrechte für den Soundtrack unbefristet erworben hat. Damit umgeht das Team das typische Schicksal lizenzlastiger Videospiele, die nach einigen Jahren wegen auslaufender Verträge aus den Stores entfernt werden.
Das ist im Gaming-Sektor eine absolute Ausnahme. Klassische Branchengrößen verschwanden in der Vergangenheit regelmäßig vom Markt, sobald die Verträge mit den Plattenlabels nach fünf oder zehn Jahren ausliefen. Für Käufer bedeutete das oft: Wer nicht rechtzeitig digital zugegriffen hatte, ging leer aus.
Der Song bestimmt das Gameplay
Die gesamte Produktion des Spiels ordnete sich von Beginn an der Musikauswahl unter. Creative Director Johnny Galvatron startete das Projekt mit dem Ziel, den Track „That’s Good“ von Devo in einem Spiel unterzubringen. Das Team entwickelte eine rudimentäre, spielbare Version des kompletten Titels – eine sogenannte horizontale Scheibe –, um das Pacing der lizenzierten Songs vorab präzise zu testen. Die Spielmechaniken wurden gezielt um die Musik herumgebaut, um den mentalen Zustand der Charaktere mit der Dynamik der Tracks zu verknüpfen.
Die Akquise der Lizenzen verlief laut Entwicklerstudio extrem erfolgreich, lediglich die Verhandlungen um einen Titel von Pink Floyd scheiterten an utopischen Rahmenbedingungen. Renommierte Künstler ließen sich vor allem durch die authentische Einbindung ihrer Werke im Spiel überzeugen. Wenn im Spiel eine Figur den Bildschirm dreht und sagt, dass die Smashing Pumpkins verdammt gut sind, reicht das als Argument für Musiker wie Billy Corgan.
Perspektivwechsel vom Musiker zum Fan
Im Vergleich zum Vorgänger „The Artful Escape“, der das Leben und die Identitätsfindung eines Musikers behandelte, wechselt „Mixtape“ die Perspektive hin zum Musikhörer. Es thematisiert, wie Soundtracks bestimmte Lebensabschnitte und Erinnerungen prägen. Das Spiel versteht sich als Absage an die moderne ironische Distanz und fordert den Spieler dazu auf, sich wieder leidenschaftlich in Themen zu vergraben.
Für Spieler ist dieser Schritt ein absoluter Glücksfall. „Mixtape“ kann auch in zehn Jahren noch regulär im Steam-Store, im Xbox Marketplace oder im PlayStation Store erworben werden. Es wird keine nachträglichen Patches geben, die mühsam nachträglich lizenzierte Songs durch generische Platzhalter-Musik ersetzen oder die Tonspur komplett stummschalten. Der Titel bleibt in seiner ursprünglichen künstlerischen Intention dauerhaft erhalten.
Die unbefristete Lizenzierung von Musiktiteln sollte Schule machen. Beethoven and Dinosaur beweist, dass digitaler Denkmalschutz im Indie-Bereich durch finanzielle Mehraufwände bei den Verhandlungen möglich ist. Spieler erhalten ein unbeschnittenes Kunstwerk, das die Zeit überdauert.
Wer sich sein übrigens eigenes Mixtape zusammenstellen möchte, findet auf der Homepage ein cooles Feature, das an die legendäre Zeit des Walkmans erinnert.