PS5 – Ein kleines Zwischenfazit nach 3 Monaten

Die PlayStation 5 ist heute genau 3 Monate auf dem Markt – Zeit ein weiteres Zwischenfazit zu ziehen, denn der Launch war im Großen und Ganzen OK, aber nicht perfekt. Das hat sich inzwischen deutlich positiver gewandelt, denn neben einer größeren Auswahl an Spielen wurden auch die gröbsten Fehler beseitigt. Lohnt sich damit der Kauf?

Gut, die Frage mag weiterhin etwas fehl am Platz sein, denn die PS5 ist nach wie vor nur sehr schwer zu bekommen. Die Produktions- und Lieferprobleme sind nur allzu offensichtlich und es bedarf einer gehörigen Portion Glück, um eine der begehrten Konsolen abzubekommen. Das wird sich auch in den kommenden Monaten wohl kaum ändern.

Wer allerdings schon eine PS5 besitzt, kann inzwischen auf eine beträchtliche Auswahl an Spielen zurückgreifen – oftmals zwar noch Cross-Gen und hinter den Möglichkeiten der Hardware, gewisses Next-Gen Feeling ist aber bereits zu spüren.

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Von London aus um die Welt

Die gefühlt meiste Zeit hab ich persönlich mit Watch Dogs Legion (unser Review) und HITMAN 3 (unser Review) verbracht, für mich die derzeit absoluten Vorzeigetitel auf der PS5. Dabei geht es nicht nur um pornöse High-End Grafik, sondern um die Erfahrung im Ganzen, die so tatsächlich nur mit dieser Hardware möglich ist. Es macht eben doch einen Unterschied aus, ob man ewig im Ladebildschirm hängt oder sofort wieder ins Spiel springen kann. Das zeigt sich jüngst auch an Destruction AllStars! von Lucid Games, das eine derartig smoothe Dynamik aufweist, das man den Controller gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. 

Aber auch Last-Gen-Titel wie God of War, die jüngst noch einmal einen kleinen PS5 Boost erhalten haben, machen eine wirklich gute Figur. Das Spiel an sich hat zwar nach wie vor wenig mit einem echten God of War zu tun, aus technischer Sicht (4K / 60fps) ist es aber auch nach drei Jahren noch ein exzellenter Titel, der auf PS5 noch mehr Spaß macht und sich noch besser anfühlt. Hier zeigt sich, dass selbst Last-Gen Titel ohne eine Remaster-Auflage noch einmal eine neue Chance bekommen können.

Natürlich freut man sich immer über exklusive Features wie Raytracing, die auf der PS4 kaum machbar sind, und auch die Activities konnte ich inzwischen sinnvoll nutzen, vor allem bei HITMAN 3. Viel mehr verpasst man im Moment jedoch noch nicht. Das zeigen auch diverse Performance-Tests unterschiedlichster Spiele, die sich meist nur gering in Auflösung oder Framerate unterscheiden. Der versprochen große Wurf oder insgeheime Wunsch, dass alle Spiele mindestens in 4K bei 60fps laufen, davon ist die PS5 noch weit entfernt. Ob sich dies mit mehr Optimierung und einem reinen Fokus auf PS5 only Titel ändert, bleibt weiterhin abzuwarten.

watch dogs ps5

Enttäuschender ist da schon der Blick auf ein ausschließliches Next-Gen Line-Up, auf das man weiterhin geduldig warten muss. Das erste Halbjahr sieht diesbezüglich ziemlich dünn aus, denn nach wie vor erscheinen viele Spiele als Cross-Gen. Hier muss man allerdings auch die Publisher in Schutz nehmen, denn ohne genügend Konsolen am Markt, wird es mit erfolgreichen Spieleabätzen eher schwierig. Spontan fallen einem mit Returnal und Ratchet & Clank eigentlich nur zwei Titel ein, die zeitnah und ausschließlich für PS5 erscheinen. Sony dürfte sich dieser Situation durchaus bewusst sein, steht aber auch ziemlich hilflos da, wenn es bei der Produktion der PS5 hängt. Insgesamt eine eher ungünstige Situation, die die wahre Next-Gen ausbremst. Stellt sich die Frage, ob eine Verschiebung in Absprache mit Microsoft nicht doch eine sinnvolle Option gewesen wäre?

