TEST: Assassin´s Creed Syndicate – London ruft nach euch!

In den vergangenen Jahren konnte man dank Ubisoft die Geschichte der Welt aus nächster Nähe miterleben. Das Mittelalter, die italienische Renaissance bis hin zur französischen Revolution- mittendrin im Geschehen. All diese Epochen wurden maßgeblich durch den Konflikt zwischen Assassinen und Templern beeinflusst. Nun schickt Ubisoft den Spieler in eine Zeit, in der ein Assassine allein nicht ausreicht: im viktorianischen London kämpfen die Zwillinge Evie und Jacob Frye mit ihrer eigenen Gang, den Rooks, gegen die Unterdrückung durch die Templer und für die Freiheit des Volkes. Ubisoft bedient sich dabei der geballten Kompetenz seiner verschiedenen Studios, um beliebte Spielelemente mit neuen Ideen zu ergänzen – vor allem nach den großen Problemen mit Unity eine große Herausforderung.

Willkommen in London …

Kein Assassin’s Creed ohne ein paar wesentliche Elemente, wie ein actionreiches Kampfsystem und eine ausgereifte Parcours-Steuerung. Diese beiden Elemente haben bisher schon überzeugt und wurden nun für Syndicate nochmals überarbeitet. So wurden die Fights nicht nur herausfordernder, sondern können durch Kombo-Angriffe mit der Pistole wesentlich mehr Schaden anrichten. Auch die drei Waffenarten Kukri, Dolchstock und Schlagring haben ihre eigenen Eigenschaften und können dabei entweder tödlich oder betäuben wirken, wodurch man seinen eigenen Stil entwickeln kann.  Wie auch schon bei den Vorgängern können neben den Waffen auch neue Ausrüstungsgegenstände erworben oder hergestellt werden. Hierzu müssen wieder Materialien gesammelt, Baupläne gefunden und ein bestimmtes Level erreicht werden. Das führt zu einer spannenden Suche der Materialien und einem notwendigen Haushalten mit den Rohstoffen, das wirklich Spaß macht.

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Mit Rat und Tat zur Seite stehen einem dabei die vielen Gangmitglieder, die überall zu finden sind, und von denen man sich mit bis zu fünf Kameraden zusammenschließen kann, um den Gegnern stärker entgegentreten zu können. Sie können entweder gezielt auf Feinde gehetzt werden oder als Unterstützung dienen, wenn man selbst in den Kampf geht. Leider sind sie keine besonders guten Kämpfer und sterben daher sehr oft. Hier wäre ein bisschen mehr Unterstützung sinnvoll gewesen. Unterstützt werden kann die Gang dieses mal über die umgebaute Option des Städte-Upgrades. Das „Gang-Upgrade“ ermöglicht es, Geld und Rohstoffe einzusetzen, um Pubs zu kaufen, die Baufirma der feindlichen Kutschen zu bestechen oder die Polizei zu schmieren. Die Upgrades haben eine direkte Auswirkung auf das Spiel und können einem das Leben sehr erleichtern und zusätzlich ordentlich Geld in den hauseigenen Tresor spülen.

Apropos hauseigen: Das neue Versteck hat diesmal Räder, denn in Zeiten der industriellen Revolution gehört es dazu, sich mit einem Zug durch die Stadt zu bewegen. Wenn man nicht gerade einen auf „Wilden Westen“ macht und einen Zug überfällt, kann man in seinem eigenen die nächsten Missionen planen und unterwegs mit seinen Gefährten über neue Ziele und Entwicklungen sprechen. Das fahrende Versteck hat auch den Vorteil, dass man zügig in noch nicht erkundete Gebiete eindringen kann, sollte eine Schnellreise noch nicht verfügbar sein.

