TEST: Assassin´s Creed Unity – Vive la France

Ubisoft´s wohl stärkstes Pferd im Stall, fehlt auch in diesem Jahr nicht, sodass uns der Publisher das erste echte Next-Gen Assassin´s Creed-Abenteuer präsentiert. „Assassin´s Creed Unity“, so der Name des neuesten Ablegers, entstand ausschließlich für die neue Hardware, ohne Kompromisse zugunsten der PS3 und Xbox360 eingehen zu müssen, womit sich die Serie laut Ubisoft zeitgleich komplett neu erfindet. So drückt bereits der Name ‚Unity‘ aus, dass mit dem KoOp-Part ein wesentliches neues Spielelement mit an Bord ist, auf dessen Ergebnis wir unglaublich gespannt waren.

Nachdem wir die Mantelstory von Assassin´s Creed rund um Desmond Miles und den Eden Splitter lange hinter uns gelassen haben, schreitet man weiter zur Tat, wühlt noch tiefer in historischen Ereignissen und findet sich diesmal in Mitten der Französischen Revolution (1789 bis 1799) wieder . Anders als gewohnt, hält man sich nur kurze Zeit damit auf, Technologien wie den Animus aufzuspüren und zu erforschen und stürzt sich direkt ins Paris des 18. Jahrhunderts. Möglich wird dies durch eine neue, von Abstergo Industries entwickelte Technologie namens ‚Helix‘, die auf dem Animus aufbaut, sich jedoch viel leistungsstärker zeigt, Gen-Material und dessen Erinnerungen darin zu analysieren.

Assassin's Creed® Unity_20141111162534So erfahren wir auch kaum, wer wir eigentlich sind und erhalten Informationen aus der Gegenwart nur sehr sporadisch, sodass mehr Zeit bleibt, die Vergangenheit zu ergründen. Hier tritt unser neuer Held Arno Victor Dorian ins Bild, der als Jungspund kaum eine Vorstellung davon hat, welche Rolle er spielt und wohin ihn seine Bestimmung führt. Erst ein tragisches Erlebnis in seinem Leben bringt Jahre später den Stein ins Rollen. So fällt er auf der Suche nach den Verantwortlichen, den Assassinen in die Arme. Die Revolution ist indes bereits in vollem Gange, überall sind Tumulte auf den Straßen und Gassen zu beobachten und verschiedenste Gruppierungen der Stadt, lehnen sich gegen das Königshaus und die Klassengesellschaft auf.

Anfänglich nur auf seine eigenen Interessen fixiert, lernt auch Arno mit der Zeit zu verstehen, was es mit den Assassinen und Templern auf sich hat und schließt sich letztendlich der Bruderschaft an. Erneut geht es um dunkle Geheimnisse, Intrigen, Verrat – selbst in den eigenen Reihen -, sowie Einflüsse auf den geschichtlichen Verlauf. Seiner Jugendschwärmerei Elise ist es jedoch am Ende geschuldet, dass Arno mehr zwischen den Assassinen und Templern steht und gewisse Bündnisse auch diesmal von Vorteil sein können.

Natürlich kommt auch in „Assassin´s Creed Unity“ der Geschichtsfaktor nicht zu kurz, sodass man sich auf prägende Momente der Revolution, und nicht zu vergessen, auf deren Gesichter freuen darf, darunter Napoleon oder König Ludwig der XVI. Zudem hat Ubisoft drei besondere Highlights in Form von Zeitanomalien in das Spiel gepackt, die an dieser Stelle jedoch nicht verraten werden wollen.

Einmal mehr schafft es Ubisoft eine fiktive Geschichte rund um die Assassinen und Templer in ein historisches Setting und deren Ereignisse einzubinden, was am Ende eine absolute Glaubwürdigkeit erschafft. Speziell diesem Aspekt hat man in „Assassin´s Creed Unity“ noch mehr Bedeutung zugesprochen, was ein durchweg stimmiges und überzeugendes Gesamtbild abliefert. Die Umsetzung der Französischen Revolution bietet euch zudem ein atemberaubendes und atmosphärisches Setting, das alle bisherigen Spiele der Assassin´s Creed-Saga übertrifft.

Assassin´s Creed erfindet sich neu …

Große Veränderungen fanden auch im Gameplay statt, bei dem sich selbst eingesessene Assassin´s Creed-Fans erst einmal neu zurecht finden müssen. Grundlegende Aktionen wie Klettern, Absteigen oder Schleichen haben nun eigene Aktionstasten und sollen die Steuerung präziser gestalten. In der Praxis heißt dies aber auch mehr Komplexität, die nicht selten häufiges Überdenken erfordert und in brenzligen Situationen durchaus nachteilig sein kann, wodurch man nicht selten versehentlich in die falsche Richtung hechtet. Leider hat das Spiel weiterhin Probleme damit, dass man häufig an Stellen hängen bleibt oder hin springt, wo man gar nicht hin wollte. Ein typisches Problem der Assassin´s Creed-Serie, das durch die aufwendigere Gestaltung der Level eher noch verstärkt wird und euch mitunter direkt in die Arme der Gegner treibt. So ist häufig auch nicht klar, ob sich eine Wand, ein Vorsprung oder Geländer dazu eignet, sich dahinter zu verstecken, wodurch Arno einfach ungeschützt im direkten Sichtfeld stehen bleibt.

