TEST: Directive 8020 – Paranoia-Horror auf Tau Ceti f

Directive 8020 im Test: Warum der Sci-Fi-Horror die Dark Pictures Anthology revolutioniert. Alles zu Gameplay, Grafik und der neuen Paranoia-Mechanik.

Lukas Author 2026
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Lukas Neumann
Als "Padawan" von Niklas begleitet Lukas Neumann das PlayStation-Ökosystem bei PlayFront. Er hinterfragt kritisch Grafik-Exzesse und AAA-Budgets, um eine ehrliche Perspektive auf aktuelle Gameplay-Konzepte und die...
Directive 8020 Reviews
7.9
Review Overview

Supermassive Games tauscht Teenie-Slasher gegen eiskalte Sci-Fi-Paranoia und liefert mit „Directive 8020“ eine spielerische Evolution, die das Franchise dringend nötig hatte. Neue Stealth-Mechaniken heben den interaktiven Film auf ein neues technisches Niveau, das wir in unserem Test näher beleuchten.

„Directive 8020“ ist weit mehr als nur „The Thing“ im Weltraum. Es ist der Versuch, die etwas festgefahrene Formel der Anthology durch echtes Gameplay und technische Upgrades zu modernisieren. Nach den eher durchwachsenen Reaktionen auf die späteren Teile der ersten Season markiert dieser Titel einen harten Schnitt. Weg von den verlassenen Städten und Geisterschiffen, hin zu einem sterbenden Kolonieschiff namens Cassiopeia, zwölf Lichtjahre von der Erde entfernt. Der Horror entsteht hier nicht durch Jump-Scares, sondern durch den totalen Identitätsverlust.

Die Evolution des interaktiven Films

Der Kern des Spiels bleibt die Erzählung, aber das „Wie“ hat sich drastisch verändert. Wer die bisherigen Teile kennt, weiß, dass man sich oft wie ein passiver Beobachter fühlte, der ab und zu einen Knopf drückt. Damit ist jetzt Schluss. Die Einführung von Echtzeit-Bedrohungen und aktiven Stealth-Mechaniken verändert das Tempo erheblich. Man schleicht durch dunkle Gänge, nutzt eine Taschenlampe, die Fluch und Segen zugleich ist, und muss aktiv mit der Umgebung interagieren.

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Die Taschenlampe ist hierbei ein hervorragendes Beispiel für gutes Game Design im Horror-Genre. Sie spendet das nötige Licht, um in der Dunkelheit der Cassiopeia überhaupt etwas zu sehen, aber sie verrät sofort die eigene Position. Wer sie im falschen Moment anlässt, unterschreibt sein Todesurteil. Das zwingt den Spieler in eine ständige Abwägung zwischen Orientierung und Sicherheit. Es erzeugt genau die Art von Stress, die man in einem Deep Space-Szenario erwartet.

Ein weiteres Werkzeug ist der Scanner. Er erlaubt es, elektrische Systeme fernzusteuern oder Gegner zu orten. Das bringt eine taktische Note ins Spiel, die man so bisher nur aus Titeln wie „Alien: Isolation“ kannte, was das Feeling in „Directive 8020“ sehr gut einfängt. Dass Supermassive diese Anleihen nimmt, zeigt, dass sie den Wünschen der Spieler tatsächlich entgegenkommen.

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Das Monster in der Mailbox

Das größte Highlight und gleichzeitig die fieseste Mechanik ist der außerirdische Organismus selbst. Er nimmt die Gestalt seiner Beute an. Das ist storytechnisch ein Klassiker, wird hier aber spielerisch brillant umgesetzt. Es kommt vor, dass man Nachrichten über das Messengersystem von zwei verschiedenen Konten derselben Person bekommt. Wer ist das Original? Wer die Kopie?

