Test: Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter – Holmes‘ teuflischster Fall

Nach dem überraschenden Erfolg und den positiven Bewertungen von „Sherlock Holmes-Crimes and Punishment“ versuchen die Teams von Frogware und Big Ben hier anzuknüpfen und mit neuen Akzenten nicht nur Fans des ersten Teils, sondern auch Neulinge mit ins Boot zu holen, um so die Verkaufszahlen zu steigern. Also: eine neue Story, neue Herausforderungen und viele neue Geheimnisse.

Holmes und seine Tochter, Rätsel über Rätsel, viel Fingerspitzengefühl

Zeitlich knüpft „The Devil’s Daugther“ direkt hinter seinem Vorgänger an. Sherlock Holmes hat die Londoner Verbrecherwelt aufgemischt und macht noch lange nicht halt davor, sich jedem Übel zu stellen. Während er gerade dabei ist, mit Watson über einen alten Fall zu philosophieren, bekommt er Besuch von seiner Adoptivtochter Kate und seiner neuen Nachbarin Alice. Schnell merkt man, dass beide Figuren ihre eigenen Geheimnisse bergen, allerdings bleibt zunächst nicht viel Zeit, um diesen auf den Grund zu gehen, denn ein kleiner Junge steht in der Tür, mit der Bitte an Holmes, seinen vor einiger Zeit verschwundenen Vater zu finden, der von einem Job nicht mehr zurückgekommen ist.

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Dies ist nur einer der Fälle, denen wir uns im Laufe der Geschichte stellen müssen. Hier müssen wir einen Mord beim Bowls-Turnier aufdecken, da einen desaströsen Verkehrsunfall begutachten oder einem Mordanschlag auf Holmes selbst auf den Grund gehen. Die insgesamt fünf verschiedenen Fälle sind dabei sehr interessant erzählt und halten immer wieder überraschende Wendungen bereit, die einen sowohl vor neue Herausforderungen stellen, als auch an die Konsole fesseln. Leider ist das Ende des Spiels recht schnell erreicht und um einiges kürzer als sein Vorgänger. Grob fünf Stunden sind hier als Maßstab angegeben. Allerdings bieten die verschiedenen Lösungen immer wieder einen guten Wiederspielwert.

Wer bereits den ersten Teil gespielt hat, der wird sich recht schnell wieder im Gameplay zurechtfinden, denn wirklich wesentliche Neuerungen und Veränderungen gibt es hier nicht. Man betrachtet interessante Objekte oder Plätze, analysiert die hervorgehobenen Objekte und Briefe auf ihre Besonderheiten, setzt seinen Detektivblick ein, um besondere Merkmale wie Kratzer auf dem Boden von versteckten Türen hinter Schränken oder unter dem Teppich zu entdecken und rekonstruiert in Echtzeit die Abläufe von Tathergängen. Im hauseigenen Archiv und Labor untersucht man die Fundstücke, führt kleinere Experimente und Forschungsanalysen durch und sammelt so immer mehr kleine Bruchstücke, die sich dann in einer speziellen Ansicht zu Rückschlüssen zusammenfügen lassen, um so dem Täter auf die Schliche zu kommen. Fehlentscheidungen inklusive, denn nur, weil man 1+1 zusammenzählt, heißt das noch lange nicht, dass man auch auf 2 kommen muss. Oftmals gibt es falsche Fährten oder Richtungen, in die man sich selbst lenkt, und so schon mal den falschen hinter Gitter bringt. Gut, dass man nach jedem Fall seine Entscheidung überprüfen und gegebenenfalls anpassen kann, um doch alles gut ausgehen zu lassen. Außerdem kann man entscheiden, ob man jemanden knallhart bestraft, oder ob man Gnade walten lässt, wenn man die Tat nachvollziehen kann oder die Figur nach eigenem Ermessen schon genug gestraft ist. Wesentliche Auswirkungen auf die Geschichte haben diese Entscheidungen allerdings nicht, sondern erleichtern oder beschweren nur das eigene Gewissen.

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Abseits der reinen Befragung und Kombination lebt das Spiel vor allem von seinen zahlreichen Minispielen und Quick-Time-Events. Ganz gleich, ob wir uns in ein Haus schleichen, einer Schlägerei angehören, Bowls spielen oder eine Bombe entschärfen müssen, das Spiel bietet einem dies alles. Die Aufgaben und Rätsel sind dabei sehr ansprechend und teilweise recht anspruchsvoll gestaltet worden, sodass man schon ein paar Mal genau nachdenken und rumprobieren muss, um auf die richtige Lösung zu kommen. An anderer Stelle balancieren wir uns mit den Steuersticks über Balken, schleichen als unser junger Gefährte Wiggins hinter einem Verdächtigen her oder erhitzen an unserem Analysetisch einen Brief unter heißem Wasserdampf, um den Umschlag unbeschadet zu öffnen. Im Vergleich zu „Crimes and Punishment“ sind die Rätsel somit ein wenig abwechslungsreicher geworden. Sie sind überwiegend gut gelungen, stellenweise jedoch auch sehr verwirrend und undurchsichtig, was zu vielen Fehlversuchen und damit zu viel Frust führt. Wem diese Aufgaben zu schwer sind, der kann sie jederzeit einfach überspringen, während es für die Profi-Detektive noch den Expertenmodus gibt, in dem die Rätsel zum Beispiel auf Zeit zu lösen sind.

