Nioh 3: Der Ninja-Stil bricht die heiligste Regel des Souls-Genres

Nioh 3 revolutioniert das Kampfsystem. Erfahre alles über das Dual-Style-System, die neue Mist-Mechanik und warum der Ninja-Stil das Spieltempo verdoppelt.

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Mark Tomson
Als Inhaber und Managing Director von PlayFront.de prägt Mark Tomson die Vision einer unabhängigen Berichterstattung über die Welt von PlayStation. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf technischen...

„Nioh 3“ ist kein Sequel. Es ist eine Kampfansage an die eigene Vergangenheit. Es markiert den radikalsten mechanischen Umbruch der Seriengeschichte, auch wenn Team NINJA mit RPGs und Horrorspielen in der Vergangenheit bereits größere Genre-Sprünge gewagt hat. Während die Vorgänger ein System aus drei Haltungen und dem Ki-Puls nutzten, bricht der dritte Teil diese Statik auf. In diesem Special erkläre ich, welchen Einfluss dies auf das dynamische Kampfsystem hat.

Die Dualität der Systeme: Eine mechanische Zäsur

Der Kern der Neuerung liegt im „Dual-Style-System“. Wir wählen nicht mehr nur eine Waffe, sondern definieren unsere Identität über den aktiven Kampfstil. Der Samurai-Stil bleibt das vertraute Fundament. Er ist reaktiv, defensiv stabil und setzt auf das Brechen der gegnerischen Haltung. Hier regiert das Gesetz des Ki-Pulses. Wer den Rhythmus beherrscht, behält die Initiative.

Der Ninja-Stil hingegen ist eine Absage an diese Trägheit. Er streicht das Haltungssystem komplett. Ein Ninja in „Nioh 3“ kennt kein „Oben“ oder „Unten“ in der Deckung. Er operiert in einem Zustand permanenter Aggression und Mobilität. Dieser Stil transformiert das Spiel in einen Hochgeschwindigkeits-Titel. Die Dynamik verschiebt sich weg vom Verwalten einer Ausdauerleiste hin zum Management von Bewegungsfluss und Positionierung.

Das Ende des Ki-Pulses: Die Mist-Mechanik

Die signifikanteste Änderung für den Ninja-Stil ist der Wegfall des klassischen Ki-Pulses. An seine Stelle tritt die „Mist“-Aktion. Während der Samurai nach einem Schlag kurz verharrt, um Ausdauer zu regenerieren, nutzt der Ninja das Zeitfenster nach einem Treffer für einen Teleport-ähnlichen Dash. Dieser „Mist-Shift“ ist jedoch kein Gratis-Move. Es ist ein Ki-System-Loop. Er verbraucht Ressourcen, ermöglicht aber bei perfektem Timing eine kontinuierliche Offensive.

Es entsteht ein Kreislauf: Angreifen, in den Nebel verschwinden, hinter dem Gegner auftauchen, weiter angreifen. Der Ninja tanzt durch die Hitboxen der Feinde. Das macht den Kampf unvorhersehbarer. Stillstand führt im Ninja-Modus zum sofortigen Kollaps der Verteidigung. Die Block-Effektivität ist massiv reduziert. Wer hier pennt, liegt sofort im Dreck.

Vertikalität und der Footstool Jump

Mit dem Ninja-Stil hält Vertikalität Einzug. Der „Footstool Jump“ erlaubt es uns, uns aktiv von Gegnern abzustoßen. Das destabilisiert das gegnerische Ki und eröffnet Luft-Kombos. Bei Colossal Yokai stößt das System jedoch an Grenzen. Viele dieser Ungetüme sind zu groß oder zu unförmig für diesen Move. Oft lässt sich schlicht kein Kopf für den Absprung ausmachen.

Ninjutsu-Werkzeuge wie Kunai oder Rauchbomben sind in diese Luftmanöver integriert. Ein Ninja kann in der Luft Projektile werfen, um die Hangtime zu verlängern. Doch Vorsicht: Der Raum über dem Gegner ist der gefährlichste Ort des Schlachtfelds. In der Luft fehlen fast alle Optionen zur Verteidigung. Timing ist alles. Wer es versemmelt, stirbt.

Ressourcensynergie: Von Passivität zu Aktivität

In „Nioh 3“ ist Ninjutsu eine regenerative Ressource. Sowohl der Ninja- als auch der Samurai-Stil verfügen über eine „Arts-Gauge“. Diese füllt sich primär durch Aktionen, die direkten Schaden verursachen. Erfolgreiche Ausweichmanöver im Mist-Modus unterstützen diesen Aufbau nur sekundär. Das zwingt uns in den Nahkampf.

Passive Fernkampf-Builds existieren zwar weiterhin, sind aber nicht mehr so prominent wie in den Vorgängern. Wer mächtige Ninjutsu-Fähigkeiten wie die neuen Elementar-Siegel nutzen will, muss riskant spielen. Die Werkzeuge sind Belohnungen für mechanisches Spiel im direkten Kontakt mit dem Yokai. Skill wird belohnt.

Der Impact auf die Game-Experience

Der entscheidende Faktor ist der „Style Shift“ via R2-Trigger. Profis parieren im Samurai-Stil, brechen die Haltung des Gegners und wechseln mitten in der Animation in den Ninja-Stil für eine Treffer-Serie. Das Spiel fühlt sich wie eine Kampfchoreografie an. Die Lernkurve ist steil. Wir müssen zwei vollkommen unterschiedliche Steuerungsschemata beherrschen.

Das Grundtempo der Bewegungen ist identisch mit dem des Samurai. Der Rhythmus ist jedoch völlig anders. Der Ninja-Stil streicht die Pausen. Während der Samurai-Kampf einem kurzen Sprint gleicht, absolviert der Ninja einen Marathon ohne Unterbrechung. Das Tempo wird dadurch schneller wahrgenommen, ohne die taktische Tiefe zu opfern. Das wird hart, aber gut.

Alles Weitere zu „Nioh 3“ erfahrt ihr in unserem Review zum Spiel.

Co-Writer: Dennis Giebert

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