Diese Paranoia überträgt sich direkt auf den Spieler. Wenn man plötzlich vor zwei identischen Crewmitgliedern steht und eine Entscheidung treffen muss, geht es nicht mehr nur um Moral, sondern um Beobachtungsgabe. Hat sich die Person vorher komisch verhalten? War die Nachricht im Messenger passend zum Charakter? Hier greifen die neuen Dialogsysteme und die Charakterentwicklung ineinander, wobei es oft auf Nuancen hinausläuft. Die Crewmitglieder verändern sich basierend darauf, wie man sie spielt. Wer Brianna Young, gespielt von Lashana Lynch, als harte Anführerin positioniert, wird feststellen, dass ihre Interaktionen mit der Crew im Verlauf des Spiels distanzierter, aber vielleicht auch effektiver werden.

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Die Charaktermodelle und die Mimik profitieren dabei enorm von der neuen Engine. Die Gesichter wirken lebendiger, auch wenn die Synchronisation in der deutschen Fassung noch immer mit Asynchronitäten zu kämpfen hat. Ein Problem, das Supermassive Games seit „Until Dawn“ mit sich schleppt. Das reißt einen manchmal aus der Immersion, wird aber durch die dichte Atmosphäre meist wieder aufgefangen.

Technische Finesse und spielerische Freiheit

Technisch macht „Directive 8020“ einen gewaltigen Satz nach vorn. Die Unreal Engine 5 sorgt für Beleuchtungseffekte, die die Enge des Raumschiffs perfekt einfangen. Der Dualsense-Controller der PS5 wird dabei so intensiv genutzt wie in kaum einem anderen Third-Party-Titel. Das haptische Feedback beim Benutzen des Wedge-Tools oder das Pochen des Herzschlags in Stresssituationen direkt in den Händen zu spüren, verstärkt das Gefühl des Ausgeliefertseins.

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Besonders lobenswert ist die Entscheidung, die Linearität etwas aufzubrechen. Die Umgebungen sind weitläufiger als in „Little Hope“ oder „House of Ashes“. Es gibt mehr zu entdecken, mehr Lore zu finden. Allerdings lauert hier auch eine Gefahr: Die Sammelobjekte verraten manchmal zu viel. Wer zu fleißig sucht, kann sich die großen Twists schon im ersten Drittel zusammenreimen. Das nimmt der Geschichte etwas von ihrer Wucht, da die Lore-Puzzleteile die Identität des Aliens fast schon zu früh entlarven.

Ein weiterer Punkt, der in der Community sicher für Diskussionen sorgen wird, ist das neue Turningpoint-System mit der Rewind-Funktion. Bisher war der Tod eines Charakters final. Wer einen Fehler machte, musste mit den Konsequenzen leben. Jetzt kann man zurückspringen und Szenen wiederholen. Das nimmt zwar den extremen Druck vom Kessel, macht das Spiel aber für eine breitere Masse zugänglich. Wer den Hardcore-Kick will, kann die Funktion natürlich ignorieren. Aber ihre bloße Existenz verändert die Wahrnehmung des Risikos.

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Die Schattenseite der Kolonisierung

Trotz aller Begeisterung gibt es Kritikpunkte, die man nicht ignorieren darf. Das Pacing im ersten Drittel ist sehr gemächlich. Es dauert eine ganze Weile, bis die Bedrohung wirklich greifbar wird. Für Spieler, die sofort Action wollen, könnte der Einstieg zu zäh sein. Die erste Stunde verbringt man viel mit technischem Geplänkel und dem Kennenlernen der Crew. Das ist wichtig für die Bindung zu den Charakteren, bremst den Horror-Faktor aber zunächst aus.

Dennoch überwiegen die positiven Aspekte. Die Rätsel zum Türöffnen oder Hacken von Systemen sind zwar simpel gehalten, lockern den Spielfluss aber angenehm auf. Sie wirken nie wie Fremdkörper, sondern fügen sich logisch in das Setting eines beschädigten Raumschiffs ein. Die logischen Anschlüsse zwischen den einzelnen Szenen sind zudem deutlich sauberer als in den Vorgängern. Es gibt kaum noch diese typischen „Hüpfer“ in der Erzählung, bei denen man sich fragt, wie ein Charakter von A nach B gekommen ist.

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Directive 8020 Reviews
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7.9
Criteria 7.9
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