TEST: Denshattack! – Züge als Symbol des Widerstands

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Dennis Giebert
Seit 2012 bei PlayFront und die Instanz für alles, was Grusel oder Retro-Charme versprüht. Dennis Giebert liefert fundierte Reviews und Previews mit Fokus auf Horrorspiele und...
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Züge, Tricks und pure Dreamcast-Nostalgie: Denshattack! im Test. Ob das rasante Arcade-Rennspiel im futuristischen Japan spielerisch überzeugt, erfährst du hier.

Denshattack
8
Review Overview

Mit Denshattack! veröffentlicht Entwickler Undercoders ein Arcade-Rennspiel, das sofort den Eindruck eines Dreamcast-Throwbacks vermittelt. Sowohl beim Gameplay als auch bei Grafik und Soundtrack lassen sich deutliche Parallelen zu Spielen wie Jet Set Radio sowie neueren Vertretern wie Hi-Fi Rush erkennen. Ob das Spiel, in dem ihr mit Zügen durch ein futuristisches Japan rast, mehr zu bieten hat als reine Nostalgie, erfahrt ihr in unserem Test.

Widerstand auf alten Schienen

Denshattack! spielt in einem Japan der Zukunft. Eine Klimakatastrophe hat das Land in zwei voneinander getrennte Gesellschaftsschichten gespalten. Während die wohlhabenden Bewohner in luftgereinigten Kuppelstädten leben, die durch unterirdische Vakuumzüge miteinander verbunden sind, versucht die ärmere Bevölkerung, sich das Japan außerhalb dieser abgeschotteten Metropolen zurückzuerobern.

Hier sind auch die sogenannten Denshattacker unterwegs. Sie befahren die alten und verlassenen Schienen des Landes mit ihren grell gestalteten Zügen, schließen sich zu Gangs zusammen und tragen ihre Rivalitäten in waghalsigen Rennen und spektakulären Trickduellen aus.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Lieferantin Emi. Durch eine schicksalhafte Begegnung mit dem Journalisten Fernando wird sie selbst zu einer Denshattackerin. Im Verlauf ihrer Reise baut sie ihre Fähigkeiten aus, tritt gegen verschiedene Banden an und kämpft sich, Shounen-Plot-typisch, langsam bis an die Spitze der Szene vor.

Mit einem Zug durch die Halfpipe

Als Spieler kontrolliert ihr Emis Zug und versucht, die einzelnen Kurse möglichst schnell und fehlerfrei abzuschließen. Gleichzeitig reiht ihr Tricks aneinander, erfüllt optionale Ziele und sammelt Gegenstände, mit denen ihr neue Dekorationen für euren Zug freischaltet.

Emi kann zwischen nebeneinander verlaufenden Schienen wechseln, auf zusätzlichen Gleisen grinden, durch Kurven driften, an Wänden entlangfahren und ihren Zug in der Luft drehen. Die unterschiedlichen Manöver lassen sich miteinander kombinieren, wodurch längere Trickreihen und entsprechend höhere Punktzahlen entstehen.

Für das Abschließen der Kurse werden Medaillen vergeben, deren Rang von eurer Leistung abhängt. Die meisten Strecken dauern beim ersten Versuch nicht länger als zwei bis drei Minuten. Anfangs solltet ihr euch allerdings weniger auf möglichst lange Kombinationen und stärker auf einen sauberen Durchlauf konzentrieren. Jede Kollision und jeder misslungene Sprung können euch zum letzten Kontrollpunkt zurücksetzen und dadurch wertvolle Zeit kosten.

Gelegentlich lässt sich auch der Streckenverlauf mit der Hupe des Zuges beeinflussen. Dadurch könnt ihr beispielsweise Felsen oder Glasscheiben zerstören. An anderen Stellen wählt ihr durch eine Richtungseingabe zwischen mehreren Schienen und schlagt damit eine alternative Route ein.

Da die Rennen grundsätzlich auf festgelegten Strecken stattfinden, erzielt ihr die größten Zeitverbesserungen zunächst durch fehlerfreies Fahren und eine bessere Kenntnis des jeweiligen Kurses. Vereinzelt gibt es jedoch besonders riskante Sprünge, mit denen ihr von einer Schiene auf eine andere wechseln und dadurch ganze Abschnitte überspringen könnt.

Während meiner Spielzeit gelangen mir solche Abkürzungen allerdings nur zwei- oder dreimal. Für einen normalen Abschluss der Kampagne sind sie nicht notwendig. Interessant werden sie primär für Spieler, die sich auf den Bestenlisten platzieren oder intensiver mit Speedruns beschäftigen möchten.

Nicht jeder Sprung landet auf den Schienen

Probleme hatte ich vorwiegend mit einigen Sprüngen. Besonders auf vertikalen Schienen wird Emi weit in die Luft katapultiert. Dadurch bietet sich die Gelegenheit, zahlreiche Tricks aneinanderzureihen und entsprechend viele Punkte zu sammeln.

Das Spiel verleitet euch dabei dazu, im letzten Moment noch einmal abzuspringen, um zusätzliche Höhe und damit mehr Zeit für die laufende Kombination zu gewinnen. Erfolgt dieser Absprung jedoch in einem ungünstigen Winkel, kann Emi so weit in die Luft geschleudert werden, dass sie nicht mehr auf die Strecke zurückkehrt.

