Review: Split Fiction – Ein KoOp-Meisterwerk über Freundschaft, Trauma und Teamwork

Split Fiction im Test: innovative Spielmechaniken und eine tiefgreifende Erzählung über Freundschaft und Trauma – ein fesselndes, kooperatives Abenteuer, das Herz und Verstand gleichermaßen erobert.

Niklas Bender
Niklas Bender ist Editor-in-Chief bei PlayFront.de und Spezialist für kritische Spieleanalysen und Meinungsformate. Seit 2023 prägt er die redaktionelle Kante des Magazins mit pointierten Kommentaren und...
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Review Overview

Es ist nicht einfach, ein Spiel zu schaffen, das in die Fußstapfen eines Meisterwerks wie „It Takes Two“ tritt, und noch schwieriger wird es, wenn die Erwartungen nach dem enormen Erfolg von Hazelight Studios 2021 in den Himmel schießen. Mit „Split Fiction“ soll dies nun erneut gelingen, aber ob das überhaupt möglich ist, erfahrt ihr in meinem Review.

Hazelight, bekannt für seine meisterhafte Handhabung von kooperativen Erlebnissen, hat mit diesem Spiel erneut bewiesen, dass sie die Fähigkeit besitzen, tiefgreifende emotionale Erlebnisse mit innovativem Gameplay zu vereinen. „Split Fiction“ ist ein Spiel, das sich mit den komplexen Themen Freundschaft, Trauma und Heilung auseinandersetzt – und dabei einen Blick auf die dunkle Seite der generativen KI wirft – ein Thema, das derzeit die ganze Welt beschäftigt.

Freundschaft in einer von KI durchdrungenen Welt

„Split Fiction“ dreht sich um zwei aufstrebende Schriftstellerinnen, Mio und Zoe, die in einer verzweifelten Jagd nach einem Verlagsvertrag in eine Reihe von Simulationen geraten. Diese Simulationen werden von einer generativen KI gesteuert, die darauf aus ist, ihre Ideen zu stehlen und ihre Kreativität zu vereinnahmen. Die Grundgeschichte mag auf den ersten Blick wie eine warnende Dystopie über den Missbrauch von Künstlicher Intelligenz wirken, aber was Hazelight hier tatsächlich macht, ist viel mehr: Sie erschaffen eine emotional tiefgehende Erzählung über Freundschaft und die Komplexität menschlicher Beziehungen.

Mio und Zoe könnten auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein. Mio ist die zynische, technikaffine Sci-Fi-Autorin, die von Roboterwelten, Weltraumkatastrophen und Mechs träumt. Zoe dagegen ist eine leidenschaftliche Fantasy-Autorin, deren Werke Drachen, Gestaltwandler und mystische Wesen bevölkern. Diese Unterschiedlichkeit könnte ein Hindernis darstellen, doch im Verlauf des Spiels erkennen beide, dass ihre Reise sie nicht nur durch fremde Welten führt, sondern auch durch die unbekannten Tiefen ihrer eigenen Persönlichkeiten.

Die Hauptthematik des Spiels ist die Freundschaft – und es ist keine gewöhnliche Freundschaft. Diese Freundschaft wird in einer Welt geformt, die sowohl von Dunkelheit als auch von Licht geprägt ist, von Trauma und Heilung, und wird durch die schleichende Bedrohung durch die KI intensiviert. Die Dynamik zwischen Mio und Zoe, wie sie lernen, zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu vertrauen, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel.

Die Innovationen des Gameplays

Was „Split Fiction“ von anderen Spielen abhebt, ist die Innovation des Gameplays. Jede Welt, die Mio und Zoe betreten, ist nicht nur thematisch einzigartig, sondern auch mechanisch. Das Spiel bietet eine Vielzahl von Spielmechaniken, die mit jeder neuen Welt variieren und für eine erfrischende Abwechslung sorgen. Ganz offensichtlich bedient man sich hier vorwiegend dem Jump’n Run-Genre.

