Microsoft bietet Entwicklern offenbar eine höhere Umsatzbeteiligung für die erste Million US-Dollar Umsatz an, sofern diese ihre Titel für den Microsoft Store optimieren und das „Play Anywhere“-Feature unterstützen. Das neue Incentive-Programm zielt darauf ab, die Attraktivität des hauseigenen Ökosystems gegenüber Steam und PlayStation zu steigern.
Im Kern steht die Verknüpfung von PC- und Konsolen-Lizenzen: Wer ein Spiel im Microsoft Store kauft, soll es ohne Zusatzkosten auf beiden Plattformen nutzen können. Laut Berichten aus dem Broken Silicon-Podcast ist dieses Programm zwar offiziell freiwillig, wird von Entwicklerseite jedoch als forcierter Versuch wahrgenommen, Spiele in den oft gemiedenen Microsoft Store zu drücken.
Umsatzbeteiligung als Hebel gegen den Store-Meiden
Entwickler erhalten laut Leak eine bessere Marge auf die ersten 1.000.000 USD Umsatz, wenn sie spezifische Performance-Vorgaben erfüllen. Microsoft verlangt hierfür, dass Titel auf Handhelds wie dem ASUS ROG Ally oder dem Lenovo Legion Go „gut“ oder „großartig“ laufen.
In der Praxis bedeutet dies einen technischen Mehraufwand:
- Zusätzlicher Patch-Aufwand: Updates müssen separat für die Steam-Version und die Microsoft-Store-Version gepflegt werden.
- Launcher-Konflikte: Viele Publisher bevorzugen eigene Launcher, die sich nur schwer mit den strikten Store-Vorgaben von Microsoft vereinbaren lassen.
- Plattform-Priorisierung: Studios priorisieren aufgrund der Marktanteile meist PlayStation oder Steam; der Microsoft Store wird wegen technischer Hürden oft komplett ausgelassen.
Hintergrund der aggressiven Strategie sind offenbar enttäuschende Hardware-Zahlen. Schätzungen zufolge generiert Microsofts Handheld-Sparte lediglich rund 160 Millionen USD Umsatz pro Quartal, was etwa 200.000 verkauften Einheiten entspricht. Mit weniger als einer Million Geräten pro Jahr bleibt die Plattform weit hinter den Erwartungen und der Konkurrenz zurück.
Mehr Flexibilität, weniger Exklusivität
Der Fokus auf „Play Anywhere“ dient somit als strategisches Fundament für das Xbox Project Helix. Dabei handelt es sich um eine geplante Hybrid-Plattform aus PC und Konsole. Microsoft bereitet hier den Boden für ein Szenario vor, in dem die klassische Konsole an Bedeutung verliert und das Ökosystem rein über die Softwareverfügbarkeit definiert wird.
Wer im Microsoft-Ökosystem kauft, profitiert von Cross-Buy-Funktionen und einer besseren Abstimmung auf Windows-Handhelds. Allerdings sorgt der Druck auf Entwickler nicht automatisch für bessere Spiele, sondern primär für eine höhere Store-Präsenz. Sollte sich Microsoft langfristig als reiner Software- und Service-Anbieter positionieren, könnte die klassische Xbox-Hardware-Erfahrung mittelfristig verschwinden.