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TEST: Ghostwire Tokyo – Technik-Spektakel in der japanischen Mythologie

Das Leben endet mit dem Tod! Oder auch nicht, wie uns Ghostwire Tokyo von Tango Gameworks belehrt. Insbesondere in der japanischen Mythologie gilt der Tod nur als ein Schritt in die nächste Phase des Bewusstseins, während man seine physische Präsenz abstreift.

Dies nimmt Tango Gameworks als Grundlage für eine paranormale Geschichte, in der man mit Ghostwire Tokyo aufzeigt, dass nicht immer alles nur gut ist, was aus dem Jenseits zurückkehrt. War es jemals anders? Ob man damit die Spieler genauso in den Bann ziehen kann, wie der gruselige Nebel im Spiel, erfahrt ihr in unserem Vorab-Review.

Die unheimlichen Besucher

Ghostwire Tokyo spielt wenig überraschend in der gleichnamigen Stadt im Herzen von Japan. Alles beginnt damit, dass ein unheimlicher Nebel die Stadt umhüllt und für die sogenannten Besucher ein Portal öffnet, um in die physische Welt zurückzukehren und die verbliebenen Seelen zu ernten. Diese ersten Minuten lassen es einem eiskalt den Rücken runterlaufen, wenn man sieht, welche unheimlichen Gestalten da aus dem Nebel treten. Ein Mädchen in typisch japanischer Schuluniform aber ohne Kopf, ein edel gekleideter Mann ohne Gesicht oder ein mysteriöses Kind im Regenmantel, das scheinbar spielend durch die Straßen hüpft, während sein Lachen alles andere als fröhlich erscheint. Das Interesse ist damit sofort geweckt und man folgt gespannt den spektakulären Szenen auf dem Bildschirm.

Ghostwire Tokyo review
Die Besucher treten aus dem Nebel

Als Spieler schlüpft man in die Rolle von Akito, ein scheinbar zufällig gewählter Mann, der von einer Präsenz namens KK vereinnahmt wird. Beide verfolgen ihre eigene Agenda, müssen aber zusammenarbeiten, um ihre Ziele zu erreichen. Während Akito das Schicksal seiner verschwundenen Schwester verfolgt, ist es im Interesse von KK, die unheimlichen Vorgänge in Tokyo aufzudecken und damit das Leben seiner Familie und der Bewohner Tokios zu retten. Dazu profitiert Akito von übersinnlichen Fähigkeiten, die ihm KK verleiht, während jener den Körper von Akito braucht, um in der realen Welt zu existieren. Ein Symbiose, die für beide Leben oder Tod bedeuten kann.

Ganz so dramatisch wirkt die rund 10-stündige* Story jedoch nicht, wenn man sich nur auf die Hauptmissionen konzentriert. Das liegt unter anderem daran, dass sich Akito und KK jede Menge zu erzählen haben. Unentwegt wird alles kommentiert, was man in der Stadt sieht und erlebt, einschließlich Tonnen an japanischer Begriffe, die einem hier um die Ohren fliegen. Da gehen wirklich wichtige Dinge auch einfach mal unter, plus “erschwerend”, dass sie sich in japanisch unterhalten. Zwar wird auch eine deutsche Synchronisation geboten, der Authentizität halber sollte man darauf aber verzichten. Am Ende steht hier eine interessante japanische Geistergeschichte, die deren Mythen auf spannende Weise aufgreift und einem näher bringt. *Dazu sollte man unbedingt auch die Nebenmissionen absolvieren, die die Hauptgeschichte mal wirklich sinnvoll ergänzen und euch nicht nur auf Sammelaufgaben oder ähnliches schicken. Vielmehr kann man hier detektivische Fälle lösen, den ein oder anderen Yokai ausfindig machen und die Spielzeit damit auf mindestens das Doppelte ausfüllen. Laut Tango Gameworks basieren die Nebenmissionen sogar auf Geschichten, die sie persönlich erlebt haben.