In Mios Sci-Fi-Welten übernehmen die Spieler die Kontrolle über Drohnen, fliegen mit Jetpacks durch futuristische Städte oder kämpfen gegen gigantische Mechs mit Laserpistolen. Diese Abschnitte sind schnell, actionreich und bieten eine aufregende Mischung aus Kämpfen und Erkundung. Die fantastische Welt von Zoe ist ebenso abwechslungsreich, aber auf eine ganz andere Weise. Hier schlüpfen Mio und Zoe in die Rollen von Drachenreitern, Magiern und Gestaltwandlern. Die Vielfalt der Mechaniken in den verschiedenen Welten sorgt dafür, dass das Spiel niemals langweilig wird. Jede neue Welt bringt frische, aufregende Herausforderungen mit sich, und die Spieler werden nie müde, die neuen Möglichkeiten zu entdecken, die ihnen geboten werden.

Es ist nicht nur das Gameplay, das sich ständig weiterentwickelt. Die Mechaniken, die die beiden Hauptcharaktere verwenden, sind oft asymmetrisch. Während Mio und Zoe dieselben Welten erkunden, verfügen sie jeweils über einzigartige Fähigkeiten, die sie nur gemeinsam nutzen können. Die Zusammenarbeit ist entscheidend, um durch die komplexen Rätsel und Herausforderungen zu navigieren. Doch selbst wenn das Spiel keine komplexen Aufgaben stellt, machen es die unterschiedlichen Fähigkeiten der beiden Protagonisten zu einer ständigen Quelle der Entdeckung und des Spaßes. Das Zusammenspiel ist oft ein Balanceakt, bei dem es nicht nur darum geht, das Ziel zu erreichen, sondern auch die Stärken des anderen zu nutzen, um gemeinsam kreativ zu sein.

Ein Blick hinter die Kulissen der Schöpfung

Was „Split Fiction“ jedoch besonders tiefgründig macht, sind die Nebengeschichten – kleine, unvollständige Ideen aus Mios und Zoes Vergangenheit, die in den großen Welten des Spiels als Minilevels auftauchen. Diese Nebengeschichten bieten nicht nur zusätzliche Mechaniken, sondern auch einen faszinierenden Einblick in die Entstehungsgeschichte ihrer kreativen Prozesse. Oftmals nehmen die Spieler an surrealen, fast absurde Erlebnissen teil, die an die unbeschwerten, experimentellen Ideen erinnern, die Schriftsteller in ihrer Jugend hatten.

Es gibt Spiele, die für das Singleplayer-Erlebnis ausgelegt sind, aber „Split Fiction“ ist ohne Zweifel ein Spiel, das seinen vollen Charme im Koop-Modus entfaltet – genau wie schon der Vorgänger „It Takes Two“ (unser Review). Die Kommunikation zwischen den Spielern ist essenziell, und selbst wenn sie nicht immer notwendig ist, sorgt der Austausch von Entdeckungen und Erlebnissen für einen unvergleichlichen Spaß. Während einer der Spieler in einem Level mit der Peitsche hantiert, schaut der andere Spieler neugierig auf den Bildschirm des Partners, um zu sehen, welche einzigartigen Erlebnisse dieser hat. Das Spiel lebt von der Kooperation, von der ständigen Interaktion und dem Teilen von Momenten, die auf dem anderen Bildschirm nur schwer nachvollziehbar wären.

Ein Meisterwerk der Erzählung und der Mechanik

„Split Fiction“ ist obendrein und ohne Zweifel eines der ambitioniertesten und tiefgründigsten Spiele der letzten Zeit. Es kombiniert meisterhaft Erzählung und Gameplay, und das Ergebnis ist ein Erlebnis, das sowohl emotional als auch intellektuell herausfordernd ist. Das Spiel lädt uns in den rund 10 bis 11 Stunden nicht nur dazu ein, als Spieler in die Rollen der Protagonisten zu schlüpfen, sondern auch in ihre Gedanken und ihre kreativen Welten einzutauchen. Der etwas reifere Ansatz lässt leider aber auch den Humor vermissen, der „It Takes Two“ seinerzeit auszeichnete.

