Sea of Remnants – Piraten-Adventure liefert großartige Präsentation, aber konfuses Gameplay

Sea of Remnants in der Vorschau – ein Piraten-RPG mit Style, aber ohne klare Linie - ganz im Sinne von Piraten-Style trifft Spielchaos .

Niklas Bender
Niklas Bender ist Editor-in-Chief bei PlayFront.de und Spezialist für kritische Spieleanalysen und Meinungsformate. Seit 2023 prägt er die redaktionelle Kante des Magazins mit pointierten Kommentaren und...

Piraten, Puppen, Punk – und ganz viel Potenzial, das noch nicht ganz weiß, wo es hin will: Das kommende RPG Sea of Remnants liefert in einer neuen Preview spannende Einblicke, und die waren … sagen wir mal: spannend. Nicht im Sinne von „Wow, das wird ein Hit“, sondern eher im Sinne von „Was zur Hölle passiert hier eigentlich gerade?“.

In meiner eigenen Vorschau wurde zuletzt deutlich, was Sea of Remnants eigentlich sein will – unter anderem ein „RPG mit Crew-Building und mehreren Kampfsystemen“. In einer IGN-Preview wirkt Sea of Remnants zum aktuellen Zeitpunkt als eines der seltsamsten, aber auch interessantesten Spiele am Horizont – zumindest optisch.

Zwischen Stil-Explosion und System-Overkill

Dennoch kamen am Ende gefühlt mit mehr Fragen als Antworten auf. Die Mischung aus Open-World-Piratenspiel à la Sea of Thieves, rundenbasierten Kämpfen im Persona 5-Look und MMO-typischem Upgrade-Wahnsinn klingt auf dem Papier ambitioniert. In der Praxis wirkte das Ganze laut IGN aber eher wie ein nicht ganz fertig gewordener Genre-Mix.

Vor allem das Interface, die Menüs und das schrille Artdesign stechen hervor – im besten Sinne. Die Charaktere, allesamt stilisierte Marionetten, bewegen sich in übertriebenen Animationen, als hätte Persona 5 einen absurden Piraten-Albtraum geträumt. Dazu kommt ein punkiger Anstrich mit Graffiti, Teenager-Attitüde und jeder Menge „Hä?“-Momente.

Weniger überzeugend fiel das Fazit zu den spielerischen Aspekten aus: Das Kampfsystem sei zwar hübsch inszeniert, aber noch extrem simpel. Auch die Dialoge und Story-Strukturen machten es schwer, einen roten Faden zu erkennen – was nicht gerade hilft, wenn man eh schon durch ein Labyrinth an Händler- und Begleitersystemen irrt.

Besonders kurios: Es gibt wohl hunderte rekrutierbare NPCs, mit denen man Beziehungen aufbauen kann. Kombiniert mit einem noch nicht gezeigten Online-Multiplayer-Modus stellt sich eine ganz neue Frage: Wie soll das alles zusammenpassen? Vor allem, wenn rundenbasierte Kämpfe und Live-Koop sich plötzlich dieselbe Planke teilen.

Piraten mit Charme – und einem Hauch Wahnsinn

Doch trotz all der Kritik wird mehrfach betont, wie sehr Sea of Remnants durch seine überbordende Kreativität punktet. Wer sonst lässt einen besiegten Bossaffen plötzlich mit einem eigenen Piratenschiff zurückkehren, um den Spieler mit Kanonen zu jagen – nur um danach in einer absurden Cutscene wieder unterzugehen?

So absurd das auch klingt – genau solche Szenen machen das Spiel offenbar zu einem der interessantesten Projekte in Sichtweite. Kein polierter AAA-Titel, sondern ein wildes, charmantes Durcheinander mit viel Stil und wenig Struktur. Und vielleicht ist genau das der Reiz.

Wir behalten das Piratenchaos im Auge – und hoffen, dass hinter all dem Stil bald auch Substanz auftaucht.

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