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TEST: Binary Domain – Roboter gegen Menschen
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TEST: Binary Domain – Roboter gegen Menschen

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Morgen erscheint SEGAs Binary Domain in Europa, das bereits seit Monaten als kleiner Geheimtipp in diesem Frühjahr gilt. Nicht zuletzt dadurch, dass Toshihiro Nagoshi hinter dem Projekt steht, der für diverse Hits bei SEGA sorgte, darunter die Yakuza-Serie.

Binary Domain schickt euch ins Jahr 2080, eine Zeit, die bereits hoch technologisiert ist und in denen Menschen und Roboter zusammenleben. Das 21. Jahrhundert war katastrophal für die Erde. Durch die Erwärmung stieg der Meeresspiegel an und überflutete die meisten Großstädte. Die einzige Lösung war es, neuen Wohnraum zu erschaffen. Dieser sollte über den Dächern der alten Welt entstehen, die somit zum Fundament wurde.

Da so ein Unterfangen keine leichte Aufgabe ist, erschufen die Menschen intelligente Roboter, die dabei helfen sollten, die neue Welt zu erschaffen. Die alleinige Entwicklung und Produktion dieser Roboter wird weltweit durch nur einen Konzern kontrolliert – der Firma ‚Bergen‘. Der Ehrgeiz bei der Erschaffung war dabei so groß, dass die Roboter mit der Zeit immer menschenähnlicher wurden und irgendwann nicht mehr zu unterscheiden waren. Irgendwann waren die Roboter so weit entwickelt, dass diese selbst nicht mehr glaubten Roboter zu sein und selbst Gefühle, Schmerzen und menschliche Verhaltensmuster imitierten. Um noch eine klare Linie zwischen Menschen und Robotern zu ziehen, verbot man deren Entwicklung und nannte sie ‚Die Seelenlosen‘. Der Ur-Schöpfer ließ sich durch solche Verbote allerdings nicht aufhalten und forschte nach seinem „Verschwinden“ weiter, sodass die Seelenlosen rund 40 Jahre unerkannt unter den Menschen weiterleben konnten.

Dies wäre vermutlich auch nie aufgefallen, hätte nicht einer dieser hochentwickelten Seelenlosen eine eigene Denkweise entwickelt und versucht den Präsidenten zu töten. Das rief nun die ‚R.U.S.T-Crew‘ auf den Plan, die im Auftrag der Vereinten Nationen und den Gesetzen der neuen Genfer Konventionen nach dem Schöpfer der Roboter suchen und ihn verhaften sollen. So führt der Weg nach Tokyo, das sich inzwischen in eine obere und untere Ebene gespalten hat – alte und neue Welt. Die obere Ebene wird von den Konzernen und jenen bevölkert, die sich das leisten können, während die untere Ebene von der niedrigen Bevölkerung und japanischen Mafia kontrolliert wird.

Binary Domain bietet eine Story, die sowohl eine moderne Version der Zukunft zeigt, als auch gleichzeitig ihre Schattenseiten. Roboter, die sich über die Menschen hinwegsetzen, selbstständig handeln, töten und sich selbst nicht mehr für Roboter halten. Hiermit hat SEGA ein unglaublich interessantes Thema aufgegriffen, das darüber hinaus auch sehr authentisch erzählt wird.

Gleich zu Beginn des Spiels wird man mit einem innovativen Feature konfrontiert, dem Voice Link. Damit habt ihr im Spiel die Möglichkeit, direkt mit den NPCs und euren Teammitgliedern zu kommunizieren. Auch wenn diese soweit selbstständig handeln können, habt ihr jederzeit die Möglichkeit ihnen Befehle zu erteilen. Das eignet sich besonders gut in Momenten, wo man dringend Unterstützung braucht und sonst auf die KI hoffen muss. Springt diese nicht sofort ein, könnt ihr sie mithilfe des Voice Link dazu auffordern. Das reicht von Angriffsbefehlen, über das Anfordern einer Deckung, Hilfe herbei rufen bis hin zum Führen lockerer Gespräch und Witze. Euch steht immer eine Auswahl von verschiedenen Standardbefehlen zur Verfügung, auf die dann individuell reagiert wird. Die Erkennung eurer Befehle hängt allerdings von einem guten Headset und dessen Konfiguration ab, die man zuvor über das Menü einstellen und abstimmen sollte. Ohne diese Feinabstimmung klappt das zunächst nicht immer und manche Unterhaltungen verlaufen recht unkontrolliert oder wirken ungünstig übersetzt. Dafür erlernt das Spiel eure Befehle, um sie mit der Zeit besser und schneller erkennen zu können.

Das Gameplay von Binary Domain setzt auf ein Run & Cover-System, das am ehesten wohl mit Gears of War zu vergleichen ist. Das macht es leicht in den hektischen Momenten den Überblick zu behalten, sich schnell hinter Deckungen zu verstecken und gekonnt auszuweichen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist am Anfang die Tastenbelegung. So ist beispielsweise in Deckung gehen oder über eine Deckung springen auf X, möchte man allerdings auf eine Erhöhung klettern, muss man wiederrum O drücken. Im Eifer des Gefechts kommt hier schon mal etwas Verwirrung auf. Eure Gegner, die hauptsächlich aus verschiedenen Robotertypen bestehen, kämpfen bis zum bitteren Ende und lassen selbst dann nicht locker, wenn sie bereits halb zerlegt wurden. Auf Händen zu euch kriechend, klammern sie sich noch an eure Beine und versuchen euch mit in die Luft zu sprengen. Im Ganzen ist das Gameplay aber sehr dynamisch und flüssig gestaltet, welches ein optimales Tempo für einen Shooter vorlegt. Spannende Action, ruhige Passagen und Abwechslung von der ersten Minute an.