Ghostwire Tokyo test
Geheimer Torii-Schrein unter der Erde

Ich hätte mir vielleicht gewünscht, dass die Story an sich etwas gruseliger ausfällt, wie anfänglich von Ghostwire Tokyo erwartet. Das wurde im Vorfeld allerdings schon geklärt, dass man den Titel eher im Action-Adventure Genre einordnet.

Befriedigendes Gameplay

Stark hat man sich auch auf das Gameplay von Ghostwire Tokyo konzentriert, das insbesondere durch die Features der PS5 genial, mächtig und wirklich motivierend wirkt. Selten macht es so viel Spaß, sich einem Gegner nach dem anderen zu stellen.

Wie erwähnt, laufen in ganz Tokyo diese Besucher herum, die man an nahezu jeder Straßenecke trifft und die euch bei Kontakt sofort angreifen. Mal offensiv, mal defensiv, mal aus der Distanz. Schon hier zeigt sich, dass man es mit einer guten Auswahl unterschiedlicher Gegnertypen zu tun bekommt, die alle ihre eigene Taktik erfordern und meist auch in Gruppen auftreten. Und nicht immer ist ein drum herum schleichen möglich. Das gilt insbesondere für die teils riesigen Bossgegner, die locker mit denen aus Elden Ring mithalten können, aber auch für alle anderen, die nicht einfach nur sture Muster ablaufen, sondern permanent hin und her hüpfen oder unvermittelt vor euch auftauchen.

Ghostwire Tokyo ps5
Abstrakte Visionen von Akira

Akito selbst kann sich mittels übersinnlicher Fähigkeiten verteidigen und angreifen, die meist auf Elementarkräften basieren oder denen nachempfunden sind. Während ein stetiges Haudrauf sicherlich auch mal zum Erfolg führt, liegt die spielerische Befriedigung eher im geschickten Einsatz dieser Kräfte. Ganz klassisch lassen sich diese nämlich upgraden, so dass ein simpler Feuerball später zu einem Feuersturm wird. Aber auch defensive Taktiken wie Parieren und Kontern fühlen sich fantastisch an, wenn man seine Gegnern im richtigen Moment ausbremst oder mit einem mächtigen Schlag vor sich zerbröseln sieht. Die Funken sprühen hier nur so über den Bildschirm und wecken Erinnerungen an das visuelle Feuerwerk in Returnal.

Das alles lässt sich auch mit Talismanen oder Gebetsketten noch verfeinern, in dem man seine Gegner verlangsamt oder gar betäubt. Gerade auf den hohen Schwierigkeitsgraden muss man viel mehr überlegen und seine Kräfte kombinieren, anstatt nur offensiv drauf los zu stürmen. Das erinnert mich ein wenig an Project Zero, wo die Kamera alleine auch irgendwann nutzlos war und man zusätzliche Kräfte kombinieren musste, um dem Bösen Herr zu werden. Ein Highlight ist es auch immer wieder, wenn man den Besuchern am Ende ihren Kern entreißen kann, was sie endgültig zurück ins Jenseits befördert und euch selbst nützliche Energie und Ressourcen bringt.

Ghostwire Tokyo
Besuchern den Kern entreißen

Absolut genial integriert wurde zudem der Dualsense-Controller, der euch mittels haptischen Feedback und den adaptiven Triggern eure Kräfte hautnahe spüren lässt. Lädt man einen Angriff auf, wird deutlich, wie die Trigger immer stärker gegen einen arbeiten und man irgendwann gezwungen wird, sie zu entfesseln. Auf den Maximalstufen fühlt man regelrecht, wie mächtig diese Angriffe sein können. Das kombiniert mit den Sounds aus dem Lautsprecher, der allgemeinen Geräuschekulisse und dem Touchpad, auf dem man Symbole zeichnen kann, war selten ein Spiel so überzeugend in der Hinsicht, wie Ghostwire Tokyo.