Das Gameplay macht damit nach wie vor viel Freude, wenn man Spaß am Nachdenken, Ausprobieren und Kombinieren hat. Die Elemente wurden auch diesmal gut in Szene gesetzt und in die einzelnen Fälle integriert, welche grob von der Handlung um Alice und Kate zusammengehalten werden. Die neuen Rätsel und Optionen stehen dem Spiel sehr gut und bieten einiges an Abwechslung.

Frischzellenkur, viktorianisches London, verschlossene Türen

Während sich das reine Gameplay kaum verändert hat, wurde an der Darstellung und Präsentation ordentlich geschraubt. Sherlock scheint hier ein regelrechter Formwandler zu sein, denn die aktuelle Version hat nichts mehr mit dem berechnenden, kühl kalkulierenden Genie mit Pfeife und Mütze zu tun, wie man ihn kannte. Sherlock ist wesentlich jünger, die Haare sind wild zerzaust und die Kombination aus Mantel und Schal lassen ihn eher wie einen modernen Hipster erscheinen. Er lässt sich von anderen Figuren an die Wand spielen, ist aufbrausend und ganz anders als es sein Vorbild war. Watson ergeht es da nicht anders. Die beiden Figuren wurden einem wesentlichen Facelift unterzogen, um eine breite Zielgruppe anzusprechen. Dafür wurde dem Titel auch eine deutsche Synchronisation versprochen, die teilweise leider nicht wirklich gut gelungen ist, sowie die Actionintensität um einiges erhöht, wenn wir etwa von einem Scharfschützen durch den Wald gejagt werden. Was anfangs ein bisschen überraschend und verwunderlich erscheint, geht allerdings mit der Zeit schnell verloren und man gewöhnt sich an den neuen Sherlock Holmes, der eben eher an Robert Downey jr. angelehnt ist.

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Wenn wir durch die Straßen von London laufen und uns nach Verdächtigen oder Hinweisen umschauen, bekommt man doch einiges zu sehen. Die Umgebungen sind allesamt ansprechend und detailliert angelegt worden, besitzen alle ihren eigenen Charm und sind immer wieder mit kleinen Details und Merkmalen versehen, die die gesamte Umgebung sehr lebendig werden lassen. Wir können zum Beispiel Passanten nach dem Weg fragen oder an Haustüren klopfen, die uns dann mit einer Ausrede nicht geöffnet werden. Grafisch lässt sich das Spiel auch nichts vorwerfen, die Figuren sehen sehr gut aus, ebenso wie die Landschaften und Straßen.

Zusammen sorgt all dies für eine sehr gelungene Atmosphäre. Die fordernden Rätsel, die eigenen Überlegungen, die rasanten Szenen, all dies sorgt dafür, dass man selbst in die Rolle des gefeierten Meisterdetektivs schlüpft und aus dieser nicht mehr hervorkommen möchte, ehe man einen Fall gelöst hat, egal, wie viele Versuche dafür nötig sind. Die gesamte Story und die einzelnen Fälle sind gut erzählt, wenn auch etwas zu kurz geraten.

Entwickler: Frogwares
Publisher: BigBen Interactive
Release: erhältlich
Offizielle Homepage: www.sherlockholmes-games.com

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Test: Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter – Holmes‘ teuflischster Fall
„Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter“ ist eine gelungene Fortsetzung, die mit neuen Ideen und bekanntem Konzept durchaus zu überzeugen weiß und ihren ganz eigenen Charakter besitzt. Der neue Holmes fühlt sich eingangs zwar noch etwas befremdlich an, mit ihm freundet man sich aber im Laufe der Zeit definitiv an, auch wenn die deutsche Synchronisation nicht durchweg überzeugen kann. Die verschiedenen, abwechslungsreichen Rätsel und Möglichkeiten erlauben viel Spaß und sorgen im Gesamten für eine ansprechende Atmosphäre. Leider fehlt es wieder an ausreichender Spielzeit und das Ende kommt schon fast überraschend auf einen zu, was man allerdings auch schon irgendwie gewohnt von der Serie ist. Der Titel ist in erster Linie wieder darauf ausgelegt, Rätselfreunde zufrieden zu stellen, was ihm im Kern durchweg gelingt und somit allen Hobbydetektiven zu empfehlen ist.“
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