Auch die Bewegung durch die Stadt wurde um ein neues Feature erweitert. Der Spieler kann nun mit Hilfe eines Greifhakens rasch auf Gebäude klettern oder zwischen ihnen hin und her rutschen. Dadurch kommt man nicht nur schneller umher, sondern schafft so auch neue Attentatsmöglichkeiten, die einem oft helfen. Diese Neuheit steht den Zwillingen wirklich gut und fügt sich hervorragend in das Gesamtbild ein. Schnell hat man den Dreh raus und kann den Haken zu seinem Vorteil nutzen.

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Das Parcourssystem wurde auf dem aus „Unity“ bekannten System weiterentwickelt und verfügt wieder über die Tastenoptionen „Parcours nach oben“ oder „Parcours nach unten“. Das führt zwar mehr als im Vorgänger zu einer präziseren Steuerung mit gezielteren Bewegungsabläufen, allerdings kommt man immer wieder in Situationen, in denen die Figur nicht das macht, was sie soll. Mal geht sie nicht richtig in Deckung oder bleibt beim Klettern mittendrin hängen. Das nervt extrem und sollte noch verbessert werden.

Wer keine Lust hat, zu Fuß zu gehen, der hat die Möglichkeit, sich eine der unzähligen Kutschen zu klauen und mit ihr durch die Stadt zu fegen. Die Kutschen sind dabei unfassbar schnell, was bei der Größe der Karte auch gut ist, und lassen sich dennoch sehr präzise lenken. Darüber hinaus lassen sich die Wagen auch für praktische Zwecke nutzen. So kann man sich etwa im Inneren verstecken, Gefährten aus der Gang mitnehmen oder Gefangene in die Kutsche sperren, um sie einfacher ans Ziel zu bringen. Wird man angegriffen, kann man per Knopfdruck auf das Dach klettern und entweder auf andere Wagen springen, feindliche Truppen vom eigenen Wagen fernhalten oder sie mit der Pistole ausschalten. Hat man Gangmitglieder an Bord, steuern diese den Wagen dann sogar weiter Richtung Ziel. Hier hat sich Ubisoft wirklich Mühe gegeben und ein gelungenes System entworfen, das der Spieler durchaus für seine Zwecke nutzen kann.

Es können darüber hinaus auch wieder neue Fähigkeiten erworben werden, durch die man zum perfekten Killer werden kann. Darin liegt auch der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Hauptfiguren. Während Jacob eher der draufgängerische Typ ist und mit den Rooks die anderen Gangs aus London vertreiben will, schleicht Evie frei umher, um den Templern ihre Machtinstrumente, die Edensplitter, abzunehmen, um sie so zu schwächen. Daher verfügen beide Charaktere auch über ihre eigenen Fertigkeiten, auch wenn man diese erst nach einigem Üben beherrschen und anwenden kann. Bis zu diesem Punkt unterscheiden sich die Zwillinge nur marginal. Die Fertigkeiten an sich erweitern das Spiel um ein paar wirklich hilfreiche Aspekte und können einem das Leben sehr erleichtern, wodurch eine Planung der Ausgaben von Freischaltungen durchaus angebracht ist.

Damit Jacob sein Ziel erreichen und die anderen Gangs aus der Stadt vertreiben kann, gibt es in jedem Bezirk vier verschiedene Missionen, die es zu bewältigen gibt, ehe der jeweilige Boss des Gebietes erscheint und ausgeschaltet werden kann. Bei diesen Missionen handelt es sich eher um kleine Aufgaben, bei denen man zum Beispiel alle Feinde in einem Gebiet ausschalten oder eine bestimmte Person entführen und ausliefern muss. Diese Aufgaben fügen sich zwar gut in das Spiel ein, sind dabei aber kaum abwechslungsreich und beschäftigen einen auch nicht für eine sehr lange Zeit, je nachdem, auf welchem Level man sich befindet.