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Eine weitere Besonderheit ist der überarbeitete Infiltrations-Modus, in dem ihr eure komplette Umgebung aus einer sicheren Deckung, aus der Luft oder Menschenmengen, genauestens analysieren und so schon vorher abschätzen könnt, wie und wo man seine Gegner überwältigt. Ein kleines Overview zeigt euch geheime Eingänge, zu knackende Türen und Schlösser, die Anzahl der Wachen und mehr in der Umgebung, die dann nur noch ausfindig gemacht werden müssen. Missionen gestalten sich damit viel interessanter und zum Teil auch etwas einfacher, was das Gefühl eines Assassinen in euch noch deutlicher weckt.

Ebenfalls überarbeitet und deutlich strategischer fällt das neue Kampfsystem aus, das nun mehr Überlegungen erfordert. Der erste Schritt dabei ist die Wahl eurer Waffen und Montur, wobei eurer Kleidung in „Assassin´s Creed Unity“ eine viel größere Bedeutung zugesprochen wird. So stehen euch unzählige Teile dieser zur Verfügung, von Kapuze, Gürtel, Brust, Schuhe usw., die eure Fähigkeiten wie Gesundheit, Schleichen oder Kampf direkt beeinflussen. Dadurch entsteht ein deutlich größeres Spektrum unterschiedlicher Assassinen, nicht nur im Aussehen, sondern auch aus Sicht der Stärke ihrer Fähigkeiten.

Enorm wichtig ist zudem, dass man möglichst starke Waffen wählt, auch wenn diese häufig einen hohen Preis haben. Gefechte erscheinen anfänglich noch als ermüdende Rumstocherei, bei denen man mehreren Gegner meist unterlegen ist und sich die Flucht als einzige Option bietet. Der Weg zum Meisterassassinen erfordert eben Training und eine scharf geschliffene Klinge kann euch da äußerst hilfreich sein und zudem eine bessere Dynamik in den Kampf bringen. Gepaart mit den Assassinen-Fähigkeiten, die man im Laufe der Zeit erlernt, stehen einem so aufregende Kämpfe, selbst gegen mehrere Gegner gleichzeitig nichts im Weg.

Assassin's Creed® Unity_20141111155828Kampf, Infiltration, Bewegung – diese drei Säulen wurden mit „Assassin´s Creed Unity“ erstmals grundlegend überarbeitet und fordern euch mehr als jemals zuvor. Es gibt mehr taktische und strategische Optionen und Ansätze, die in der richtigen Kombination einen echten Assassinen aus euch machen. Ob das jedem so gefällt, wird man erst noch sehen, denn insbesondere Anfängern wird der Einstieg so etwas schwerer gemacht. Langjährige Fans der Serie profitieren zumindest von wiederkehrenden Assassinen-Fähigkeiten, müssen sich im Gameplay dennoch neu zurechtfinden, das nun deutlich anspruchsvoller ausfällt, gleichzeitig aber auch etwas schwerer.

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Vereint euch Assassinen …

Das wesentlichste neue Spielelement in „Assassin´s Creed Unity“, ist der nahtlose KoOp-Modus, für den der einstige Multiplayer-Part nun weichen musste. Über Paris verteilt hat man hierzu unterschiedlichste KoOp-Missionen verteilt, die zwar komplett Abseits der Story stattfinden, diese aber mit einige Facetten anreichern. So gilt es zum Beispiel Napoleon in einer Mission vor Scharfschützen zu bewahren, die entlang der Straßen postiert sind, während dieser versucht eine sogenannte Höllenmaschine dort hindurch zu transportieren. Andere Missionen konzentrieren sich auf Überfälle oder Tötungsmissionen, wo jeder Spieler eine bestimmte Rolle einnimmt und seine Aufgabe hat. Im KoOp-Modus kommt auch der soziale Part zum Tragen, sodass ihr ganze Bruderschaften mit bis zu 50 Assassinen gründen und gegen andere Bruderschaften antreten könnt, es gibt spezielle Nomad-Missionen und vieles mehr.

Im Gesamten macht der KoOp-Modus, der nach eigenen Aussagen seit Jahren in Arbeit ist, etwa ein Viertel des Gesamtspiels aus. Die 11 Missionen gestalten sich aber abwechslungsreich und spannend und laden auch zum mehrfachen Spielen ein. Problematisch dabei ist teilweise jedoch die Performance, die hier am meisten leidet.