Es ist im Kern eine Geschichte über Freundschaft – und über die Tatsache, dass wir oft die größten Hürden gemeinsam überwinden müssen. In einer Welt, die von generativer KI und den Gefahren ihrer Macht beherrscht wird, erinnert uns „Split Fiction“ daran, dass es das menschliche Element ist – das Teilen von Erfahrungen, das Vertrauen und das gemeinsame Wachstum – das uns wirklich zusammenhält.

Bleibt der Soundtrack, der nahtlos die Emotionen und die Spannung der verschiedenen Spielsequenzen verstärkt und erheblich zur Atmosphäre des Spiels beiträgt. Es gibt Momente, in denen die Musik eine ganze Szene aufwertet und dem Spieler eine tiefere emotionale Verbindung zu den Charakteren ermöglicht.

Aus technischer Sicht gab es bei uns zu viele Verbindungsabbrüche im Online-Gameplay, was die eine oder andere Spielsitzung auf eine harte Geduldsprobe stellte. Das Spiel an sich läuft aber sehr gut und ist wie sein Vorgänger ein echter Hingucker.

Fazit

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Frank Müller
11 Monate zuvor

Ich liebe Split fiction. Es vereint meine lieblingsgenres fantasy und Sci Fi und macht etwas geiles eigenes daraus. Sie wurden immer besser mit ihren spielen und Split fiction ist für mich ihr Meisterwerk.

Andreas Körber
11 Monate zuvor

Dennoch kommt es nicht an It Takes Two ran.

Frank Müller
11 Monate zuvor

Andreas Körber doch find ich schon. Viel geiler, abgefahrener. It takes two war mehr kindlich.
Und die Nebenstränge sind ja mal der Hammer. Dagegen ist it takes two nix. Ich sage nur „Bratwurst“.

Crydog
11 Monate zuvor

Ich frage mich immer für welche Zielgruppe solche spiele sind und ob es sich gut verkauft besonders für grossen publisher nacher heisst Studios Schließung

Jemysis
11 Monate zuvor
Reply to  Crydog

der Vorgänger hat sich über 16 Millionen mal verkauft und hat bei den Spielern eine 96% positive Bewertung, bei dem Spiel wird es nicht anders sein. Ich habe mich mehr auf dieses Spiel gefreut als auf die anderen Titel, die dieses Jahr schon erschienen sind. Hast wohl it takes two nicht gespielt, um das verstehen zu können.

Crydog
11 Monate zuvor
Reply to  Jemysis

Ne habe ich auch nicht aber vielleicht hat sich der erste teil so gut verkauft weil die primise ne andere war bzw. Neu könnte jetzt anderes sein

pray
11 Monate zuvor
Reply to  Jemysis

Ich weiß, dass Geschmäcker verschieden sind, aber ich habe z.B it takes two gespielt und fand es einfach nur mies. Der Humor war oft total stumpf, unpassend und geschmacklos.

Die Level waren alle auf Biegen und Brechen kreativ, damit man in jedem Level irgendetwas Neues machen muss und denkt oh mein Gott er hat so viele Ideen, die er in der Spiel gebracht hat, egal ob es passt oder nicht.

Die Beziehung der Eltern wurde total erbärmlich dargestellt und war für mich echt nicht zu ertragen mit solchen Menschen kann ich mich nicht identifizieren und auch nicht mit solchen Problemen.

Die Moral der Spiel vermitteln sollte und auch der Umgang mit dem Kind und was das Kind mitbekommen hat war in höchstem Maße fragwürdig.

Und das schlimmste: es hat einfach beim Spielen keinen Spaß gemacht (uns nicht)

Jeder der seinen Geschmack und ich möchte niemandem die Spiele schlecht reden, es ist auch super dass man sie alle offline spielen kann sie kein mikropayment haben etc aber ich kann diesen Hype und diese super große Begeisterung für Josef Faris Spiele inzwischen nicht mehr nachvollziehen. Meine Empfinden nach und ich habe sie alle gespielt wann Brother Tale of Two Sons und away out die besten Spiele die er gemacht hat, danach ging es bergab

und diese ersten beiden Spiele haben so ein beschissenes Ende, dass sie das ganze Spiel vorher einfach abwerten, da es sich anfühlt, als hätte man alles umsonst gemacht

Personenkult halt

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