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Neben diesen Gangaufgaben lassen sich auch wieder zahlreiche Aufgaben von historischen Persönlichkeiten annehmen, wie etwa von Karl Marx, Charles Dickens oder William Graham Bell. Diese bringen einen zum Teil in der Geschichte weiter oder lassen einen noch mehr von ihrer historischen Bedeutung und ihrem weltgeschichtlichen Erbe spüren. Der Abschluss jeder dieser Aufgaben steigert den jeweiligen Solidaritätswert, den man bei der Person inne hat, wodurch man etwa neue Waffen oder Ausrüstungen freischalten kann. Diese Missionen machen nicht nur eine wahnsinnige Freude, sondern sie unterscheiden sich wie die Storymissionen von den Gangaufgaben und bringen so noch eine ganz Spur mehr Abwechslung ins Gameplay.

Ansonsten ist es ein Assassin’s Creed, wie man es kennt: Feinde und Freunde ausspähen per Adlerauge, auf Gebäude und Aussichtspunkte klettern und die Karte synchronisieren, Sammelobjekte und Truhen ausfindig machen und eben Feinde mehr oder weniger heimlich ausschalten. Was so emotionslos klingt macht aber nach wie vor ziemlich viel Spaß und wird durch die neuen Ideen wunderbar ergänzt. Wer sich hier über Ideenlosigkeit beschwert, der sollte sich die Frage stellen: „Wäre es ohne diese Elemente überhaupt noch ein Assassin’s Creed?“

Grafik, Sound und Atmosphäre …

Wer einmal in London war, der weiß: diese Stadt hat einiges zu bieten! Die Stadt sprüht geradezu vor unterschiedlichen Facetten und verschiedenen Menschen, die sich durch die Straßen pressen und ihrem eigenen Geschäft nachgehen. Das alles zeichnet sich vor einer einmaligen Umgebung ab, die durch weltberühmte Gebäude wie den Big Ben oder den Buckingham Palace ausgezeichnet wird und für eine einmalige Skyline sorgen. Genau dieses Ambiente will Ubisoft den Fans präsentieren, was ihnen auch wirklich gut gelingt. Die Gebäude der Stadt wurden mehr als überzeugend umgesetzt und unterscheiden sich nur geringfügig von ihren realen Vorbildern. Auch die Charaktermodelle wissen zu überzeugen und sehen sowohl in Zwischensequenzen, als auch im normalen Spielablauf mehr als ansprechend aus, was auch an der guten Auflösung und den vielen Details liegen mag. An jeder Ecke der Stadt gibt es etwas Neues zu entdecken, wodurch fast keine Straße der anderen gleicht.

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Leider trifft diese großartige Abwechslung nicht auf die Figurenmodelle der Feinde zu, denn diese sehen je nach Art ihrer Fertigkeiten aus wie Zwillinge. Das hat zur Folge, dass man den selben Gegner mehrere hundert Male tötet, nur um den nächsten gleichen Gegner ebenfalls zu erledigen. Hier hätte man ein wenig mehr Arbeit hineinstecken und etwas mehr Abwechslung erwarten können. Gemeinsam mit der tollen und detailreichen Grafik sorgt auch der weitgehend positive Sound für eine überaus ansprechende Atmosphäre. Die Synchronisation der wesentlichen Figuren ist gut gelungen, allerdings wurden nicht alle Bürger übersetzt, weshalb man auf der Straße einen Mix aus Englisch und Deutsch wahrnehmen kann. Darüber hinaus wiederholen sich viele Zwischenkommentare sehr oft. Das ist etwas schade, stört allerdings auch nicht besonders. Im Gesamten wurde an der Darstellung und Dynamik der Bürgerinnen und Bürger gearbeitet, wodurch es hiervon weniger auf den Straßen gibt. Das führt dazu, dass die Straßen nicht überlaufen sind und die Hardware ihre Leistung gezielter einsetzen kann. Dadurch werden einige Fehler aus „Unity“ vermieden. Auch reagieren die Mitbürger nicht mehr alle individuell auf das jeweilige Verhalten, wodurch keine Überlastung erfolgt.