Sightseeing in Tokio

Mit Tokio als Schauplatz hat man sich in Ghostwire Tokyo für eine recht übersichtliche Sandbox-Umgebung entschieden. Komplett in den unheimlichen Nebel gehüllt, lässt sich dieser mittels Beschwörungen der Torii-Schreine immer mehr zurückdrängen und somit die Karte freilegen. Schon auf den ersten Metern wird deutlich, wie viel Liebe zum Detail in die Spielwelt geflossen ist. All die verschachtelten Straßen und kleinen Gassen repräsentieren das Tokio, wie man es sich vorstellt. Auch an die berühmte Shibuya-Kreuzung hat man gedacht. Man kann Geschäfte, Waschsalons und Apartments betreten, hoch über die Dächer streifen und noch so kleinen Winkel erkunden. Sogar das Jenseits und abstrakte Welten im Stil von The Evil Within lassen einen immer wieder mit staunen zurück, womit sich Ghostwire Tokyo erfrischend anders und auch nach Next-Gen anfühlt.

Ghostwire Tokyo setting
Sightseeing in Tokio

Dabei lernt man immer wieder mehr über die japanische Mythologie, wenn man an Schreinen oder kleinen Gebetsorten vorbeizieht, über Friedhöfe wandelt oder kunstvoll gestaltete Parks besucht. Diesen gegenüber steht aber auch eine ultra-moderne Metropole mit beeindruckender Architektur, riesigen Glasgebäuden und Wahrzeichen, ebenso werden aber auch die ärmlicheren Arbeiterviertel oder das Metro-Netz repräsentiert – ein wahrer Sightseeing-Trip, den man hier erlebt.

Etwas gruselige Ansichten liefert die Kleidung all derer, die überall auf dem Boden verteilt liegt und die zuvor vom Nebel verschlungen wurden. In Massen zeichnen sich damit die Umrisse von Menschen ab, die noch vor wenigen Augenblicken an diesen Orten standen, auf dem Fahrrad unterwegs waren oder ein Handygespräch führten. Aber auch die unzähligen Gegenstände, die in der Zwischenwelt festhängen schimmern schwebend überall herum. Ein Detail, das man clever dazu nutzt, um seine Ressourcen aufzufüllen. 

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Insgesamt ist Ghostwire Tokyo damit ein echter PS5 Showcase, der zur Abwechslung mal nicht durch ältere Hardware zurückgehalten wird. Das zeigt sich auch an den insgesamt sechs Grafik- und Performance Modi, die von 4K, über Raytracing, bis 60 fps für jeden das gewünschte Spielerlebnis liefern. Und das mit einer nahezu technischen Perfektion serviert, ohne störende Einbrüche oder ähnliches.

TEST: Ghostwire Tokyo – Technik-Spektakel in der japanischen Mythologie
“Ich bin wirklich beeindruckt und es gibt nur wenig, was man an Ghostwire Tokyo nicht mögen kann. Der Titel von Tango Gameworks zeigt in solch vielen Aspekten auf, wozu die PS5 in der Lage ist, wenn man auf keine andere Plattform Rücksicht nehmen muss. Die japanische Geistergeschichte ist durchweg interessant, das Gameplay fühlt sich mächtig und befriedigend an, und technisch bekommt man hier ein echtes Feuerwerk geboten. Art und Design sind zudem erfrischend anders und man bekommt so viele tolle Eindrücke aus der japanischen Kultur und Geschichte geboten, dass man auch über kleinere Mankos hinwegschauen kann. Ghostwire Tokyo ist damit ein weiterer Pflichtkauf für PS5 und ein würdiger Abschied von Tango Gameworks auf PlayStation, die fortan wohl 'vermutlich' nur noch für Xbox entwickeln werden. Leider!”
Plus
Spannende Geschichte
Detailliertes Setting
Grafisch ein echter Showcase
Sinnvolle Nebenmissionen zur Story
Erstklassige Dualsense Features
Minus
Kämpfe können repetitiv sein
Fliegen & Springen wirken seltsam
9.4
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