TEST: Amplitude – Musikalisch ins neue Jahr

Musikspiele haben nach langer Abstinenz wieder Hochkonjunktur auf den aktuellen Heimkonsolen. Nach dem Release neuer Ableger von Guitar Hero und Rock Band, erscheint jedoch nun mit der Neuauflage von „Amplitude“ ein Spiel, welches mit elektronischer Musik wie House und Dubstep zur Abwechslung einen völlig anderen Geschmack bedient.

Während die Entwickler von Guitar Hero damals bei einem ähnlichen Versuch mit ihrem Spinoff „DJ Hero“ zumindest finanziell auf die Nase gefallen sind, versucht sich nun Entwickler Harmonix, der mit „Rock Band 4“ ebenso kürzlich sein Comeback feierte, das Rhythmusgenre ganz ohne Plastikinstrumente zu befeuern. Wie gut sich das aus einem Kickstarter-Projekt gestartete Remake des über ein Jahrzehnt alten Klassikers schlägt, verraten wir euch in unserem Test.

Amplitude (2)

Das Spielprinzip von Amplitude lässt sich für Neulinge nur schwer beschreiben, trotzdem wollen wir dies so gut es geht versuchen. Ihr steuert eine Art futuristischen Gleiter, der entweder rechts, mittig oder nach links vor sich feuern kann, um im richtigen Moment damit Musik passend zum laufenden Song zu erzeugen. In diesem Sinne unterscheidet es sich wenig von den bekannteren Genrekönigen und wirkt im ersten Moment vermutlich ein wenig zu simpel. So habt ihr im neuen Guitar Hero ja insgesamt sechs verschiedene und bei Rock Band zumindest noch fünf verschiedene Notentasten. Anders ist jedoch, dass ihr euch ständig auf verschiedenen Bahnen bewegen müsst. So erzeugt ihr auf einer Bahn beispielsweise die Geräusche des Schlagzeuges, auf einer anderen den Bass und auch Teile wie der Gesang sind auf einer eigenen Bahn vertreten. Um eine Bahn für eine gewisse Zeit zu aktivieren, müsst ihr auf dieser einen Bereich ohne Fehler absolvieren. Dann gilt es sofort auf eine andere Bahn zu wechseln und fließend auf dieser fortzufahren, um eure Serie nicht zu verlieren. Solltet ihr dies nahtlos auf allen Bahnen schaffen, müsst ihr kurz danach auf der ersten wieder beginnen und so weiter. Sobald ihr einen Fehler macht und damit eine Bahn nicht rechtzeitig abschließt, verliert ihr Leben, was bis zum Abbruch des Songs führen kann. Zudem kommt ihr dann nur schwer hinterher und es wird deutlich anspruchsvoller wieder den gesamten Song zu hören. Vor allem weil ihr in der nächsten Bahn sofort die erste Note treffen müsst, was je nach Abstand der Bahn teilweise ohne Kenntnis des Songs unmöglich zu sein scheint.

Mehrere wählbare Schwierigkeitsgrade helfen jedoch dabei, dass Amplitude stets einigermaßen fair zu spielen ist. Auch als Veteranen bei den Genreprimen können wir uns nach einigen Spielstunden jedoch noch nicht so wirklich vorstellen, wie man den letzten Schwierigkeitsgrad bewältigen soll. Für Herausforderung ist also bestens gesorgt. Leider fehlt diese ansonsten ein wenig, denn bestimmte Ziele oder ein Rangsystem sind nicht vorhanden. Zwar gibt es eine Art Kampagne, diese ist aber leider nicht der Rede wert und unterscheidet sich vom normalen Spielmodus, in dem ihr einzelne Lieder selbst wählt, im Prinzip nur darin, dass die Songs vorgegeben sind und am Anfang eines jeden Songs kurz eine Stimme zu hören ist. Die Entwickler scheinen damit die Wiederbelebung eines komatösen Patienten darstellen zu wollen, man hätte es sich in dieser Form ehrlich gesagt aber auch einfach sparen können. Somit bleibt der Kern des Spiels die Jagd nach dem persönlichen neuen Highscore. Oder aber ihr seht es als Training an, um in dem durchaus gelungenen lokalen Multiplayer eure Freunde zu schlagen. In diesem könnt ihr bis zu drei Kontrahenten mit diversen Extras an der Perfektionierung ihres Songs behindern. Eine durchaus coole Möglichkeit, um endlich mal zu viert ein Musikspiel auf der Couch zu spielen, ohne teure Instrumente kaufen zu müssen.

Amplitude (1)
Zwar fehlen längerfristige Ziele, zumindest lassen sich mit der Zeit aber ein paar Songs freischalten. Diese Freischaltungen sind jedoch lediglich an die Anzahl der gespielten Songs gebunden, was im Endeffekt nicht motivierend, sondern eher hinderlich wirkt, schade! Insgesamt verfügt „Amplitude“ über 31 Songs, die sich wie eingangs erwähnt allesamt im Bereich Dance, House und Dubstep bewegen (Kenner der entsprechenden Musikszene mögen uns etwaige Fehlinterpretationen verzeihen). Dies stellt somit den wohl größten Kritikpunkt des Spiels dar: Die Abwechslung. Während vor allem der neue Ableger des Konkurrenten Guitar Hero mittlerweile auf eine vielschichtige Musikauswahl setzt und selbst das Original von „Amplitude“ auch beispielsweise rockige Songs zur Auswahl hatte, gibt es nun keine wirkliche musikalische Abwechslung. Wer sich mit dieser Art von Musik so gar nicht auseinandersetzen kann, der muss daher direkt die Finger von „Amplitude“ lassen oder auf DLCs hoffen. Immerhin werden beispielsweise mit dem Frequenzy-Modus, der die Bahnen nicht in einer Reihe, sondern in einer Art Tunnel anordnet, spielerische Möglichkeiten für einen Hauch von Abwechslung geboten. Da der Fokus eines solchen Spiels jedoch eindeutig auf der musikalischen Seite liegt und die Songs gefallen müssen, um den Spielspaß deutlich zu steigern, hätten wir uns lieber in dieser Hinsicht mehr Flexibilität als solche Spielereien gewünscht.

Trotz aller Kritik sollte man sich jedoch vor Augen halten, dass es sich bei „Amplitude“ um einen Downloadtitel handelt, welcher zum Preis von 19,99$ (auch Euro?) zu haben sein wird. Dies überrascht, denn abgesehen von Umfang ist das Spiel aus technischer Sicht so gut in Szene gesetzt, wie ein normaler Vollpreistitel, Hut ab!

Entwickler: Harmonix
Release: 05. Januar 2016
Offizielle Homepage: www.harmonixmusic.com

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TEST: Amplitude – Musikalisch ins neue Jahr
„Amplitude verfügt über ein einzigartiges, flüssiges und insgesamt sehr gut gelungenes und schön in Szene gesetztes Spielerlebnis, das seinesgleichen sucht. Fans von elektronischen Klängen mit flinken Fingern und einem guten Rhythmusgefühl können daher bedenkenlos zugreifen. Wer Musik nur dann für hörenswert hält, wenn eine Gitarre zu hören ist, der muss sich aufgrund der leider komplett fehlenden musikalischen Abwechslung mit altbekannten Größen zufriedengeben und sollte daher die Finger vom Remake von Amplitude lassen.“
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