Abseits der Grafik sorgt aber auch die Story für einige merkwürdige Momente. So hat Jacob bereits bei seinem Eintreffen in London schon eine Crew hinter sich, obwohl er noch nicht einmal fünf Minuten in der Stadt ist. Man fragt sich, wie er so schnell sein Ziel erreichen konnte…. Auch die Gegenwarts-Story um Rebecca Crane und Shawn Haistings hätte etwas mehr Einfallsreichtum und Liebe gebraucht, denn die präsentierte Lösung in Form von reinen Zwischensequenzen stört den Spieler eher und sorgt für wenig spannende Momente. Wirklich schade, denn gerade diese Elemente standen den vorherigen Spielen besonders gut.

Positiv angemerkt werden muss, dass „Syndicate“ in Verbindung mit den anderen Teilen steht. So begibt man sich etwa auf die Spuren von Edward Kenway und anderen bekannten historischen Figuren. Diese besonderen Missionen sorgen für eine grandiose Atmosphäre, in der man allen Figuren wesentlich näherkommen kann und so mehr über ihre persönlichen Ansichten und Vorhaben lernt.  Dazu gehören auch die geschwisterlichen Sticheleien, die sich Evie und Jacob liefern. Die beiden sind nur selten einer Meinung, wissen aber genau, wie sie miteinander umzugehen haben. Sie arbeiten hervorragend Hand in Hand, ebenso wie man jederzeit zwischen beiden Figuren tauschen kann.

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Leider ist aber auch „Assassin’s Creed Syndicate“ nicht ganz frei von Bugs, denn auch beim aktuellen Teil kommt es zu Fehlern, falschen Elementen und Co. Manchmal fällt man halt durch Böden oder es tauchen Personen aus Wänden auf. Diese Fehler sind zwar absolut nicht mit dem Debakel aus „Unity“ zu vergleichen, stören aber doch immer mal wieder den Gesamteindruck. Wofür das Team von Ubisoft definitiv aber ein Händchen hat, das ist der gezielte Einsatz vom Soundtrack. Dieser unterstreicht die jeweiligen Situationen mehr als gekonnt und sorgt so für eine wirklich gute Stimmung.

Alles in allem gelingt Ubisoft mit „Assassin’s Creed Syndicate“ wieder eine gelungene Umsetzung und Atmoshphäre. Die Hauptstory geht dabei zwar nicht so Hand in Hand mit den interessanten Handlungen der historischen Figuren wie man es sich vielleicht wünschen würde, dafür untermalt die ansprechende Atmosphäre das Gesamtbild. Besonders die gute grafische Darstellung von London sticht hierbei positiv heraus. Ob die im Vergleich zum Vorgänger nun weniger belebten Straßen als positiv oder negativ zu betrachten sind, dass sei mal dahingestellt.

Entwickler: Ubisoft
Publisher: Ubisoft
Release: erhältlich
Offizielle Homepage: www.assassinscreed.ubi.com

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TEST: Assassin´s Creed Syndicate – London ruft nach euch!
"Nach den großen Problemen zum Start des Vorgängers „Assassin’s Creed Unity“ lastete eine Menge Druck auf dem Team von Ubisoft, weil man sich mit Sicherheit nicht nochmal diese Blöße geben wollte. Daher hat man sich diesmal besonders ins Zeug gelegt und mit „Syndicate“ wieder ein Spiel bei der Hand, das direkt vom Start an Spaß macht. Die gute Grafik und die ansprechende Atmosphäre untermalen eine größtenteils mitreißende Story, mit der man sich gerne beschäftigt, auch wenn sie nicht mit den Geschichten etwa von Ezio oder Altair mithalten kann. Auch die neuen Gameplay-Elemente, wie der Seilwerfer oder die Kutschen, stehen den Zwillingen wirklich gut und machen eine Menge Spaß, auch wenn man hier nicht von Meilensteinen der Seriengeschichte sprechen kann. Der Titel ist auch zwar nicht völlig frei von Fehlern, aber diese lassen diesmal locker verkraften. Im Gesamten ein neuer gelungener Ableger der Assassinen-Saga, der mit neuen Ideen und alten Werten versucht zu begeistern."
8.5