Man freundet sich langsam an

Mit der Hardware selbst konnte ich mich inzwischen ganz gut anfreunden, wenn man es aus ästhetischer Sicht nimmt. Das radikale Design der PS5 verleitete sicher zum übertriebenen Meckern, und so recht passen will es immer noch nicht, aber wie in einer Ehe lebt man irgendwann einfach damit oder ignoriert es einfach.

Letztendlich kommt es darauf an, dass die PS5 ihren Job macht, und in der Hinsicht gibt es seit dem Launch nichts auszusetzen. Man liest ja immer, dass einige warten wollen, bis die Kinderkrankheiten beseitigt sind. Diese gab es anfänglich tatsächlich, wurden aber softwareseitig weitestgehend behoben. Keinerlei Abstürze mehr, flüsterleise und in Teilen auch der Konkurrenz überlegen. Die unzähligen Diskussionen über die reinen Hardwaredaten rücken zunehmend in den Hintergrund und sowohl die PS5 als auch die Xbox Series liefern das, was die Spieler erwarten. Kleinliche Pixelzählerei ist damit fehl am Platz.

Minuspunkte gibt es für Sony noch immer dafür, dass man längst versprochene Features weiterhin zurückhält. Weder Variable Refresh Rate (VRR) noch Auto-Low-Latency-Mode (ALLM) wurden bisher umgesetzt. Meine Vermutung: Sony wartet, bis zumindest die eigenen 2021er Bravia TVs verfügbar sind oder das entsprechende Update für die Vorjahresmodelle ausgeliefert wird. Es ist jetzt nicht so, dass man ohne nicht leben kann, trotzdem irgendwie ernüchternd, da die Xbox Series beides seit dem Launch bietet.

Auch in Sachen Zusatzspeicher hängt Sony meilenweit hinterher, zu welchem man sich bisher gar nicht mehr geäußert hat. Bislang komme ich mit den verfügbaren 685GB zwar sehr gut hin, da viele PS5 Spiele kleiner ausfallen als ihr PS4 Pendant, dass man die Spieler aber praktisch in Geiselhaft nimmt und eigene externe Speicher per Software sperrt, ist alles andere als ‘For the Players’.

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Killer-Feature verblasst

An die Geheimwaffe der PS5, den DualSense Controller, hat man sich auch ziemlich schnell gewöhnt, so sehr, dass Features wie das haptische Feedback und die adaptiven Trigger etwas verblassen. Sorgten diese anfangs für pure Begeisterung, sind es inzwischen nur noch die adaptiven Trigger, die man hier und da wahrnimmt. Dem haptischen Feedback scheint es an den nötigen Nuancen zu fehlen, denn nach einer gewissen Zeit ist es nur noch ein gewöhnliches Rumble-Feature. Bleibt abzuwarten, ob man das Potenzial hier weiter ausspielen kann oder das Feature in Vergessenheit gerät, so wie das Touchpad, das bislang wenig bis gar keine Aufmerksamkeit von den Entwicklern erhalten hat. Zwar reden die Entwickler viel und gerne darüber, am Ende scheint davon aber nur wenig beim User anzukommen, so zumindest das Gefühl.

“Von anfänglicher Begeisterung über gewisse Ernüchterung kann man sich mit der PS5 aktuell nur eher langfristig anfreunden. Es fehlt hauptsächlich an wirklich überzeugenden Spielen, die die Hardware auch tatsächlich nutzen. Momentan lassen sich diese an einer Hand abzählen, regelmäßiger Nachschub wäre daher toll. Man darf es nicht falsch verstehen, es macht mehr Spaß auf der PS5 als auf der Last-Gen zu spielen und man freut sich über jedes kleine Next-Gen Feature. Man sitzt nun aber auch keine 24 Stunden davor wie vor einem Altar. So langsam kommt man nämlich wieder in der Realität an und muss feststellen, wie viel Potenzial noch liegen gelassen wird. Die Hardware an sich überzeugt, mehr Next-Gen Inhalte und das ein oder andere Feature müssen nun aber langsam mal kommen, damit die neue Generation auch wirklich durchstarten kann. Es ist ein gewisser Teufelskreis, denn wo Hardware fehlt, werden auch Spiele zurückgehalten. Erst wenn dieser Punkt einmal überwunden sein wird, was durchaus noch Monate dauern kann, wird auch die PS5 zeigen können, wofür die neue Generation steht. Nach 3 Monaten also noch immer eher ein Nice-to-have anstatt Must-Have!”