In diesem Fall bleibt nur das Zurücksetzen zum letzten Kontrollpunkt. Das ist besonders ärgerlich, wenn ihr zuvor eine gute Zeit oder eine lange Trickkombination aufgebaut habt. Solche Situationen traten während meines Durchlaufs zwar nicht ständig auf, fühlten sich aber weniger wie ein nachvollziehbarer Fehler und eher wie ein Problem mit der Bewegungsphysik an.

Mehr als 50 kurze Herausforderungen

Denshattack! umfasst mehr als 50 Levels, die mit unterschiedlichen Aufgaben daherkommen. Ihr könnt euch unter anderem auf Rennen gegen rivalisierende Banden, freie Missionsaufgaben, optionale Nebenaufgaben und zahlreiche Sammelobjekte einstellen.

Die eigentliche Spielschleife besteht jedoch aus dem Erlernen neuer Tricks und Techniken sowie der Rückkehr in bereits abgeschlossene Levels. Mit zunehmender Erfahrung könnt ihr eure Zeiten verbessern, höhere Punktzahlen erzielen und alternative Routen verwenden, die beim ersten Besuch noch zu schwierig waren.

Die kurzen Strecken eignen sich gut für wiederholte Versuche. Nach einem misslungenen Lauf könnt ihr direkt neu starten und versuchen, die entscheidenden Sekunden an einer bestimmten Stelle einzusparen. Denshattack! richtet sich daher vor allem an Spieler, die Freude daran haben, ihre eigenen Leistungen schrittweise zu verbessern.

Wer hingegen lediglich die Geschichte erleben und jeden Kurs nur einmal absolvieren möchte, nutzt einen großen Teil des Spielsystems kaum aus. Die Kampagne lässt sich zwar auch ohne die Jagd nach Bestzeiten abschließen, ihre größte Stärke entwickelt Denshattack! aber erst beim wiederholten Spielen.

Geschwindigkeit auf Kosten der Übersicht

Das größte Problem besteht für mich in der Lesbarkeit der Strecken. Durch seine farbenfrohe Präsentation tut Denshattack! sein Möglichstes, Schienen, Hindernisse und Richtungswechsel frühzeitig hervorzuheben. In Verbindung mit der hohen Geschwindigkeit und den zahlreichen Effekten blieben viele Streckenabschnitte für mich dennoch schwer zu erfassen.

Gerade beim ersten Durchlauf war nicht immer rechtzeitig zu erkennen, ob ein Sprung, ein Schienenwechsel oder eine andere Aktion erforderlich war. Mit zunehmender Kenntnis der Strecke wurde dieses Problem zwar geringer, vollständig verschwand es jedoch nicht.

Das Lernen der Kurse gehört grundsätzlich zum Spielprinzip. Dennoch sollte ein Fehler möglichst dadurch entstehen, dass ihr falsch reagiert oder einen Trick nicht sauber ausführt. In einigen Passagen scheitert ihr allerdings eher daran, dass wichtige Informationen zwischen den Farben, Geschwindigkeitslinien und Partikeleffekten untergehen.

Denshattack! bewegt sich dadurch stellenweise auf einem schmalen Grat zwischen anspruchsvollem Streckendesign und unnötigem Auswendiglernen. Wer bereit ist, einzelne Abschnitte mehrfach zu spielen, wird sich daran wahrscheinlich weniger stören. Bei einem ersten Durchlauf kann die eingeschränkte Übersicht jedoch frustrierend sein.

Zurück in die Dreamcast-Ära

Grafisch orientiert sich Denshattack! sehr stark an Spielen aus der Dreamcast-Ära beziehungsweise an Titeln wie Jet Set Radio und Auto Modellista. In den Zwischensequenzen werden die Figuren eher kantig und blockartig präsentiert, während die Rennen von kräftigen Farben, Graffiti und zahlreichen Effekten geprägt sind.

Diese Präsentation passt gut zur energiegeladenen Ausrichtung des Spiels. Denshattack! versucht nicht, ein glaubwürdiges Japan der Zukunft darzustellen. Stattdessen wirkt die Spielwelt wie eine überzeichnete Mischung aus Anime und Straßenkultur.

Musikalisch orientiert sich das Spiel ebenfalls an seinen Genrevorbildern vergangener Tage. Der Soundtrack lässt sich vor allem zwischen Punk, Funk, elektronischer Musik und Y2K-Hip-Hop einordnen. Die Musik passt ausgezeichnet zum hohen Spieltempo und unterstützt den Flow, der entsteht, wenn ihr ohne Unterbrechung durch eine Strecke rast und mehrere Tricks miteinander verbindet.

Grafik und Musik gehören damit zu den größten Stärken des Spiels. Die verschiedenen Vorbilder sind jederzeit zu erkennen, trotzdem entwickelt Denshattack! eine eigenständige Identität. Es wirkt nicht wie eine reine Kopie von Jet Set Radio, sondern überträgt dessen Stil und Energie auf ein ungewöhnliches Arcade-Rennspiel.

Gta Pre Order Release
Denshattack
Review Overview
8
Criteria 8.0
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