Wie ein Gemälde …

Da war sie wieder, die Diskussion um 1080p oder 900p, wobei man sich bei „Assassin´s Creed Unity“ für Letzteres entschieden hat. Aber wie viel machen nun die fehlenden 180 Zeilen aus? Meiner Meinung nach, sind diese so unbedeutend, dass „Assassin´s Creed Unity“ den ewigen Streit darum ein für alle Mal beenden könnte. Es ist bei weitem das schönste Assassin´s Creed, das man jemals gesehen hat. Paris als Schauplatz mag zwar nicht der Größte in der gesamten Serie sein, dies wird aber wieder durch die enorme Dichte wett gemacht, die hier geboten wird. Ein Haus reiht sich an das andere, viele lassen sich vollständig betreten und erkunden, historische Monumente wie Notre Dame, das Louvre, die Bastille oder die riesige Palastanlage des Schloss Versailles bringen das Sightseeing zu euch nach Hause. Besonders gefallen tun auch die verschiedenen Stadtviertel von Paris, die jeweils ihren ganz eigenen Charme und Atmosphäre versprühen und aufzeigen, wie die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten damals lebten. Nicht zu vergessen, die düsteren und legendären Katakomben unter den Straßen von Paris.

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Was die Assassin´s Creed-Serie bislang immer auszeichnete, war aber vor allem die Lebendigkeit in den Straßen. Und hier übertrifft sich das Spiel bald wieder selbst. Ein solch enorme Menge an NPCs, die tausendfach in Paris unterwegs sind, ihrem Tagesgeschäft nachgehen und individuell auf euch reagieren, bekommt man sonst nirgends geboten. Absolut beeindruckend, was die Mannen von Ubisoft hier erreicht haben und das Level für Open-World Games damit nach oben treiben.

Dies geht endlos so weiter und man kann nur höchstes Lob für fast alle Bereiche aus grafischer Sicht verteilen – egal ob die fantastische Beleuchtung, der extreme hohe Detailgrad der Texturen, das elegant ausgeschmückte Interieur der Häuser, der Nebel und Rauch der sich über die Stadt legt, die Zwischensequenzen oder die realistisch nachgebildeten Animationen der Gesichter. „Assassin´s Creed Unity“ ist ein wahres Gemälde, durch das man hindurch stapft und an dem man sich gar nicht genug satt sehen kann.

Leider muss man sagen, fordert diese Masse an Aktionen und Details auf dem Bildschirm hin und wieder seinen Tribut, sodass es gelegentlich zu Performanceeinbrüchen kommt, vor allem aber im KoOp-Modus, sowie hier und da nicht immer alles so perfekt und durchgestylt aussieht. Gerade aus Sicht der Performance wird Ubisoft aber sicherlich noch weiter an dem Spiel feilen und den Rest kann man durchaus auch verzeihen.

Sammeln, Mordfälle und noch viel mehr …

Ebenfalls ganz typisch für Assassin´s Creed sind die zahlreichen Nebenaufgaben, die euch auch diesmal Stundenlang beschäftigen werden. Der Abschluss der Story, plus ein paar wenige Nebenaufgaben, machen nur rund 30 Prozent des gesamten Spiels aus. Für den Rest lässt sich Paris ausgiebig erkunden. Zwar setzt man wie gewohnt auf die typischen Sammel-, Boten und Assassinen-Aufträge, gänzlich neu ist aber das Aufklären von Mordfällen in der Stadt. Ganz im Stil von Sherlock Holmes könnt ihr den etwas faulen Polizeiminister unterstützen, Tatorte nach Hinweisen untersuchen, müsst geschickt kombinieren und letztendlich den richtigen Täter beschuldigen. Es gibt weitere Unmengen an Aufgaben, Trainingsmissionen oder geschichtliches Hintergrundwissen, die nur darauf warten, von euch erkundet zu werden.

Assassin's Creed® Unity_20141109121255Aus Sicht des Sounds gibt es eigentlich nicht sehr viel zu sagen. Wie gewohnt erwartet euch eine erstklassige Untermalung verschiedener Stilrichtungen, von dramatischen Stücken, über klassische Musik bis hin zu Barock, die für diese Zeit prägend war. Die Synchronsprecherriege bedient sich ebenfalls erneut hochkarätiger Stimmen, von denen euch die ein oder andere sicherlich wieder bekannt vorkommen wird. Leider brach in der Abschlusssequenz die Sprecherlautstärke ein und wurde von der Hintergrundmusik zu sehr überlagert, was allerdings die einzige Beanstandung in der Hinsicht war.

Alle Bilder stammen direkt von der PS4 und sind unbearbeitet

Entwickler: Ubisoft Montreal
Publisher: Ubisoft
Release: 13. November 2014
Offizielle Homepage: www.assassinscreed.ubi.com

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TEST: Assassin´s Creed Unity – Vive la France
Assassin´s Creed Unity markiert einen kleinen, gelungenen Neuanfang für die Serie, in dem grundlegende Pfeiler komplett überarbeitet wurden und das gesamte Spiel deutlich anspruchsvoller gestalten. Grafisch erwartet euch eine Augenweide, bei der es in jedem Winkel etwas zu entdecken gibt und das Herz jedes Assassins´s Creed-Fans höher schlagen lassen wird.
9.1
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