PC hängt Konsolen ab: Capcom-Bericht zeigt, warum die Zukunft den Keyboard-Kriegern gehört

Der Gaming-Markt stagniert seit 2024. Capcom erwartet Wachstum erst 2026 durch neue Hardware und starken PC-Anteil. Risiken bleiben hoch.

Mark Tomson
Als Inhaber und Managing Director von PlayFront.de prägt Mark Tomson die Vision einer unabhängigen Berichterstattung über die Welt von PlayStation. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf technischen...

Der weltweite Gaming-Markt wächst, aber kaum auf Konsolen. Laut Capcoms aktuellem Geschäftsbericht bewegte sich das Marktvolumen aus Konsolen- und PC-Spielen im Jahr 2024 bei 82,4 Milliarden Dollar, ein minimales Plus von 0,66 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Praktisch Stagnation.

Die Gründe dafür liegen für Capcom klar auf der Hand: Der Konsolenmarkt steckt bereits in der nächsten Übergangsphase, während der PC-Sektor längst zum Wachstumsmotor geworden ist. Erst in diesem Jahr erwartet man einen geringen Aufwärtstrend.

PC-Anteil fast auf Augenhöhe mit Konsolen

Besonders interessant ist, dass der PC-Markt inzwischen 47 Prozent des gesamten Consumer-Segments ausmacht. Damit hat sich die Plattform, die lange als Enthusiastenmarkt gesehen wurde, faktisch gleichberechtigt neben PlayStation, Xbox und Switch positioniert. Capcom sieht im PC stabile Nachfrage und konstantes Wachstum, etwas, das dem Konsolenmarkt aktuell fehlt. Die kommende Steam Machine von Valve dürfte den nächsten Boost in diesem Segment auslösen.

Denn der Markt wartet auf neue Hardware. Die Release-Vorbereitungen für kommende Konsolengeneration – ob PS6 oder der nächste Xbox-Zyklus – führen dazu, dass sich Spieler zurückhalten. Investiert wird erst wieder, wenn klar ist, welche Plattform den nächsten technischen Sprung definiert.

Neue Konsolen, neues Wachstum

Für das kommende Jahr sagt Capcom eine deutliche Steigerung des Gesamtmarktes auf 85,8 Milliarden Dollar voraus. Der Grund ist eindeutig: Neue Hardware sorgt traditionell für erhöhte Kaufbereitschaft, sowohl bei Spielen als auch bei Geräten. Parallel dazu wächst der PC-Sektor weiter, besonders in Asien und anderen aufstrebenden Regionen, wo digitale Distribution günstiger und bequemer ist.

Generell erwartet Capcom bis 2027 einen Anstieg auf 93,7 Milliarden Dollar allein im Segment „Konsole und digitale Inhalte“. Wachstum soll vor allem durch die Erschließung des Casual-Marktes kommen, einem Bereich, in dem Nutzer besonders preissensibel sind und wenig Markenloyalität zeigen. Ein schwieriges, aber extrem großes Publikum.

Kostenexplosion, IP-Abnutzung und regulatorische Gefahren

Trotz der positiven Aussichten spart Capcom nicht mit klaren Warnungen. Laut dem Bericht wird die Entwicklung von Spielen weiter teurer, der technische Anspruch steigt, und neue Plattformen verlängern Entwicklungszyklen zusätzlich. Für Publisher bedeutet dies mehr Risiken und ein noch stärkerer Fokus auf etablierte Marken.

Capcom nennt selbst die Gefahr der IP-Sättigung. Zu viele Sequels könnten den Markenwert langfristig schwächen, gerade bei langlebigen Serien wie Resident Evil oder Monster Hunter. Gleichzeitig sieht der Publisher wachsende Risiken durch neue Gesetze, Mikrotransaktions-Regulierungen und kulturelle Vorgaben in internationalen Märkten.

Auch der zunehmende Einsatz von KI wird als zweischneidiges Schwert genannt: Einerseits effizient, andererseits riskant durch mögliche Copyright-Probleme und Brand-Damage.

Mobile bleibt unsicher – aber riesig

Im Bereich Consumer + PC (ca. 100 Milliarden Dollar) dominiert weiterhin der Casual-Markt, inklusive Mobile. Doch Capcom betont, dass dieser Sektor volatil ist: Hohe Preissensitivität, geringe Markentreue, starker Wettbewerb. Stabil langfristig sind nur wenige Titel. Dass Smartphones weiterhin Wachstumstreiber bleiben, ist für Capcom keine Garantie, sondern eher eine Herausforderung.

Capcoms Bericht liefert einen ungewöhnlich klaren Lageüberblick: 2024 war ein Stillstandsjahr, geprägt von Hardware-Wartezeiten und steigenden Entwicklungskosten. 2025 und das kommende Jahr werden dagegen zu einem Schlüsseljahr, in denen neue Plattformen, mehr PC-Dynamik und globale Expansion frische Impulse setzen sollen. Für Publisher bleibt der Markt lukrativ, aber fragiler denn je.

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