Sony kommuniziert seit dem Launch der PS5 Pro ein klares Versprechen: mehr Leistung, bessere Bildqualität und vor allem ein KI-gestütztes Upscaling durch PSSR. Jetzt heißt es offiziell, dass über 50 Titel die Technologie nutzen, also maximal 59, sonst würde man 60 sagen. Klingt stark im PR-Statement, wirkt aber nüchtern betrachtet eher wie eine Statusmeldung als eine Revolution.
Die Konsole ist seit dem 7. November 2024 auf dem Markt. Wir sprechen also über rund 15 Monate Laufzeit. In dieser Zeit 50 optimierte Spiele zu erreichen, bedeutet rechnerisch drei bis vier Releases pro Monat. Das ist kein Totalausfall, aber auch kein dominanter Marktstandard, der uns hier versprochen wurde. Wenn man sich anschaut, wie viele Spiele allein 2025 für die PS5 erschienen sind, wird klar: Nur ein Bruchteil dieser Releases profitiert von PSSR.
Viele dieser 50 Titel gehören zu den technisch ambitionierten Produktionen mit hohen Budgetstrukturen. Genau dort macht KI-Upscaling Sinn, weil Shader-Last, Raytracing und dynamische Auflösungen an ihre Grenzen stoßen. Trotzdem bleibt ein unangenehmer Eindruck: PSSR wird wie ein optionaler Patch behandelt, nicht wie ein systemweites Feature, wie ursprünglich nach außen hin angedeutet.
Der enthusiastische User kennt diese typischen Sessions nach Feierabend. 50 GB-Update geladen, Konsole läuft heiß, Controller klebt von der Energy-Drink-Dose, während er die Einstellungen prüft, ob „PSSR aktiviert“ wirklich einen sichtbaren Unterschied bringt. Meine bessere Hälfte würde kopfschüttelnd auf den Bildschirm schauen und sich fragen, warum das Spiel ohne Patch nicht einfach gut aussieht. Genau da liegt der Kern des Problems: Marketing verkauft Technik als Selbstläufer, die Realität fühlt sich oft wie Konfigurationsarbeit an.
PSSR 2.0 als technischer Neustart oder nur Schadensbegrenzung?
Mit dem Upgrade auf PSSR 2.0 versucht Sony offensichtlich, zwei Schwächen zu adressieren: Artefakte bei Bewegung und die relativ aufwendige Integration für Entwickler. Laut offiziellen Aussagen soll die neue Version besser in bestehende Pipelines eingebunden werden können.
Das klingt nach einem pragmatischen Schritt. Denn der größte Hemmschuh für eine breitere Nutzung ist nicht die Hardware, sondern der Entwicklungsaufwand. Studios müssen Zeit investieren, Testläufe durchführen und QA-Ressourcen bereitstellen. In einer Industrie, die ohnehin unter Zeitdruck steht, wird ein optionales Feature schnell zur Priorität Resterampe.
Qualitativ betrachtet sind die 50 unterstützten Titel vermutlich genau jene Spiele, bei denen sich der Aufwand lohnt. Dort kommt PSSR auch sichtbar zum Tragen. Aber das bedeutet eben auch, dass es eine selektive Lösung bleibt. Kein automatischer Boost für die gesamte Bibliothek, kein magischer Schalter für alte Klassiker.
Sony spricht von einer KI-Strategie. Kritisch formuliert bedeutet das: Die Technologie existiert, doch die Durchdringung fehlt. Erst wenn neue Releases standardmäßig auf PSSR 2.0 setzen, entsteht eine echte Systemrelevanz – nicht, wenn ein paar große Blockbuster nachziehen.
50 Spiele im Kontext von 2025 klingen wenig
Im Jahr 2025 erschienen schätzungsweise mehrere hundert relevante Titel für die PS5. Wenn davon nur rund 50 offiziell PSSR-Unterstützung erhalten haben, dann reden wir über einen klar begrenzten Impact. Prozentual bleibt das Feature weit unter 20 Prozent der Veröffentlichungen. Die Vision einer KI-gestützten Bildverbesserung als Default-Setting ist somit noch nicht Realität. Vielmehr funktioniert PSSR derzeit wie ein Premium-Add-On für ausgewählte Produktionen.
Ich fresse einen Besen, wenn PSSR 2.0 innerhalb weniger Monate plötzlich in jedem größeren Release automatisch aktiviert wird. Dafür sind die Produktionsprozesse in Studios zu träge, die technischen Abhängigkeiten zu komplex und die Prioritäten zu stark auf Content statt auf Engine-Optimierung ausgerichtet.
Und trotzdem sollte man Sony den Fortschritt nicht pauschal absprechen. Die 50 Titel zeigen zumindest, dass sich ein Ökosystem bildet. Die Frage ist nur, ob dieses Ökosystem skaliert oder als kleine technologische Insel bestehen bleibt. Sicherlich kann man die PS5 Pro nicht nur auf dieses eine Feature reduzieren, da sie nachweislich eine bessere Performance liefert. Aber das ist eben nur die eine Hälfte des Marketingversprechens.
Ein Feature auf Sparflamme
Die Zahl „über 50 Spiele“ klingt nach Erfolgsmeldung. Tatsächlich offenbart sie aber auch die Grenzen der aktuellen Implementierung von PS5 Pro und PSSR. Die Technik ist da, die Breite fehlt noch. Solange PSSR ein optionales Feature bleibt, was offenbar auch für PSSR 2.0 gilt, und Entwickler es aktiv einbauen müssen, wird es kein automatischer Gamechanger sein. Und wenn die Unterstützung nicht deutlich schneller wächst, besteht die Gefahr, dass die Technologie zwar gut gemeint, aber langfristig unter ihrem Potenzial bleibt.
Am Ende entscheidet nicht die PR-Folie, sondern die Integration in der Masse der kommenden Releases. Aktuell klingt PSSR 2.0 eher wie ein starkes Werkzeug mit zu wenig Reichweite – und genau das könnte sich als Bremsklotz für die Zukunft der PS5 Pro erweisen.
Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten sind die persönliche Meinung des Autors. Sie müssen nicht jedermanns Sichtweise entsprechen – und sollen zum Diskutieren anregen.

60 FPS ist doch ultra flüssig. 4k 60 FPS ist perfekt 🙏🌅