Zusätzlich hat man ein kleines Level-System integriert, das euren Fähigkeiten und eurer Ausrüstung dient. Statt auf ein umfangreiches und unübersichtliches Arsenal von Waffen zu setzen, besitzt ihr standardmäßig ein Maschinengewehr und eine Pistole. Diese lassen sich an diversen Shop-Automaten weiter verbessern und Aufrüsten. Das gilt auch für eure Rüstung, die euch vor mehr Schaden bewahrt oder ihr schneller reagieren könnt, und eure Teammitglieder, die sich ebenfalls weiter ausstatten lassen. Zusätzlich finden sich im gesamten Spiel weitere Waffen, die ihr temporär nutzen könnt. Darunter die Maschinengewehre der Gegner , Granaten oder Stinger-Raketen, mit denen ihr ganze Kriegsschiffe vom Himmel pusten könnt oder stark gepanzerte Endgegner bezwingen, die mit brachialer Gewalt hin und wieder euren Weg kreuzen.

Das Gameplay und euer gesamtes Verhalten im Spielt wird vom sogenannten ‚Consequenz-System‘ überwacht und ausgewertet. Im Grunde ist dies ein weiterentwickelter Schritt einer künstlichen KI, die individuell auf euer Verhalten reagiert. Dabei werden unter anderem eure Leistungen im Kampf, aber auch das soziale Untereinander im Team mit einbezogen. Grundsätzlich müsst ihr untereinander vertrauen, was aber durch ‚Friendly Fire‘ oder unangebrachte Gespräche oder Äußerungen gegenüber eurer Teammitglieder gestört werden kann. Trefft ihr, wenn auch versehentlich, einen Teamkameraden, sinkt das Vertrauen in euch. Reißen diese einen lockeren Witz und ihr kontert mit Worten wie zum Beispiel „Fick Dich“, wächst ebenfalls der Zweifel an euch. Misstraut euch euer eigenes Team, steht ihr im Kampf alleine da und eure Befehle werden missachtet oder noch schlimmer, ihr werdet verraten.

Grafisch macht das Spiel von der ersten Minute an einen guten Eindruck und orientiert sich nicht wie andere Shooter in jüngster Zeit an einem leichten Comic-Look. Es werden kontrastreiche Settings geboten, die von einer typisch japanischen und sterilen Häuserfront aus Beton, über hochmodernen Roboterfabriken und Technologiezentren, bis hin zu den knallbunten Unterwelt-Slums reicht, die ebenso typisch für Japan sind. Immer wieder werden eure Streifzüge durch die Stadt mit kleineren In-Game Zwischensequenzen aufgelockert, die schon fast filmreif in Szene gesetzt wurden und mit teils aufwendigen Animationen protzen. Die einzelnen Charaktere sind dabei unglaublich detailliert erschaffen worden, was sich vom Charakter-Design, über die realistisch wirkenden Augen bis zu den gesamten Gesichtsanimationen erstreckt. Manchmal wirkt es ein wenig plastisch und wie Actionfiguren, die übers Schlachtfeld rennen. Besonders durch diese kleinen Schritte mit denen sich euer Team fortbewegt. Gelegentlich sind uns auch kleinere Clipping-Fehler aufgefallen, die man heutzutage jedoch verkraften kann.

Wem der Singleplayer-Modus nicht ganz reicht, darf sich noch in Multiplayer-Schlachten stürzen, der insgesamt sieben unterschiedliche Spielmodi bietet. Vom einfachen Team-Deathmatch, Invasions-Modus oder Datenklau wird hier alles geboten und bietet Abwechslung.

Fazit

„Binary Domain hält das, was sich bereits in unserer Vorschau andeutete. Zwar erfindet auch SEGA das Shooter-Genre nicht völlig neu, kann sich dafür aber mit coolen Ideen vom Rest abheben. Die Japaner zeigen mit Binary Domain, dass das Shooter-Genre nicht gänzlich westlichen Entwicklern vorbehalten ist. Euch erwartet eine von vorne bis hinten spannende Story, die für einen Shooter ein angenehmes Tempo und immer mal wieder wahre Highlights zu bieten hat. Weiterhin verfolgt man kleine Ansätze einer filmischen Erzählung, teils mit sehr dramatischen Ereignissen. Optisch darf man sich auf eine tolle Präsentation freuen, beeindruckende Battles mit riesigen Roboter-Gegnern und eine authentische Erzählweise. Selbst die Synchronsprecher sind in der deutschen Version gut gewählt. Das japanische Feeling wird zudem mit der original japanischen Synchronisation unterlegt, die alle Einwohner sprechen und die nur in Deutsch untertitelt wurden. Die Voice-Link Funktion oder zumindest die Übersetzung hätte unserer Meinung nach ein bisschen mehr Feinschliff benötigt. Im Gesamten ist Binary Domain aber ein unterhaltsames Komplettpaket, das definitiv jeden Cent wert ist.“

Entwickler: SEGA
Publisher: SEGA
Release: 24. Februar 2012
Offiielle Homepage: binarydomaingame.com

SEGA
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