Nintendo kassiert herben Rückschlag im Palworld-Streit

Das japanische Patentamt zweifelt Nintendos „Monster Capture“-Patente an. Nach Einspruch durch Dritte wie Pocketpair steht der Palworld-Streit auf wackeligen Beinen.

Mark Tomson
Als Inhaber und Managing Director von PlayFront.de prägt Mark Tomson die Vision einer unabhängigen Berichterstattung über die Welt von PlayStation. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf technischen...

Nintendo hat im laufenden Rechtsstreit gegen Palworld-Entwickler Pocketpair einen herben Dämpfer erlitten. Das japanische Patentamt (JPO) hat eine zentrale Anmeldung des Konzerns vorläufig abgelehnt, und das mit einer Begründung, die es in sich hat: Die angeblich neue Technik rund um das Einfangen von Kreaturen sei nicht erfinderisch genug, da ähnliche Mechaniken längst in anderen Spielen existieren.

Die Entscheidung betrifft die Anmeldung Nr. 2024-031879, die eng mit zwei bereits laufenden Patenten verknüpft ist, die Nintendo direkt gegen Pocketpair einsetzt. Laut Prüfungsbericht hat das JPO nach einem Hinweis durch eine Drittpartei – mutmaßlich Pocketpair selbst – mehrere ältere Spiele als sogenannte Prior Art anerkannt.

Darunter finden sich ARK: Survival Evolved, Monster Hunter 4, Craftopia, Kantai Collection und sogar Pokémon GO. Alle diese Titel seien vor Nintendos Prioritätsdatum von Dezember 2021 erschienen und würden ähnliche Gameplay-Konzepte enthalten.

Palworld könnte sich im Patentstreit behaupten

Damit steht nicht nur ein einzelnes Patent auf der Kippe, sondern Nintendos gesamte „Monster Capture“-Strategie. Diese wurde nach dem Erfolg von Palworld im Frühjahr 2024 auffällig schnell ausgebaut – offenbar, um sich rechtlich gegen Pocketpair abzusichern. Doch das JPO sieht nun erhebliche Zweifel an der Neuheit des Konzepts.

Nintendo hat zwei Optionen: Die umstrittene Anmeldung fallen lassen oder sie mit abgeänderten Ansprüchen erneut einreichen. Wahrscheinlicher ist letzteres, gefolgt von einer möglichen Berufung vor dem japanischen Intellectual Property High Court. Insider sprechen jedoch von einem „endless loop“ – einem endlosen Kreislauf aus Prüfungen, Änderungen und Widersprüchen.

Auch wenn die Entscheidung des JPO keine direkte Auswirkung auf das laufende Verfahren in Tokio hat, dürfte sie dort kaum unbeachtet bleiben. Richter achten zwar auf rechtliche Argumente, haben aber oft Respekt vor technischen Einschätzungen von Patentprüfern. Pocketpair könnte versuchen, das Gericht gezielt auf diese Entwicklung hinzuweisen, was den Druck auf Nintendo weiter erhöht.

Hinzu kommt, dass bereits ein weiteres Patent aus derselben Familie während des laufenden Prozesses geändert werden musste. Ein weiteres Indiz dafür, dass Nintendos rechtliche Grundlage wackelt.

Ein Signal für die Spielebranche

Der Fall zeigt, wie wichtig es geworden ist, Patentämter aktiv mit Prior Art zu versorgen. Denn je mehr sich große Publisher über vermeintlich „neue“ Gameplay-Ideen absichern wollen, desto eher müssen kleinere Studios dagegenhalten. Palworld könnte am Ende nicht nur einen Rechtsstreit gewinnen, sondern auch ein Zeichen setzen, gegen überzogene Schutzansprüche in der Spielewelt.

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Sarty Lokison
2 Monate zuvor

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