Nur noch ein Gaming-Standard? Die unbequeme Idee hinter PlayStation, Xbox und Nintendo

Ex-PlayStation-Chef Shawn Layden fordert ein Umdenken: PlayStation, Xbox und Nintendo stecken im Wachstums-Limit. Ein Einheitsformat als Ausweg?

Mark Tomson
Als Inhaber und Managing Director von PlayFront.de prägt Mark Tomson die Vision einer unabhängigen Berichterstattung über die Welt von PlayStation. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf technischen...

Die Spielebranche redet gern über Rekorde: 250 Milliarden Dollar Umsatz, Hunderte Millionen Spieler weltweit. Klingt nach grenzenlosem Wachstum. Shawn Layden, ehemaliger PlayStation-Chef, hat diese Erzählung jetzt nüchtern eingefangen, und entzaubert.

In einem aktuellen Interview sagt er offen, dass die Zahl der verkauften Konsolen seit Generationen stagniert. Rund 250 Millionen Geräte pro Zyklus. Mal mehr, mal weniger. Aber kein echter Durchbruch. Der Wii-Boom war lediglich Ausnahme, nicht die Regel. Ein kurzer Ausreißer, weil plötzlich auch Menschen zur Konsole griffen, die sonst nie gezockt hätten.

Nachhaltig war das dies dennoch nicht und seitdem herrscht Stillstand. Für Layden ist klar, dass PlayStation, Xbox und Nintendo an einer strukturellen Grenze hängen.

PlayStation, Xbox und die Lehren aus VHS und Blu-ray

Laydens Vergleich ist technisch wie historisch sauber: Betamax verlor nicht wegen schlechter Qualität, sondern weil VHS sein Format lizenzierte. Das führte zu mehr Herstellern, mehr Geräten und mehr Reichweite. Später lief es bei CD, DVD und Blu-ray genauso. Ein einheitlicher Standard, Wettbewerb über Hardware, Preis und Features, und nicht über inkompatible Formate.

Übertragen auf Games heißt das: Solange jede Konsole ihr eigenes Ökosystem verteidigt, bleibt der Markt begrenzt. Wer sich heute für PlayStation, Xbox oder Nintendo entscheidet, schließt automatisch andere Plattformen aus. Für neue Zielgruppen ist das eine unnötige Einstiegshürde.

Der PC als gemeinsame Basis?

Laydens Gedanke eines Gaming-Konsortiums wirkt radikal, ist aber logisch. Ein gemeinsames technisches Fundament, lizenziert für verschiedene Hersteller. Im Kern eher PC als klassische Konsole, eventuell auf Linux-Basis. Dies resultiere in unterschiedlichen Geräten, aber auf gleichem Standard. Wie bei Blu-ray-Playern, wo gleiche Discs, andere Qualität und andere Preise den Markt bestimmten.

Microsoft bewegt sich faktisch schon in diese Richtung. Xbox will überall sein – auf PC, Konsole, Cloud, Mobile. Sony öffnet sich zögerlich, aber sichtbar: PlayStation-Spiele auf PC, teils sogar auf Xbox. Helldivers 2 ist das prominenteste Beispiel. Nintendo bleibt in dieser Aufzählung der einzige große Hersteller, der konsequent exklusiv denkt, und damit bewusst Reichweite gegen Kontrolle tauscht.

Logisch, aber politisch fast unmöglich

Technisch ist Laydens Idee schlüssig, und wirtschaftlich ebenfalls. Ein einheitliches Gaming-Format könnte tatsächlich neue Nutzer erschließen. Aber realistisch ist dieser Ansatz kaum, jedenfalls nicht kurzfristig. Hier herrschen noch zu viel Macht und zu viele Abhängigkeiten, sowie die Angst vor Kontrollverlust, vorrangig bei PlayStation und Nintendo.

Langfristig aber wird genau diese Frage wiederkommen. Denn wenn PlayStation, Xbox und Nintendo weiter im gleichen Kreis laufen, bleibt der Markt groß, wird aber nicht größer. Und Wachstum ist in dieser Branche kein Bonus, sondern Überlebensbedingung.

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Stephan Dümont
1 Monat zuvor

Ich wette,das ein Nintendospiel,das den Namen Mario im Titel trägt,auch in 100Jahren niemals auf einer PlayStation oder einer Xbox erscheinen wird. Dafür ist Nintendo gerade in Asien einfach zu Omnipräsent. Es gab/gibt keine Konsole von der Konkurrenz,die mit den Stückzahlen einer Switch mithalten kann 😉😉🍀🍀👍👍

Daniel Scheitler
1 Monat zuvor

Auf Basis von Linux, so sein Wunsch, ist schonmal nicht so toll, den dann funktionieren wie bei SteamOS (basiert auf Linux) viele Spiele die Anti-Cheat haben (wie z.B. die beliebten Spiele Fortnite, Battlefield) leider nicht bzw. man müsste dafür wieder Lösungen suchen/finden/inplementieren.

Mark Tepper
1 Monat zuvor

Daniel Scheitler Sowohl die PS5 als auch die Switch basieren auf Linux.

Daniel Scheitler
1 Monat zuvor
Reply to  Mark Tepper

Mark Tepper Nicht ganz, die PS5 basiert auf FreeBSD, was wie Linux auf Unix basiert, aber trotzdem viele Unterschiede hat.

Das gleiche gilt für die Switch, auch sie basiert auf einen modifizierten FreeBSD, also auch nicht Linux.

Beide bauen auf Unix auf, haben aber trotzdem sonst wenig mit Linux zu tun 😉

Mark Tepper
1 Monat zuvor
Reply to  Mark Tepper

Daniel Scheitler Das stimmt zwar, dennoch negiert es deine ursprüngliche Aussage.

Crydog
1 Monat zuvor

Dann müssten die Entwickler einfach ihre Software anpassen wer cheaten will der wird immer ein weg finden egal ob windows,linux oder Konsole os

Marvin Seitz
1 Monat zuvor

Lachhaft ps5 ist doch mitten in ihrer Prime

Sandro Duryn
1 Monat zuvor
Reply to  Marvin Seitz

Marvin Seitz im Gegensatz zur PS3 und 4, istem die PS5 noch lange nicht in ihrer „Prime“😅.
Da war die PSP besser mit Spielen versorgt worden (Remaster und co. Zählen da nicht ☝️).

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